Medikamente - Wechselwirkungen

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Wenn Dein Angehöriger mehrere Medikamente benötigt, steigt auch das Risiko für Wechselwirkungen. Doch nicht nur ärztlich verordnete Arzneien haben das Potenzial, die Wirkung anderer Mittel zu beeinflussen. Auch frei verkäufliche Präparate, Genussmittel und manche Lebensmittel können sich ungünstig auswirken. Worauf Du achten solltest.

Das Wichtigste in Kürze

  • Veränderungen in Befindlichkeit oder Verhalten können auch auf eine Wechselwirkung zurückzuführen sein.
  • Je mehr Medikamente jemand einnimmt, desto größer wird das Risiko für Wechselwirkungen.
  • Auch nicht-verschreibungspflichtige Mittel und sogar Lebens- und Genussmittel können Wechselwirkungen hervorrufen.
  • Online-Angebote wie der Wechselwirkungscheck geben einen ersten Hinweis auf mögliche Wechselwirkungen, ersetzen aber nicht den ärztlichen Rat oder die Beratung in der Apotheke.

Typische Symptome

Wenn sich die gesundheitliche Verfassung oder auch das Verhalten Deines zu pflegenden Angehörigen verändert, kann das ein Anzeichen für eine Wechselwirkung sein. Zu typischen Symptomen, auf die Du achten solltest, gehören beispielsweise:

  • Herz-Kreislauf-Probleme, zum Beispiel Blutdruckschwankungen oder Herzrasen
  • auffällige Müdigkeit
  • Schwindel ohne erkennbare Ursache
  • Stürze
  • Gedächtnisprobleme oder Verwirrtheit
  • Magen-Darm-Beschwerden

Unser Tipp: Insbesondere dann, wenn Dein Angehöriger ein neues Präparat oder ein gewohntes Medikament von einem anderen Hersteller erhält, solltest Du auf mögliche Symptome achten, die Beschwerden dokumentieren und gegebenenfalls Rat in der Arztpraxis oder Apotheke suchen.

Zusammenspiel

Im Gegensatz zu Nebenwirkungen treten Wechselwirkungen erst im Zusammenspiel mit anderen Wirkstoffen auf. Je mehr Medikamente jemand einnimmt, desto mehr steigt die Wahrscheinlichkeit für Wechselwirkungen. Ebenso nimmt die individuelle Medikamentenverträglichkeit eine Rolle dabei ein, ob und in welchem Ausmaß es zu Wechselwirkungen kommt.

Bekannte Auslöser

Einige Medikamente können besonders häufig Wechselwirkungen auslösen, darunter

  • Antibiotika
  • Blutdrucksenker
  • Blutverdünner
  • Cholesterinsenker
  • Herzmedikamente, etwa gegen Herzinsuffizienz oder Herzrhythmusstörungen
  • Antidepressiva

Gut zu wissen: Wechselwirkungen müssen nicht zwingend unerwünscht beziehungsweise negativ sein. Mitunter werden sie gezielt therapeutisch genutzt, um die Wirkung von Medikamenten zu optimieren.

Schmerzmittel & Co

Doch nicht nur verordnete Medikamente haben das Potenzial, Wechselwirkungen auszulösen. Nicht-verschreibungspflichtige Medikamente wie etwa Ibuprofen können ebenso zu Wechselwirkungen führen wie Nahrungsergänzungsmittel, pflanzliche und homöopathische Mittel sowie Vitaminpräparate oder auch Hausmittel wie spezielle Kräutertees. Daher solltet Ihr es am besten im Medikamentenplan ergänzen, wenn Dein zu pflegender Angehöriger eines oder mehrere dieser Mittel regelmäßig nimmt. Werden Blutverdünner zum Beispiel zeitnah mit bestimmten Schmerzmitteln eingenommen, erhöht sich das Risiko für gefährliche Blutungen.

Gut zu wissen: Auch mehrere parallele Erkrankungen können das Risiko für Wechselwirkungen erhöhen, da manche Medikamente zwar bei einer Krankheit helfen, sich bei einer anderen jedoch nachteilig auswirken können. Das sollten Arztpraxis und Apotheke aber im Blick haben.

Lebens- und Genussmittel

Sogar manche Lebens- und Genussmittel nehmen Einfluss auf bestimmte Stoffwechselwege, was somit einen Effekt auf die Verstoffwechselung mancher Wirkstoffe hat. Daher können auch Lebensstil und Ernährungsweise mitunter die Wirkung von Medikamenten beeinflussen. Einige konkrete Beispiele:

  • Grapefruits und Grapefruitsaft haben eine hemmende Wirkung auf Leberenzyme, die am Abbau bestimmter Medikamentenwirkstoffe beteiligt sind. Insbesondere bei der Einnahme von Cholesterinsenkern, bestimmter Antidepressiva und Beruhigungsmitteln sowie Bluthochdruck- und Herzmedikamenten ist daher mit Grapefruits Vorsicht geboten. Die Mittel könnten viel stärker oder kaum wirken.
  • Echtes Lakritz hat eine Blutdruck steigernde Wirkung. Es enthält außerdem Glycyrrhizin, welches die Wirkung entwässernder Medikamente verstärken und das Risiko für einen Kaliummangel erhöhen kann. Patienten mit Bluthochdruck, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und/oder Diabetes sollten auf Lakritz besser verzichten.
  • Die in Milch und Milchprodukten enthalten Inhaltsstoffe Kalzium und Casein können die Wirkung mancher Antibiotika und Immunsuppressiva sowie die von Schilddrüsenhormonen und Osteoporose-Mitteln beeinträchtigen.
  • Grünes Gemüse wie Grünkohl, Spinat, Brokkoli und Mangold enthält viel Vitamin K und kann aufgrund dessen die Wirkung von Blutverdünnern abschwächen.
  • Kaffee und Tee haben ebenfalls Wechselwirkungspotenzial. Manche Wirkstoffe verlangsamen den Abbau von Koffein, was Schlafprobleme induzieren kann. Die in Kaffee, grünem und schwarzem Tee enthaltenen Gerbstoffe können außerdem die Wirkung mancher Antidepressiva beeinträchtigen.
  • Alkohol kann die Wirkung vieler Medikamente beeinflussen. Zum Beispiel kann er die von Beruhigungsmitteln verstärken, was im Extremfall lebensbedrohliche Ausmaße annehmen kann.
  • Nikotin kann den Abbau bestimmter Wirkstoffe beschleunigen.

Das sind nur einige besonders wichtige Beispiele. Fragt im Zweifelsfall in der Apotheke nach, wenn Ihr Bedenken hinsichtlich bestimmter Lebens- oder Genussmittel habt.

Gut zu wissen: Weil Säfte, Tee, Kaffee und Alkohol eigene Wirkstoffe enthalten, ist es so wichtig, Medikamente immer mit stillem Wasser einzunehmen. Dann können die Arzneimittel am besten so wirken, wie sie sollen und getestet sind.

Ursachen

Weshalb unterschiedliche Substanzen miteinander interagieren, wenn sie gleichzeitig im Körper sind, ist auf mehrere Ursachen zurückzuführen. Die folgenden Faktoren spielen dabei häufig eine zentrale Rolle:

  • Nieren und Leber: Viele Medikamente werden in Nieren und Leber abgebaut beziehungsweise ausgeschieden. Konkurrieren zwei oder mehrere Medikamente um die gleichen Stoffwechselwege beziehungsweise um die gleichen am Abbau beteiligten Enzyme, können diese Prozesse verzögert oder beschleunigt werden. Mögliche Folgen sind etwa eine erhöhte Wirkstoffkonzentration im Blut, Überdosierungen sowie Nieren- oder Leberschäden.
  • Rezeptorstellen: Viele Medikamente nutzen bestimmte Rezeptoren. Wenn verschiedene Wirkstoffe an denselben Rezeptorstellen andocken, kann das die jeweilige Wirkung verstärken oder abschwächen.
  • Im Blut: Manche Präparate entfalten ihre Wirkung über Plasmaproteine im Blut. Benötigen mehrere Substanzen dieselben Bindungsstellen, kann das die Wirksamkeit beeinflussen.

Wechselwirkungscheck

Es gibt mittlerweile einige Erkenntnisse über die Wechselwirkungen bestimmter Wirkstoffe. Einen ersten Überblick, ob konkrete Medikamente miteinander wechselwirken können, erhältst Du über einen Wechselwirkungscheck im Internet, wie ihn manche Krankenkassen und Gesundheitsportale anbieten. In diesen Datenbanken, die es teilweise auch als App gibt, kannst Du die Namen der Präparate samt Dosierung eingeben und erhältst sofort eine Angabe, ob und in welcher Art und Weise eine Kombination kritisch ist.

Der Wechselwirkungscheck im Internet oder per App ersetzt jedoch nicht die Beratung in der Apotheke oder die ärztliche Einschätzung. Es ist lediglich eine hilfreiche grobe Einschätzung, da individuelle Faktoren wie eventuelle Krankheiten nicht berücksichtigt werden.

Unser Tipp: Wenn Ihr sämtliche Medikamente immer in derselben Apotheke besorgt, hat das Personal einen guten Überblick und wird gegebenenfalls auf mögliche Wechselwirkungen hinweisen. Auch in der elektronischen Patientenakte (ePA) könnt Ihr Angaben zu allen Medikamenten hinterlegen, was den Überblick erleichtert.

Die erweiterte Medikationsberatung

Wer fünf oder mehr ärztlich verordnete Arzneimittel einnimmt, hat einmal im Jahr Anspruch auf eine „Erweiterte Medikationsberatung bei Polymedikation“ in der Apotheke – werden mindestens drei Präparate ausgetauscht oder hinzugefügt, auch häufiger. Dabei wird umfassend geprüft, ob potenzielle Wechselwirkungen oder andere Risiken bestehen.

Natürlich könnt Ihr Euch ebenso bei Eurem Haus- oder Facharzt beraten lassen. Das solltet Ihr regelmäßig machen, insbesondere bei mehreren Erkrankungen oder langfristiger Einnahme von Medikamenten. Ärzte können zum Beispiel beurteilen, ob eine Dosierung angepasst oder ein Präparat ganz abgesetzt werden sollte, und gegebenenfalls Blutuntersuchungen veranlassen.

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