Sicher und warm durch die Kälte

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Bei frostigen Temperaturen fällt dem Körper älterer Menschen die Thermoregulation schwerer. Das liegt unter anderem an verändertem Stoffwechsel und Durchblutung im Alter. Doch schon einfache Mittel helfen, wärmer durch die kalte Jahreszeit zu kommen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Aufgrund verschiedener Ursachen haben viele Senioren häufig kalte Hände und Füße und frieren schneller.
  • Du kannst Deinem Angehörigen einige Tipps geben, die gegen Kälte helfen und mehr Sicherheit im winterlichen Alltag bringen.
  • Besonders wichtig neben warmer Kleidung: in Bewegung bleiben, egal ob drinnen oder draußen.
  • Draußen bei Schnee und Eis unbedingt für Sicherheit sorgen, etwa mit rutschfesten Schuhen und passendem Zubehör für Gehhilfen.

Frösteln

Viele Senioren frieren leichter und haben schneller kalte Hände und Füße als noch in jüngeren Jahren. Das ist nicht nur subjektiv so. Es gibt verschiedene körperliche Ursachen, die dazu beitragen.

Zunächst verlangsamt sich der Stoffwechsel mit zunehmendem Alter und die Durchblutung verändert sich. Dadurch hat es der Körper grundsätzlich schwerer, Wärme zu produzieren und diese in Arme und Beine gelangen zu lassen. Außerdem nimmt die Muskelmasse, die eine zentrale Rolle bei der Produktion von Körperwärme einnimmt, im Alter tendenziell ab. Auch das Unterhautfettgewebe, das isolierende Eigenschaften hat und dadurch die Bewahrung der Körperwärme unterstützt, wird bei vielen älteren Menschen dünner. Darüber hinaus können manche Medikamente die Thermoregulation beeinträchtigen.

All das sind Faktoren, die das Kälteempfinden älterer Menschen beeinflussen. Womöglich hat es auch Dein zu pflegendes Familienmitglied schwerer, mit Kälte klarzukommen, insbesondere natürlich bei winterlichen Außentemperaturen. Aber es gibt einige Möglichkeiten, dem Frösteln zu trotzen.

Warme Gedanken

Es ist leider sehr unwahrscheinlich, dass warme Gedanken allein gegen das Frieren helfen. Doch wer an folgendes denkt, hat gute Chancen, dass die Kälte nicht in die Knochen dringt:

Für draußen

Die Kleidung sollte unbedingt dem Wetter angepasst sein und im Schrank griffbereit liegen.

  • Warme Basis-Schicht: Leggins oder Thermounterwäsche aus Merinowolle oder Wolle-Seide als unterste Schicht bevorzugen
  • Wärmende Kleidung: Kleidung bereitlegen, die wirklich wärmt, etwa Rollkragenpullover, Thermohose und dicke Socken aus gut isolierenden Materialien, zum Beispiel Wolle, Woll-Mischgewebe oder Fleece
  • Zwiebelprinzip: Lieber mehrere dünnere als wenige dickere Schichten anziehen, denn die Luft zwischen den Schichten hilft, die Wärme besser einzuschließen – und sich ans jeweilige Temperaturempfinden immer flexibel anzupassen
  • Kuschelige Accessoires: Schal, Mütze und Handschuhe sollten für draußen selbstverständlich sein. Eventuelle Ergänzung: Muff oder kleine Handwärmer für warme Hände

Unser Tipp: Handwärmer, die sich mit Strom aufladen lassen, sind praktischer als Knick-Wärmer.

Für den Gang nach draußen ist außerdem folgende Ausstattung hilfreich:

  • Für den Fall eines Falles: Mobiler Hausnotruf für mehr Sicherheitsgefühl
  • Winterausstattung für Gehhilfen: Rollator mit Winterreifen ausrüsten und wärmenden Handschutz über Griffe samt Bremsen ziehen, Gehstock mit Eiskralle versehen
  • Schuhwerk: Warme, feste und insbesondere bei Schnee und Eis rutschfeste Schuhe oder Stiefel bereitstellen, gegebenenfalls mit Spikes

Gut zu wissen: Sind keine Spikes zur Hand, hilft es bei Glätte auf kürzeren Strecken auch, je eine alte, dicke Wollsocke über die Schuhe zu ziehen.

Unser Tipp: Wenn es draußen wirklich glatt ist oder noch reichlich Schneematsch die Gehwege blockiert, sollte Dein zu pflegender Angehöriger am besten zu Hause bleiben oder zumindest nur in Begleitung vor die Tür gehen. Vielleicht erledigst Du die Einkäufe oder Ihr geht gemeinsam zum Supermarkt oder auch mal auf trittsicheren Wegen spazieren.

Für drinnen

Vor allem die Kombination aus vielen kleinen Dingen, an die Du und Dein Angehöriger denken könnt, macht den Unterschied aus, ob man friert oder nicht.

  • Behagliche Raumtemperatur: Beim Sparen nicht übertreiben und Wohnräume nicht zu kühl werden lassen – viele Senioren brauchen Temperaturen von mindestens 20 bis 22 Grad Celsius, um nicht zu frieren.
  • Zusätzliche Wärmequellen: Kuscheldecke, warmes Körnerkissen, Wärmflasche, Heizdecke oder -kissen in bequemer Griffweite zur Couch platzieren, punktuell und kurzfristig vielleicht auch mal einen Heizlüfter einsetzen.
  • Wärme von Innen: Warme oder heiße Getränke genießen, zum Beispiel Kaffee, Tee oder Kakao, auch heiße Brühe, Suppen und Eintöpfe tun gut.
  • Gewürze: Ingwer, Chili, Senf und Curry heizen dem Körper ein und gelten darüber hinaus als förderlich fürs Immunsystem. Wer’s mag, gerne im Winter häufiger damit würzen.
  • Warmes Wasser: Sich auch mal eine ausgiebige warme Dusche oder sogar ein Bad gönnen – um die Haut zu schonen, sollte das aber nicht zu oft sein.
  • Dem Körper einheizen: Falls möglich und wenn gesundheitlich nichts dagegenspricht, regelmäßige Saunagänge einplanen.
  • Feuer: Falls vorhanden, regelmäßig den Kaminofen anfeuern für ein Extra an Wärme und Gemütlichkeit.
  • Zugluft vermeiden: Zugige Fenster abdichten, Türen gegebenenfalls mit einem Zugluftstopper versehen.

Bewegung, Bewegung, Bewegung

Was in Sachen Kälte womöglich nicht an erster Stelle präsent ist: in Bewegung bleiben. Körperliche Aktivität ist – wie so oft – enorm wichtig und ein wahres Wundermittel. Ganz gleich ob draußen oder drinnen, Bewegung erzeugt Wärme und bringt den Kreislauf in Schwung. Nebenbei ist sie natürlich immer ganz allgemein gut für Gesundheit und Wohlbefinden.

Unser Tipp: Schafft Bewegungsrituale – und wenn es nur der tägliche Gang zum Kiosk um die Ecke ist. Vielleicht mag Dein Angehöriger Hunde und kann in der Nachbarschaft einen Hundebesitzer finden, dem er sich regelmäßig zum Gassi-Gehen anschließen kann.

Wenn möglich, sollte Dein Angehöriger trotz Kälte regelmäßig rausgehen und sich bewegen, entweder mit einem kleinen Spaziergang oder sogar mit ein paar Übungen an der frischen Luft. Das gilt natürlich nur, wenn die Wege sicher sind. Doch auch drinnen kann man leicht körperlich aktiv bleiben, wenn die körperliche Verfassung noch mitspielt – sei es bei der Hausarbeit, mit ein bisschen Gymnastik oder einer Runde auf dem Heimtrainer, falls vorhanden.

Unser Tipp: Erinnere Deinen zu pflegenden Angehörigen daran, auch drinnen einfach immer mal wieder aufzustehen, sich zu strecken und ein paar Meter zu gehen. Vielleicht hat er Spaß an einer Fitness-Uhr. Die haben häufig eine Erinnerungsfunktion für regelmäßige Bewegung zwischendurch.

Verständlicherweise möchte man bei ungemütlichem Winterwetter am liebsten gar nicht raus, sondern sich einfach nur auf der Couch einigeln. Doch Bewegungsmangel tut dem Körper – und auch dem Gemüt – nicht gut und kann schnell in eine Abwärtsspirale münden: Weniger Bewegung führt zu geringerer körperlicher Fitness und zu mehr Schmerzen und dies umgekehrt dazu, dass Bewegung immer schwerer fällt und immer häufiger ausbleibt. In der Folge schreitet auch der im Alter stattfindende Muskelabbau schneller voran, was wiederum das Kälteempfinden beeinflusst. Mach Deinem Angehörigen daher klar, dass er auch im Winter unbedingt am Ball bleiben sollte. Wie das gelingen kann, erfährst Du in unserer "Übersicht: Bewegung und Kraftsport im Alter".