Testament – So kommt Ihr ins Gespräch

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Das Thema Testament anzusprechen, fällt vielen pflegenden Angehörigen schwer. Doch es erspart viele Umstände, wenn Dein Familienmitglied zu Lebzeiten seine Wünsche schriftlich festlegt. Wir zeigen Dir, wie Dir ein guter Gesprächseinstieg gelingen kann. Wichtig ist vor allem eine entspannte Gesprächsatmosphäre.

Das Wichtigste in Kürze

  • Ein ruhiger, passender Zeitpunkt erleichtert das Gespräch.
  • Oft hilft es, zunächst allgemein über Vorsorge und Wünsche zu sprechen.
  • Nicht jedes Gespräch muss mit einer konkreten Entscheidung enden.
  • Manchmal braucht es mehrere Anläufe, bis jemand über das Thema sprechen möchte.
  • Die Entscheidungen Deines Familienmitglieds haben Vorrang vor eigenen Wünschen.

Aller Anfang ist schwer

Eigentlich würdest Du das Thema „Testament“ gerne mit Deinem pflegebedürftigen Familienmitglied besprechen. Doch auch wenn das vernünftig und wichtig wäre – irgendwie ist nie der richtige Zeitpunkt. Denn einerseits ist die Nachlassregelung unweigerlich mit dem Thema „Tod“ verknüpft. Das kann Ängste auslösen oder den Eindruck vermitteln, Du würdest in absehbarer Zeit mit dem Schlimmsten rechnen. Außerdem möchtest Du wahrscheinlich nicht, dass Dein Angehöriger denkt, es ginge Dir „nur ums Erbe“.

Umgekehrt tun sich auch die pflegebedürftigen Eltern oder Großeltern manchmal schwer, das Thema von sich aus anzusprechen. Manche möchten ihre Kinder und Enkel nicht belasten. Andere haben Sorge, dass ein Gespräch über das Testament als Zeichen von Resignation verstanden werden könnte. Auch die Angst vor Streitigkeiten innerhalb des möglichen Erbenkreises könnte ein Hinderungsgrund sein.

Doch auch, wenn es nicht einfach ist, über den Tod und die Zeit nach dem eigenen Leben zu sprechen: Nur durch einen Austausch über die Wünsche und Erwartungen könnt Ihr diese als Familie später realisieren.

Der richtige Zeitpunkt

Für ein Gespräch über ein Testament braucht es vor allem eines: Ruhe. Die Ankündigung eines „großen Gesprächs“ kann dagegen eher für Verunsicherung sorgen. Ein entspannter Nachmittag, ein gemeinsamer Spaziergang oder eine Tasse Kaffee bieten oft bessere Voraussetzungen als geschäftige Alltagssituationen. Viele Menschen sprechen leichter über persönliche Themen, wenn sie sich wohlfühlen und ausreichend Zeit haben.

Hilfreich ist auch, wenn Dein Angehöriger gesundheitlich und emotional gerade in der Lage ist, sich mit solchen Fragen auseinanderzusetzen. Dann gelingt es oft besser, Gedanken und Wünsche in Ruhe zu formulieren.

Locker ins Gespräch kommen

Vielleicht ergibt sich das Thema ganz natürlich, etwa nachdem im Bekanntenkreis ein Todesfall eingetreten ist und es dort Unklarheiten beim Erbe gab. Aber auch, wenn Ihr Euch zum Beispiel gerade um eine Patientenverfügung kümmert, ist die Überleitung zum Testament leichter.

Mögliche Gesprächseinstiege können sein:

„Wir haben ja schon die Patientenverfügung aufgesetzt. Sollen wir uns vielleicht auch gleich noch anschauen, was man zur Erstellung eines Testaments braucht?“

„Mir ist wichtig, dass Deine Wünsche später berücksichtigt werden. Hast Du Dir darüber schon Gedanken gemacht?“

„Ich habe letztens einen Artikel zur gesetzlichen Erbfolge gelesen. Weißt Du, was das in Deinem Fall bedeutet?“

Solche Fragen lassen Raum für eigene Gedanken und setzen Deinen Angehörigen nicht unter Druck.

Was Du wissen solltest

Wenn das Thema zur Sprache kommt, musst Du nicht sofort alle Details wissen. Oft reicht es, zunächst zu erfahren, ob überhaupt ein Testament existiert und ob Dein zu versorgender Angehöriger wichtige Wünsche bereits festgehalten hat. Manche Menschen sprechen offen über ihre Vorstellungen. Andere möchten den genauen Inhalt ihres Testaments für sich behalten. Auch das solltest Du respektieren. Schließlich handelt es sich um eine sehr persönliche Entscheidung.

Was hingegen wichtig ist: Du solltest wissen, ob ein Testament vorhanden ist und wo dieses aufbewahrt oder hinterlegt wird. Das kann später viel Sucherei und Unsicherheit ersparen.

Manchmal braucht es Zeit

Nicht jeder ist sofort bereit, über ein Testament zu sprechen. Vielleicht muss sich Dein Familienmitglied erst mit dem Gedanken beschäftigen und benötigt dafür zunächst Zeit für sich. Denn oftmals sind zwar ungefähre Vorstellungen vorhanden, doch die Details müssen erst überdacht werden.

Schon das erste Gespräch kann ein wichtiger Schritt sein, auch wenn noch keine konkreten Entscheidungen getroffen werden. Wichtig ist erstmal der Gedankenanstoß. Dein Angehöriger muss das Testament nicht sofort erstellen.

Was tun, wenn kein Gespräch erwünscht ist?

Manchmal verläuft das Gespräch anders als erhofft. Vielleicht wechselt Dein Familienmitglied das Thema, reagiert ausweichend oder sogar empört. Das kann enttäuschend sein, vor allem, wenn es für Dich eine Überwindung war, das Gespräch zu suchen. Trotzdem solltest Du diese Reaktion respektieren. Für die meisten Menschen ist es nicht leicht, über das eigene Lebensende nachzudenken. Manche benötigen Zeit, um sich mit dem Gedanken anzufreunden. Andere möchten das Thema bewusst für sich behalten.

Versuche deshalb, keinen Druck auszuüben und nicht nachzubohren. Oft reicht es, den Gedanken einmal in den Raum zu stellen. Vielleicht greift Dein Angehöriger das Thema einige Wochen oder Monate später von selbst wieder auf. Du kannst Gesprächsbereitschaft signalisieren. Aber eventuell musst Du akzeptieren, dass Dein Familienangehöriger momentan keine Regelungen treffen oder darüber sprechen möchte.

Wenn mehrere Angehörige beteiligt sind

In vielen Familien kümmern sich mehrere Personen um einen Angehörigen. Vielleicht ist das auch bei Euch so. Dabei entstehen manchmal unterschiedliche Vorstellungen darüber, was bei der Nachlassregelung sinnvoll wäre.

Wichtig ist in solchen Situationen, die Wünsche des Angehörigen in den Mittelpunkt zu stellen. Schließlich geht es um seine Entscheidungen und seine Vorstellungen. Angehörige können unterstützen, informieren und zuhören. Die Entscheidung selbst bleibt jedoch bei dem Menschen, der sein Testament regeln möchte. Idealerweise halten sich daher alle Familienmitglieder mit Ratschlägen, Empfehlungen oder Hinweisen eher zurück.

Wenn Dir die Entscheidung nicht gefällt

Doch was, wenn Dein pflegebedürftiger Angehöriger eine Entscheidung trifft, die Du oder andere Familienmitglieder nicht gut finden? Vielleicht empfindet Ihr eine Regelung als ungerecht oder könnt bestimmte Verfügungen nicht nachvollziehen. Dann kann es schwerfallen, das so hinzunehmen.

Natürlich kannst Du das Gespräch suchen und Deine Überlegungen mitteilen. Wenn Dein Angehöriger offen für einen Austausch ist, kannst Du nachfragen und versuchen, die Beweggründe zu verstehen. Ebenso kannst Du Deine Argumente für oder gegen eine Entscheidung vortragen. Wichtig ist jedoch, nicht in die Rolle des Überzeugenden oder Bewertenden zu geraten. Ziel des Gesprächs sollte nicht sein, eine Entscheidung zu verändern, sondern die Wünsche Deines Angehörigen kennenzulernen und zu verstehen.

Mehr als ein Gespräch über Geld

Ein Gespräch über ein Testament dreht sich häufig nicht nur um Vermögen oder Besitz. Oft geht es um persönliche Vorstellungen und um die Frage, was einem Menschen am Herzen liegt. Auch wenn es meistens um sachliche Werte geht, ist das Thema in vielen Familien emotional. Denn hinter vielen Entscheidungen stehen Erinnerungen und Lebenserfahrungen, oft verbunden mit geliebten Menschen, die einen über Jahre begleitet haben.

Sich damit zu beschäftigen, kann sowohl Deinen pflegebedürftigen Angehörigen als auch Dich traurig machen, weil es an die Vergänglichkeit des Lebens erinnert. Es kann aber auch die Chance bieten, über Wünsche, Werte und wichtige Lebensstationen zu sprechen. Vielleicht erfährst Du Dinge, die Du bisher nicht wusstest. Oder Du lernst die Beweggründe und Lebensentscheidungen Deines Familienmitglieds aus einer neuen Perspektive kennen. In dieser Hinsicht kann so ein Gespräch sogar für mehr Nähe und Verständnis sorgen und Eure Verbindung vertiefen.

Sollte sich Dein Angehöriger dafür entscheiden, ein Testament zu verfassen, erfährst Du in unseren Artikeln „So sinnvoll ist ein Testament“ und „Das Testament erstellen“, was dafür wissenswert und nötig ist.

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