Pflege-WG gründen
Eine Pflege-WG gilt als moderne Wohnform mit pflegerischer Unterstützung. Wer selbst eine solche Wohngemeinschaft gründen möchte, muss zwar einiges beachten, aber das ist absolut möglich. Zuschüsse helfen, nötige Umbauten zu bezahlen. Insbesondere, wenn sowieso ein abbezahltes Haus da ist, das eigentlich zu groß für einen alleinstehenden Elternteil ist, kann die Gründung einer Pflege-WG eine gute Lösung sein.
Das Wichtigste in Kürze
- Wer eine Pflege-WG gründen möchte, muss einige Regularien beachten, die in den Bundesländern leicht unterschiedlich sind.
- Wichtig zu bedenken ist unter anderem der Brandschutz.
- Wer vorhandenen Wohnraum, etwa ein abbezahltes Haus, umbauen möchte, kann verschiedene Zuschüsse nutzen.
- Bewohner sollten sich in einem Verein oder einer Gesellschaft bürgerlichen Rechts zusammenschließen, um rechtlich handlungsfähig zu sein. Die Gründung ist recht unkompliziert.
- Verschiedene Modelle sind möglich, um die einzelnen WG-Zimmer und die Gemeinschaftsräume zu vermieten.
- Angehörige sollten sich gut verstehen, um gemeinsam die nötige Pflege, Hilfe und Freizeitgestaltung für die WG-Bewohner zu organisieren.
WG-Größe
In einer typischen Pflege-Wohngemeinschaft wohnen mindestens drei Personen mit Pflegegrad zusammen. Höchstens dürfen zwölf Menschen mit und ohne Pflegebedarf in eine gemeinsame WG ziehen, damit sie offiziell noch als solche gilt. Nicht alle müssen einen Pflegegrad haben. Damit es Zuschüsse gibt, brauchen nur mindestens drei einen Pflegegrad. So ist es in einer Pflege-WG problemlos möglich, dass beispielsweise auch Paare weiterhin zusammenwohnen, wenn nur einer von beiden einen Pflegegrad hat.
Vorüberlegungen
Für viele Ältere ist das Konzept Wohngemeinschaft nicht so bekannt wie für Menschen, die schonmal zu Ausbildungs- oder Studienzeiten in einer WG gewohnt haben. Daher ist es vielleicht eine gute Idee, dass Ihr mit mehreren Interesssierten gemeinsam überlegt, wie denn eine Pflege-WG aussehen könnte. Bitte Deinen Angehörigen zum Beispiel, über Folgendes nachzudenken:
- Mit wie vielen anderen würdest Du gerne zusammenleben?
- Mit wem, den Du bereits kennst, könntest Du Dir eine WG vorstellen?
- Was wäre Dir für Deinen Alltag wichtig? (Zimmergröße, Ausstattung des gemeinsamen Wohnzimmers, Terrasse, Garten)
- Welche Hilfs- und Betreuungsleistungen wären Dir wichtig? (gemeinsames Kochen oder Bekocht-Werden? Einkaufshilfe oder Lieferservice? Professioneller Wäscheservice oder Hilfe durch Angehörige?)
- Was wünschst Du Dir für Deine Freizeit? (gemeinsame Spielenachmittage? Ausflüge? Vorlesezeiten?)
Euch stehen ganz viele Möglichkeiten offen. Nehmt Euch ruhig ein bisschen Zeit zum Träumen. Das gelingt meist leichter, wenn Ihr über ein wirklich neues Wohnkonzept nachdenkt, als nur darüber, möglichst alles so zu belassen wie früher.
Wohnraum finden
Um eine WG zu gründen, braucht Ihr passenden Wohnraum. Nur selten sind vorhandene Wohnungen oder Häuser dafür gut geeignet. Optimal sind mehrere, möglichst etwa gleich große Zimmer, am besten jeweils mit eigenem Bad. Eine Zimmergröße von 15 bis 20 Quadratmetern wäre wünschenswert. Für alle zusammen muss außerdem mindestens ein großer Gemeinschaftsraum und eine Küche vorhanden sein. Um diese Voraussetzungen zu erfüllen, sind häufig Baumaßnahmen erforderlich.
Unser Tipp: Für die Gründung einer Pflege-WG solltet Ihr wenigstens vier Monate einplanen. Wenn noch nicht klar ist, wer sonst noch einziehen soll, eher etwas mehr.
Vorhandenen Wohnraum umbauen
Wenn Dein Angehöriger ein Haus oder eine große Wohnung besitzt, ist das meist die einfachste Lösung. Dann muss der Wohnraum "nur noch" passend umgebaut werden und dann könnt Ihr passende Bewohner suchen. Für die Umbauten könnt Ihr verschiedene Zuschüsse nutzen. Wir erläutern diese weiter unten.
Wichtig zu bedenken ist, dass der Umbau eines Hauses, in dem jemand Jahrzehnte lang gelebt hat, nicht immer leicht fällt. Gedanken an früher, gewohnte Abläufe und Strukturen, Erinnerungen an Erlebtes – all das muss zwar nicht, aber es kann einem gemeinschaftlichen Leben mit anderen im Weg stehen. Manchmal ist es daher doch einfacher, das vorhandene Haus zu vermieten und selbst in eine andere Wohnung zu ziehen, damit die WG wirklich neu anfangen kann.
Wohnraum anmieten
Es ist oft möglich, mit mehreren Leuten, die gerne zusammenziehen wollen, eine passende Wohnung zu finden. Am besten gelingt die Suche, wenn schon klar ist, wer zusammenziehen will. Soll Wohnraum angemietet werden und muss noch umgebaut werden, muss der Eigentümer diesen Umbauten zustimmen.
Häufig ist das gut machbar. Denn oft hat der Vermieter – beispielsweise die Kommune oder eine Wohngesellschaft – ein Interesse daran, Räume barrierefrei umbauen zu lassen und als Pflege-WG zu vermieten. Vielleicht wird er sich sogar finanziell und organisatorisch an Umbau oder Renovierungen beteiligen. Vorteile einer Pflege-WG für Vermieter sind unter anderem Fördergelder, Wertsteigerung der Immobilien und die langfristige, sichere Vermietung.
Gut zu wissen: In Bauprojekten von Kommunen oder Wohnbaufirmen werden spezielle Wohnformen wie zum Beispiel Pflege-WGs teilweise mit geplant. Fragt vor Ort nach. Vielleicht lässt sich eine Pflege-WG gleich von Baubeginn an mitgestalten.
Brandschutz
Wichtig in Bezug auf Umbauten ist nicht nur, dass der Wohnraum nachher ein schönes Zuhause für alle bieten kann, sondern dass dieser auch sicher ist. Ein wichtiger Faktor ist dabei der Brandschutz. Pflegebedürftige können sich teils nicht mehr so zügig bewegen, wenn es brennt. Deshalb gelten zum Teil schärfere Sicherheitsbedingungen für den Brandfall. Zwar sind die Anforderungen an private WGs längst nicht so hoch wie an solche, die von Anbietern organisiert werden. Doch in manchen Regionen gelten trotzdem schärfere Regeln als für sonstige private Wohnräume.
Unser Tipp: Damit Ihr auf der sicheren Seite seid, fragt am besten beim örtlichen Bauamt nach. Entscheidend sind die jeweils regionalen Bauordnungen.
Mitwohner finden
Für eine WG braucht man natürlich Mitbewohner. Im Idealfall hat Dein Angehöriger mit Pflegebedarf schon Vorstellungen, mit wem er oder sie gerne zusammenziehen würde. Ansonsten lassen sich Mitbewohner auch über die üblichen Wege wie Online-Anzeigen finden. Auch ein Aushang im örtlichen Pflegestützpunkt kann eine gute Idee sein.
Unterstützung organisieren
Für eine Pflege-WG braucht es üblicherweise drei Arten von Unterstützung:
- einen ambulanten Pflegedienst, der klassische Pflege leistet
- Hilfskräfte für den Haushalt
- Präsenzkräfte, die Zeit mit den Bewohnern verbringen und bei Alltagskleinigkeiten helfen
Der Pflegedienst
In einer selbstorganisierten WG wird der Pflegedienst individuell organisiert. Zwar sind verschiedene Pflegedienste denkbar, meist wird aber ein Dienst für alle Bewohner gewählt. Das hat den Vorteil, dass Synergie-Effekte genutzt werden können. Die Anfahrt ist dieselbe. Die Pflegekraft ist länger vor Ort und kann in der Zeit von allen angesprochen werden. Stehen zum Beispiel mehreren Personen kurze Zeiten für die Zubereitung von Mahlzeiten zu, kann das in eine lange Zubereitungszeit für alle umgewandelt werden.
Einen passenden Pflegedienst in der Nähe könnt Ihr direkt hier in der App suchen.
Gut zu wissen: Auch Präsenzkräfte lassen sich meist über Pflegedienste finden. Alternativ ist oft auch eine Unterstützung durch ehrenamtliche Vereine oder Nachbarschaftshilfe möglich.
Hilfsdienste
Auch für Hilfe im Haushalt ist es sinnvoll, wenn nur ein Dienst kommt. Bäder und Küche können von einer Person für alle geputzt werden und ein Einkauf genügt.
Mögliche Zuschüsse
Für die Gründung einer Pflege-WG gibt es mehrere Möglichkeiten für finanzielle Zuschüsse aus unterschiedlichen Quellen. Lasst Euch am besten beraten, welche Kombination für Euch am besten geeignet ist.
Pflegeversicherung
Die Pflegeversicherer leisten eine Anschubfinanzierung für die Gründung einer Pflege-WG, wenn mindestens zwei einziehende Personen einen Pflegegrad haben. Außerdem lässt sich der Zuschuss für Umbauten wie üblich nutzen. Das hießt konkret:
- 2613 Euro als Anschubfinanzierung: Jedes Mitglied der Wohngruppe mit einem Pflegegrad kann von der Pflegeversicherung diese einmalige Anschubfinanzierung beantragen. Pro Pflege-WG werden maximal 10.452 Euro gewährt. Das entspricht vier Zuschüssen.
- 4180 Euro für wohnumfeldverbessernde Maßnahmen: Zusäztlich kann jeder Bewohner diesen Zuschuss beantragen für Umbauten, die die Pflege in der WG erleichtern oder überhaupt erst ermöglichen. Das kann eine Person allein machen, beispielsweise für eine ebenerdige Dusche. Oder mehrere Personen beantragen eine Maßnahme, die allen hilft, wie eine Rampe oder ein Treppenlift. Höchstens erhält eine WG 16.720 Euro, also vier Zuschüsse.
Staatliche Zuschüsse
Auch von der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) lassen sich Zuschüsse oder auch ein günstiger Kredit nutzen. Das kann zum Beispiel sinnvoll sein, wenn der Umbau sehr teuer wird oder wenn ein oder mehrere Mitbewohner keinen Pflegegrad haben. Sie können dann passende Anträge bei der KfW stellen.
Regional gibt es teilweise eigene und zeitlich begrenzte Förderprogramme, etwa für altersgerechte Umbauten im Allgemeinen oder Pflege-WGs im Speziellen. Informiert Euch dazu vor Ort. Ansprechpersonen nennt zum Beispiel das Serviceportal "Zuhause im Alter".
Wichtig ist grundsätzlich, dass jede Umbau-Maßnahme nur von einer Stelle gefördert wird. Außerdem müsst Ihr die nötigen Anträge stellen, bevor die Umbauten starten. Details erklärt unser Artikel "Umbauten: Staatliche Zuschüsse".

