So hilft ein Pflegetagebuch
Im Pflegealltag ist eine Stunde schnell verstrichen. Ein Pflegetagebuch hilft Euch dabei, den zeitlichen Aufwand für die Pflege Eures Angehörigen im Auge zu behalten. Das ist vor allem dann sehr sinnvoll, wenn eine erstmalige oder erneute Begutachtung ansteht. Denn anhand einer sorgfältigen Dokumentation lässt sich der Pflegebedarf viel realistischer einschätzen als durch die kurze Momentaufnahme beim Besuch.
Das Wichtigste in Kürze
- Im Pflegetagebuch dokumentierst Du, wie viel Zeit Du jeden Tag ungefähr für Pflege und Unterstützung bei Deinem Angehörigen brauchst.
- Damit es aussagekräftig ist, solltest Du das Pflegetagebuch für mindestens zwei Wochen führen.
- Das Pflegetagebuch ist besonders dann wichtig, wenn eine Begutachtung für die Einstufung in einen Pflegegrad ins Haus steht.
- Ein sorgfältig geführtes Pflegetagebuch hilft nicht nur Euch, sondern auch dem Gutachter, den tatsächlichen Pflegeaufwand beziehungsweise Pflegebedarf realistisch einzuschätzen.
- Ein Pflegetagebuch kannst Du unkompliziert direkt hier in der App anlegen und – gegebenenfalls gemeinsam mit anderen Pflegenden aus Familie oder Nachbarschaft – befüllen.
Wozu ein Pflegetagebuch?
Kennst Du das? Ehe Du Dich versiehst, bist Du schon eine, zwei oder vielleicht sogar drei Stunden bei Deinem zu pflegenden Angehörigen – und noch längst ist nicht alles geschafft, was Du gerne erledigt hättest. Im Pflegealltag verstreicht Zeit mitunter viel schneller als gedacht und zum Teil weißt Du vielleicht gar nicht, wo sie geblieben ist. Genau deshalb ist es wichtig, Deinen Zeitaufwand gewissenhaft zu dokumentieren, am besten in einem Pflegetagebuch.
Gut zu wissen: Seit 2017 die Pflegegrade eingeführt wurden, ist das Führen eines Pflegetagebuchs nicht mehr Pflicht, um einen Antrag auf einen Pflegegrad zu stellen. Dennoch hilft ein Pflegetagebuch sehr, um den Umfang des Unterstützungsbedarfs im Alltag festzuhalten und damit zu verdeutlichen.
Die Dokumentation kann entscheidend sein, wenn der Besuch des Medizinischen Dienstes zur Begutachtung für die Einstufung in einen Pflegegrad ansteht. Auch bei einer erneuten Begutachtung, etwa wenn sich der Pflegebedarf verändert hat oder Ihr nach einem Widerspruch erneut Besuch bekommt, helfen schriftliche Notizen zum tagtäglichen Pflegeaufwand.
Während des Gutachter-Besuchs ist der Eindruck stark abhängig von der Tagesform Deines Angehörigen. Ein sorgfältig geführtes Pflegetagebuch bietet dann einen weit umfassenderen und realistischeren Überblick über die nötigen Pflegetätigkeiten und dazu, wie viel Zeit sie in Anspruch nehmen. Das hilft dem Gutachter, die Situation besser einzuschätzen, und damit bei der Einstufung in den passenden Pflegegrad.
Gut zu wissen: Das Pflegetagebuch ist nicht zu verwechseln mit der professionellen Pflegedokumentation, die Pflegefachkräfte für die Qualitätssicherung, zur rechtlichen Absicherung sowie zur Kommunikation mit Kollegen verwenden.
Tipps für die Praxis
Im Pflegetagebuch notierst Du Deinen Pflege- und Organisationsaufwand für Deinen Angehörigen. Mach das am besten täglich jeden Abend, damit die Erinnerungen noch frisch sind und du nichts vergisst.
Was gehört ins Pflegetagebuch?
Folgende Aspekte der Pflege und Hilfestellung gehören in die Dokumentation:
- Hilfe bei der Körperpflege, also beim Waschen, Duschen oder Baden, bei der Mundhygiene, beim Toilettengang
- Hilfe bei der Selbstversorgung, also bei Essen und Trinken, bei der Zubereitung und/oder dem Bereitstellen von Mahlzeiten und Getränken, eventuell beim Zurechtschneiden mundgerechter Bissen oder sogar beim Pürieren oder Füttern
- Hilfe bei der Medikamenten-Einnahme
- Hilfe bei Alltagstätigkeiten, also im Haushalt beim Putzen, Wäsche waschen, Einkaufen
- Unterstützung bei außerhäuslichen Aktivitäten, also etwa der Freizeitgestaltung und der Pflege sozialer Kontakte
- Hilfe hinsichtlich der Mobilität, also beim Aufstehen, Hinsetzen, Stehen, Treppensteigen und Gehen, eventuell beim An- und Ausziehen und beim Zubettgehen
Dokumentiere darüber hinaus erschwerende Faktoren, falls vorhanden. Dazu gehören beispielsweise:
- ein Körpergewicht Deines zu pflegenden Angehörigen von mehr als 80 Kilogramm
- notwendige Tätigkeiten, die nur zu zweit möglich sind
- gesundheitliche Einschränkungen Deines Angehörigen, etwa starke Seh- und/oder Hörschwäche, Inkontinenz, Schluck- oder Atembeschwerden, steife Gliedmaßen, Neigung zu Stürzen
- eine ungünstige Wohnsituation, welche die Pflege erschwert, zum Beispiel ein enges Badezimmer oder Absätze zwischen den Räumen
- Besonderheiten wie abwehrendes Verhalten, Vergesslichkeit, psychische Probleme, notwendige ständige Beaufsichtigung oder auch nächtliche Unruhe
Gut zu wissen: Erschwernisse müssen und sollten Euch nicht peinlich sein. Die meisten Familien kennen mindestens einen, eher mehrere solcher erschwerenden Faktoren. Für den Gutachter sind sie wichtig zu wissen, weil es für manches davon Extrapunkte oder Hilfen von der Pflegekasse gibt.
Dauer
Idealerweise führst Du das Tagebuch über mindestens zwei Wochen, insbesondere bei variierendem Pflegeaufwand besser länger. Halte außerdem fest, in welchem Ausmaß Du Deinen Angehörigen jeweils unterstützt. Reicht eine Anleitung oder Erinnerung oder leichte Unterstützung? Oder musst Du Tätigkeiten oder Handgriffe teilweise oder sogar vollständig übernehmen, weil es anders nicht mehr geht? Das ist für die Begutachtung und somit für die Erteilung eines Pflegegrads entscheidend.
Unser Tipp: Falls möglich und erwünscht, führe das Pflegetagebuch gemeinsam mit Deinem zu pflegenden Angehörigen. Außerdem sollten auch andere an der Pflege Beteiligte ihren Aufwand dokumentieren.
Gute und schlechte Tage
Wenn der Pflegeaufwand stark variiert, einfach weil Euer zu pflegender Angehöriger mal gute und mal weniger gute Tage oder Momente hat, ist die realistische Einschätzung des Pflegeaufwands schwieriger. In diesem Fall kann ein Pflegetagebuch besonders hilfreich sein. Es zeigt Euch und auch dem Gutachter auf, was am Ende so zusammenkommt an unterstützenden Tätigkeiten. In diesem Fall ist es sinnvoll, das Pflegetagebuch über mindestens vier Wochen zu führen.
Bei Demenz
Der Pflegeaufwand bei Beeinträchtigung durch eine Demenz ist zuweilen besonders schwer einzuschätzen, denn es sind viele Kleinigkeiten, die sich summieren. Hinzu kommt, dass bei den Betroffenen die Tagesform eine noch viel größere Rolle spielt, zum Teil sogar die Tageszeit. Daher ist bei dementiellen Beeinträchtigungen besonders ratsam, ein Pflegetagebuch zu führen, am besten ebenfalls über einen längeren Zeitraum als zwei Wochen. So könnt Ihr Aufwand, Auffälligkeiten und herausfordernde Situationen im Alltag bei der Begutachtung besser belegen.
Halte fest, wie häufig Du Deinen Angehörigen an alltägliche Dinge erinnern musst, zum Beispiel daran zu trinken, zu essen, an die Medikamenten-Einnahme oder an Namen von Bekannten und Familienmitgliedern. Auch Orientierungsschwierigkeiten, etwa beim Weg zum Supermarkt und wieder zurück nach Hause, solltest Du vermerken. Wiederkehrende, auf die Demenz zurückzuführende Diskussionen mit Deinem Angehörigen zu alltäglichen Dingen, etwa zur Essenszeit, sind ebenfalls Teil des Pflegeaufwands und gehören mit in Deine Aufzeichnungen.
Vorlagen
Es gibt unterschiedliche Vorlagen für Pflegetagebücher im Internet. Wenn mehrere Personen an der Pflege Deines Angehörigen beteiligt sind, solltet Ihr das Pflegetagebuch gemeinsam führen. Besonders einfach geht das gleich hier in der App.
Im Logbuch könnt Ihr, wenn Ihr Eure Konten miteinander verknüpft habt, gemeinsam Notizen machen. Dort könnt Ihr auch mithilfe von Smileys mit einem Klick hinterlegen, wie die Stimmung bei Eurem Angehörigen an welchem Tag war. Das hilft später einzuschätzen, wie häufig es gute und eher nicht so gute Tage gab. Du findest die Funktion unter dem Reiter unten rechts: Logbuch.
Unsere Tipps
Seid mit allen Angaben zum Pflegeumfang ehrlich, genau und gewissenhaft. Beschönigt nichts. Achtet neben den umfangreicheren Aufgaben im Pflegealltag auch auf Kleinigkeiten und vermeintlich banale Handgriffe.
Tragt außerdem alle Hilfsmittel ein, die Ihr für die Pflege benötigt, also etwa Rollator und Pflegebett, aber auch Verbrauchsmaterial wie Einmalhandschuhe und Inkontinenzeinlagen. Macht Euch auch eine Notiz, wenn ein Hilfsmittel, das Ihr nicht habt, die Versorgung vereinfachen würde. Wird das in der Begutachtung deutlich, kann der Gutachter das notwendige Hilfsmittel nämlich direkt ordern.
Du willst Dich genauer informieren, wie die Begutachtung abläuft? Dann lies unseren ausführlichen Themenartikel „Gut vorbereitet in die Begutachtung“.
