Medikamente - Einnahme

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Je umfangreicher ein Medikamentenplan ist, desto komplexer gestaltet sich die Einnahme der einzelnen Mittel zu verschiedenen Zeitpunkten. Falls Dein Angehöriger Schwierigkeiten beim Schlucken hat, können ein paar Tricks helfen. In jedem Fall wichtig ist es, die Präparate in Ruhe zu richten. Wenn Dein Angehöriger das nicht mehr selbst schafft, liegt es nahe, dass Du dabei hilfst. Wird Dir das zu unübersichtlich, kann das ein Pflegedienst übernehmen. Sofern der Arzt das als häusliche Krankenpflege verschrieben hat, tragen die Krankenkassen die Kosten.

Das Wichtigste in Kürze

  • Eine gute Vorbereitung in Ruhe hilft, Fehler zu vermeiden.
  • Es gibt bestimmte Techniken, die das Schlucken erleichtern können.
  • Wichtig ist auch, auf die Verträglichkeit der Medikamente zu achten.
  • Je komplexer die Medikation, desto sinnvoller ist es, einen Pflegedienst zur Entlastung hinzuzuziehen.
  • Rein rechtlich darfst Du nur auf Nachfrage helfen. Das Verabreichen von Medikamenten fällt in den Bereich der sogenannten medizinischen Behandlungspflege und darf nur von ausgebildeten Fachkräften ausgeführt werden.

Organisation und Vorbereitung

Viele Pflegebedürftige müssen regelmäßig Medikamente einnehmen. Für die sichere Handhabung ist es empfehlenswert, die Medikamente in aller Ruhe zu richten. Am besten ist es, einmal in der Woche alles für die ganze Woche vorzubereiten. So muss Dein Angehöriger nicht jeden Tag überlegen und Du gerätst nicht bei jedem Besuch unter Stress oder Zeitdruck, weil Unklarheit über die Medikamente herrscht.

5-R-Regel

Ihr könnt Euch dabei an die sogenannte 5-R-Regel halten. Sie ist eine Merkhilfe aus der professionellen Pflege. Die fünf Rs stehen dabei für:

  • richtiger Patient,
  • richtiges Arzneimittel,
  • richtige Dosierung,
  • richtige Darreichungsform und
  • richtiger Zeitpunkt.

Solange Dein Angehöriger körperlich und mental noch dazu in der Lage ist, kann er die Vorbereitung allein übernehmen. Alles, was Dein Angehöriger noch selbst schafft, hält ihn auch länger selbstständiger und fitter. Zu viel abzunehmen, kann den weiteren altersbedingten Abbau begünstigen.

Unser Tipp: Wenn Du allerdings nicht ganz sicher bist, ob das noch klappt, kannst Du Dich dazusetzen und Ihr richtet die Medikamente gemeinsam.

Medikamenten-Organizer

Am besten nutzt Ihr sogenannte Medikamenten-Dispenser, auch Medikamenten-Organizer genannt. Die gibt es in verschiedenen Ausführungen, zum Beispiel in der Apotheke oder auch im Internet. Die einfachsten Modelle bestehen aus kleinen, unterteilten Tagesboxen von Montag bis Sonntag mit meist jeweils vier einzelnen Fächern. In die sortiert Ihr tageweise die Tabletten für morgens, mittags, abends und zur Nacht.

Komplexere Modelle können zum Beispiel eine Erinnerungsfunktion haben oder so konstruiert sein, dass nur die jeweils aktuelle Tagesbox erreichbar ist. Ist der Tag verstrichen, nimmt man die Box raus und schiebt sie hinten wieder in das System, wodurch der kommende Tag nach vorne rutscht. Das kann Verwechslungen vorbeugen.

Digitale Tablettenspender

Es gibt mittlerweile auch automatisierte Tablettenspender, die von der Apotheke programmiert und befüllt werden. Die Idee: Eine kleine Box spuckt immer zur richtigen Zeit die korrekte, einzeln verpackte Tablette aus. Außerdem hilft eine Erinnerungsfunktion dabei, kein Medikament zu vergessen. Die Kosten dafür werden auf Antrag als Pflegehilfsmittel von der Pflegekasse übernommen.

Unser Tipp: In der Apotheke vor Ort könnt Ihr Euch verschiedene Ausführungen zeigen lassen. Hier kann Dein Angehöriger auch gleich die Bedienung ausprobieren. Wenn die Fingerfertigkeit im Alter nachlässt, ist nicht jeder Mechanismus leicht in der Handhabung. Sucht ein Modell, das für ihn gut funktioniert.

Verblisterung

Einzeln verpackte Tabletten findest Du gut, aber keinen automatisierten Spender? Manche Apotheken bieten den Service an, die Medikamente für jeden Tag und jede Tageszeit in kleinen Tütchen vorsortiert und verpackt zu liefern. Ihr müsst dann nur noch das richtige Tütchen öffnen. Diese sogenannte Verblisterung ist praktisch und spart Zeit, funktioniert aber nur für Tabletten und Kapseln und kostet darüber hinaus in der Regel zwischen 10 und 25 Euro im Monat.

Gut zu wissen: Unter bestimmten Umständen übernimmt die Kranken- oder Pflegekasse auch diesen Service. Fragt am besten bei Eurer Apotheke vor Ort nach den konkreten Konditionen.

Tricks fürs Schlucken

Wenn das Schlucken größerer Tabletten Schwierigkeiten bereitet, können manchmal bestimmte Schlucktechniken Abhilfe schaffen. Der Nick-Trick hilft zum Beispiel bei Kapseln. Dazu legt man die Kapsel auf die Zunge, nimmt einen großen Schluck Wasser und das Kinn vor dem Schlucken Richtung Brust. Dadurch schwimmt die Kapsel nach oben und hinten.

Bei Tabletten hat sich dagegen bewährt, einen kräftigen Schluck Wasser zu nehmen und den Kopf vor dem Schlucken leicht nach hinten zu neigen. Die schwereren Tabletten sinken dann besser ab.

Unser Tipp: Das Trinken aus einer Flasche oder aus einem Becher mit Strohhalm hilft durch den Sog, dass die Tablette besser mitgenommen wird.

Noch ein anderer Trick ist: Man kaut ein Stück Brot weich und nimmt die Pille dann zusammen mit dem Brei und einem guten Schluck Wasser ein.

Helfen diese Tricks nicht, gibt es auch Schnabelbecher mit Tabletteneinschub oder sogenannte Schluckhilfen. Bei Letzteren handelt es sich um dünne, gleitfähige Überzüge oder spezielle Medikamenteneinnahme-Gele, die die Tabletten oder Kapseln glatter machen sollen und damit leichter schluckbar.

Wenn all das nicht in Frage kommt oder keine Erleichterung bringt, gibt es noch zwei Möglichkeiten:

  1. Fragt nach einer anderen Darreichungsform wie Tropfen oder Saft.
  2. Denkt über eine Schlucktherapie in einer Logopädie-Praxis nach. Die kann den Alltag deutlich erleichtern.

Verträglichkeit beobachten

Achte darauf, ob Dein zu pflegender Angehöriger seine Medikamente auch gut verträgt. Das gilt besonders dann, wenn es neue Verschreibungen oder Änderungen im Medikamentenplan gibt oder die Apotheke vielleicht denselben Wirkstoff nur noch in einem anderen Präparat als dem gewohnten liefern kann.

Folgendes können Hinweise auf unerwünschte Wirkungen sein:

  • Wirkt Dein Angehöriger ungewöhnlich schlapp oder unruhig?
  • Ist ihm womöglich unwohl, übel oder hat er Verdauungsbeschwerden?

Sprecht bei Unregelmäßigkeiten mit dem Arzt oder Apotheker.

Was darfst Du als Nicht-Pflegefachkraft?

Die wenigsten pflegenden Angehörigen haben eine medizinische oder pflegerische Ausbildung. Daher solltest Du wissen, was Du als Nicht-Pflegefachkraft darfst hinsichtlich der Medikamentengabe – und vor allem auch, was Du rein rechtlich nicht darfst und wofür Du deshalb professionelle Unterstützung brauchst.

Es dürfte auf der Hand liegen, dass Injektionen oder Infusionen Fachkenntnisse erfordern und von geschulten Pflegekräften übernommen werden müssen. Rein rechtlich ist es allerdings so, dass auch alle Tätigkeiten, die in die sogenannte medizinische Behandlungspflege fallen, nur von ausgebildeten Fachkräften ausgeführt werden dürfen. Das sind zum Teil Dinge, von denen Du es vielleicht nicht erwartet hättest.

In den Bereich der medizinischen Behandlungspflege gehören alle ärztlich verordneten medizinischen Tätigkeiten, die eine examinierte Pflegekraft durchführt, darunter:

  • das Richten und Verabreichen von Medikamenten
  • das Messen von Blutdruck und Blutzucker
  • das Anlegen von Kompressionsverbänden sowie das An- und Ausziehen von Kompressionsstrümpfen
  • das Durchführen einer Inhalation
  • die Versorgung eines Dekubitus, von Wunden allgemein sowie das Wechseln eines Verbandes
  • das Verabreichen von Injektionen, zum Beispiel Insulinspritzen oder Thrombosespritzen
  • die Versorgung von Kathetern, Ernährungssonden, künstlichen Darmausgängen und Drainagen

Je komplexer die Medikation, also je mehr verschiedene Medikamente in unterschiedlichen Dosierungen und zu unterschiedlichen Zeitpunkten Dein zu pflegender Angehöriger benötigt, desto höher ist die Fehleranfälligkeit. Wenn Dein Angehöriger das nicht mehr selbstständig schafft und Dich zum Beispiel beim Bereitlegen der Medikamente oder Blutdruckmessen aktiv um Unterstützung bittet, kannst Du ihm zur Hand gehen. Willst Du rechtlich auf der sicheren Seite sein, solltest Du jedoch alles, was in die medizinische Behandlungspflege fällt, einem Pflegedienst überlassen.

Auch wenn Du in Sachen Medikamenten-Einnahme einfach ein bisschen unsicher bist oder Dich überfordert fühlst, ist es völlig in Ordnung, dafür einen Pflegedienst anzufragen. Das kann Dich und Deinen Angehörigen gleichermaßen entlasten. Die Kosten dafür werden von der Krankenkasse übernommen, wenn Bereitstellung und Verabreichung der Medikamente im Rahmen der häuslichen Krankenpflege ärztlich verordnet sind. Die Voraussetzungen sind im Sozialgesetzbuch (SGB V) geregelt. Fragt bei Interesse in der Arztpraxis nach. Je komplexer die Hilfestellung ist, desto üblicher ist es, dass die Krankenversicherung die Unterstützung durch einen Pflegedienst übernimmt.

Gut zu wissen: Es spielt für die Kostenübernahme keine Rolle, ob ein Pflegegrad vorliegt. Zuständig ist die Krankenversicherung – auch wenn es der gleiche Pflegedienst übernimmt, der beispielsweise auch Körperpflege leistet. Der Dienst muss die Leistungen aufdröseln und jeweils beim korrekten Kostenträger abrechnen.

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