Altersdepression oder Demenz?
Kein Antrieb, Vergesslichkeit, Übellaunigkeit oder Aggressionen: Wenn Dein Angehöriger solche Symptome zeigt, kann eine Depression oder eine Demenz dahinterstecken – oder sogar beides. Oft zeigen sich die Erkrankungen mit ähnlichen Symptomen und werden daher zum Teil auch verwechselt. Es lohnt sich, die Zusammenhänge und Unterschiede zu kennen, denn für beide Krankheiten gibt es unterschiedliche Behandlungsansätze.
Das Wichtigste in Kürze
- Demenz und Depressionen kommen im hohen Lebensalter häufig vor.
- Beide Erkrankungen beeinträchtigen Denken, Fühlen und Handeln.
- Die Symptome können sich ähneln, die Behandlung ist aber verschieden. Umso wichtiger ist es, die Unterschiede zu kennen.
- Manchmal treten beide Erkrankungen auch gemeinsam auf.
- Depressionen können auch in einem höheren Lebensalter wirksam geheilt werden.
- Bei einer Demenz gibt es bislang zwar keine Heilung, die passende Behandlung kann aber Symptome mildern, den Krankheitsverlauf verzögern und die Lebensqualität steigern.
Zusammenhänge verstehen
Depression und Demenz gehören zu den häufigsten Erkrankungen im höheren Lebensalter. Beide Erkrankungen können das Handeln, Fühlen und Denken Deines Angehörigen beeinträchtigen. Nicht selten sind die beiden Erkrankungen eng miteinander verbunden. Eine Depression kann:
- ein Risikofaktor für eine Demenz sein
- ein Frühsymptom einer Demenz-Erkrankung sein
- eine Folge der Demenz-Diagnose sein
- als Begleiterscheinung einer Demenz-Erkrankung erst später auftreten
Gut zu wissen: Schätzungen zufolge entwickeln bis zu 40 Prozent der Menschen mit Alzheimer im Laufe der Zeit depressive Symptome.
Auf den ersten Blick kannst Du oft nicht unterscheiden, ob es sich um eine Depression oder eine Demenz handelt, zumal sich eine Depression zunächst so zeigen kann, dass sie auf Dich wie eine Demenz wirkt. Experten sprechen dann von einer Pseudo-Demenz. Es lohnt sich, genau hinzuschauen, um die komplexen Zusammenhänge besser zu verstehen.
Depressionen im Alter
Eine Altersdepression ist eine besondere Ausprägung der Depression – mit alterstypischen Auslösern. Zu den Auslösern gehören häufig gesundheitliche Einschränkungen, verbunden mit der Angst, seine Eigenständigkeit zu verlieren. Wenn das Interesse an früher geliebten Aktivitäten nachlässt und Dein Angehöriger ständig müde und erschöpft ist, kann das auf eine Altersdepression hindeuten.
Gut zu wissen: Im Alter ziehen sich depressive Menschen häufiger zurück und neigen – im Gegensatz zu jüngeren Menschen – eher dazu, ihre Traurigkeit zu verstecken.
Neben Konzentrationsproblemen und Antriebslosigkeit können auch Schuldgefühle ein typisches Symptom einer Depression sein, genauso wie ein geringes Selbstwertgefühl, Hoffnungslosigkeit sowie eine pessimistische Stimmung bis hin zu Suizidgedanken. Darüber hinaus gibt es auch körperliche Anzeichen für eine Depression, die Dein Angehöriger zeigen kann, darunter:
- Schmerzen
- Schwindel
- Verdauungsstörungen
- Schlafprobleme
Insbesondere Schlafprobleme beispielsweise können aber auch bei einer Demenz auftreten. Woher weißt Du nun also, ob Dein Angehöriger eine Depression oder eine Demenz hat oder vielleicht beides?
Unterschiede erkennen
Wenn Du Dir unsicher bist, ob Dein zu versorgender Angehöriger an einer Depression oder Demenz leiden könnte, kannst Du Dich an der folgenden Übersicht orientieren. Sie kann Dir dabei helfen, die beiden Krankheiten besser voneinander zu unterscheiden.
Anzeichen für Depressionen
Konkrete Anzeichen, die eher auf Altersdepressionen hindeuten, sind etwa:
- Entwicklung: Die Erkrankung beginnt innerhalb weniger Wochen.
- Befindlichkeit: Die Stimmung ist kaum beeinflussbar und hält eine ganze Weile an. Typisch ist, wenn Dein Angehöriger ein Morgentief hat und sich seine Stimmung abends bessert.
- Wahrnehmung: Dein Angehöriger ist sich bestimmter Einschränkungen bewusst und wertet sich selbst ab. Typische Sätze sind: „Ich weiß nichts.“, „Ich kann nichts mehr.“, „Ich falle Dir nur zur Last.“ oder „Ich bin nichts wert.“
- Kognitive Fähigkeiten: Dein Angehöriger hat keine Verwirrtheit, aber verlangsamtes Denken. Er kann sich an Vergangenes erinnern, wenn er entsprechende Impulse oder Hinweise bekommt.
Gut zu wissen: Bei einer Depression treten Konzentrations- und Gedächtnisstörungen eher phasenweise auf und können sich etwa bei Stress verschlechtern. Falls Du den Verdacht auf eine Depression hast, kannst Du auf der Webseite der Deutschen Depressionshilfe einen Selbsttest ausfüllen - anonym und kostenfrei.
Anzeichen für Demenz
Bei einer Demenz fällt es Deinem Angehörigen zunehmend schwer, den Alltag zu bewältigen. Denn die schwerwiegende Hirnveränderung führt zu einem deutlichen Verlust der geistigen Fähigkeiten.
Anzeichen, die eher auf eine Demenz hindeuten und als typisch für Alzheimer gelten, sind etwa:
- Entwicklung: Die Erkrankung beginnt schleichend, über Monate hinweg.
- Befindlichkeit: Die Stimmung ist beeinflussbar und insgesamt wechselhaft.
- Wahrnehmung: Dein Angehöriger verharmlost das Problem und zeigt eine geringe Krankheitseinsicht. Ein typisches Verhalten wäre: Dein Angehöriger will im Sommer die warme Winterjacke anziehen.
- Kognitive Fähigkeiten: Deinem Angehöriger fällt es schwer, sich zeitlich und räumlich zu orientieren. Häufig zeigt sich auch nachts Verwirrtheit.
Gut zu wissen: Um erste Anhaltspunkte zu erhalten, um welche Erkrankung es sich handeln könnte, gibt es einfache Tests. Der kompakte Mini-Cog-Test zum Beispiel prüft neben dem Wiederholen und Merken von drei Wörtern das Zeichnen einer analogen Uhr. Die Testperson soll dazu die Zahlen in einen Kreis eintragen sowie eine vorgegebene Uhrzeit einzeichnen. Demenz-Patienten fällt dies schwer. Solche Tests können eine ärztliche Untersuchung zwar nicht ersetzen, geben aber Hinweise.
Verdacht – was nun?
Dein zu versorgender Angehöriger zeigt regelmäßig eines oder mehrere der genannten Symptome? Dann solltet Ihr miteinander sprechen: In der Hausarztpraxis lassen sich die Ursachen abklären beziehungsweise erste Untersuchungen durchführen. Wenn nötig, erhält Dein Angehöriger eine Überweisung an entsprechende Fachärzte, etwa an eine Gedächtnisambulanz.
Eine klare Diagnose ist aus mehreren Gründen wichtig. Eine Depression kann auch noch im höheren Lebensalter wirksam geheilt werden. Selbst wenn Dein Angehöriger zusätzlich an einer Demenz erkrankt ist, kann eine erfolgreiche Behandlung seiner depressiven Symptome den Alltag für alle Beteiligten deutlich erleichtern. Das steigert die Lebensqualität Deines Angehörigen und hat auch Vorteile für Dich.
Gut zu wissen: Menschen, die depressive Patienten pflegen, neigen im Laufe der Zeit selbst zu Depressionen. Eine Diagnose und Behandlung Deines Angehörigen kann also auch helfen, dass Du nicht selbst erkrankst.
Eine Demenz dagegen ist bislang zwar nicht heilbar, doch eine gezielte Therapie kann Symptome mildern und den Krankheitsverlauf verzögern. Und auch diese Behandlung kann die Lebensqualität Deines Angehörigen verbessern.
Hilfe für Dich
Wenn die Diagnose feststeht, sind Familien indirekt mitbetroffen – sowohl von einer Demenz als auch von einer Depression. Es ist gut und sinnvoll, wenn Du Dir dann auch selbst Rat und Hilfe holst. Dafür gibt es verschiedene Anlaufstellen. Wir können zum Beispiel folgende empfehlen, wenn Dein Angehöriger an einer Depression oder Demenz erkrankt ist oder Suizidgedanken hat.

