Erste Hilfe bei Stürzen

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Auch für Dich als pflegender Angehöriger ist es ein Schreckmoment, wenn Dein Familienmitglied stürzt. Wir erklären, wie Du die Situation richtig einschätzen kannst, wie Du passende Erste Hilfe leistest und worauf anschließend zu achten ist.

Das Wichtigste in Kürze

  • Zu einem Sturz kann es bei Menschen mit Pflegebedarf schnell kommen.
  • Bleib ruhig, reagiere umsichtig.
  • Verschaffe Dir einen Überblick und leiste die nötige Erste Hilfe.
  • Bei schwerwiegenderen Verletzungen ist es sinnvoll, zeitnah eine Arztpraxis aufzusuchen oder sogar den Rettungsdienst anzufordern.
  • Beobachte Deinen Angehörigen auch in den Folgetagen aufmerksam.

Sicherheit schaffen

Für Dein zu pflegendes Familienmitglied ist ein Sturz meistens erstmal ein großer Schreck. Wenn du davon erfährst, ist es wichtig, dass Du versuchst, Ruhe zu bewahren und Sicherheit zu vermitteln. Sprich ruhig und deutlich und signalisiere, dass Hilfe da ist.

Wenn Du als erstes vor Ort bist, bitte die gestürzte Person, zunächst liegen oder sitzen zu bleiben. Ein vorschnelles Aufstehen kann Schmerzen verstärken oder unerkannte Verletzungen verschlimmern. Stützt, wenn nötig, mit Kissen die Position etwas ab, bis ein Aufstehen möglich oder der Rettungswagen gekommen ist.

Gut zu wissen: Vielleicht kann sich die gestürzte Person aufgrund von Demenz oder anderen Erkrankungen nicht äußern, ob und wo es schmerzt. Dann können ein schneller, flacher Atem, eine verkrampfte Körperhaltung und/oder fahle Haut ein Anzeichen für Schmerzen sein.

Mögliche Verletzungen

Stürze können sehr unterschiedliche Folgen haben. Von völliger Unversehrtheit über ein paar blaue Flecken und kleine oder größere Schrammen bis hin zu schweren Verletzungen ist alles möglich.

  • Prellungen und Hämatome: Sie treten am häufigsten auf und zeigen sich oft erst nach einigen Stunden durch Schmerzen beziehungsweise durch die typische blauviolette Verfärbung der Haut. Insbesondere bei der Einnahme von blutverdünnenden Mitteln wie Acetylsalicylsäure (ASS) kommt es sehr leicht zu Blutergüssen.
  • Schürf- und Schnittwunden: Sie entstehen besonders an Kopf, Gesicht, Händen und Knien.
  • Verstauchungen und Zerrungen: Typisch dafür sind Schwellungen, Druckschmerz und eingeschränkte Beweglichkeit, mitunter in Kombination mit Blutergüssen. Oft sind sie von außen nicht von Brüchen zu unterscheiden.
  • Kopfverletzungen: Kopfwunden bluten oft sehr stark und lassen sich daher in der Schwere nur schlecht einschätzen. Ihr solltet sie daher immer ärztlich untersuchen lassen.
  • Knochenbrüche: Häufig betroffen sind die Handgelenke, der Oberschenkelhals, die Oberarme oder die Rippen. Meistens treten starke Schmerzen, Schwellungen und/oder eindeutige Fehlstellungen auf. Es gibt allerdings auch Knochenbrüche, bei denen die Betroffenen nur milde Schmerzen verspüren. Werden sie nicht besser oder verschlimmern sich sogar, solltet Ihr eine Arztpraxis aufsuchen.

Erste Hilfe leisten

Wie Deine erste Hilfe nach einem Sturz aussehen sollte, richtet sich immer nach der konkreten Situation und den vorhandenen Verletzungen und Symptomen.

Wunden versorgen

Kleinere Schürf- und Schnittwunden kannst Du selbst desinfizieren und sauber mit einem Pflaster oder Verband versehen. Bei größeren, stärker blutenden Wunden ist es sinnvoll, den Rettungsdienst zu rufen. Bis ärztliche Hilfe da ist, solltest Du einen Druckverband anlegen oder mit der Hand Druck auf die Wunde ausüben.

Schmerzen lindern

Neben Brüchen können auch Prellungen, Zerrungen und Verstauchungen sehr schmerzhaft sein. Kühlen mit einem Kühlpack kann den ersten Schmerz etwas lindern und die Schwellung deutlich mindern.

Gut zu wissen: Kühlgegenstände solltest Du nie direkt auf die Haut legen, sondern zum Beispiel mit einem dünnen Küchenhandtuch umwickeln.

Unser Tipp: Ist kein Kühlpack zur Hand, gilt ein Beutel mit Tiefkühl-Erbsen als guter Ersatz, da er sich gut an die betroffene Stelle anschmiegen kann.

Behutsames Aufstehen

Aufstehen sollte Dein Angehöriger erst dann, wenn offensichtlich keine schwereren Verletzungen vorliegen und keine starken Schmerzen bestehen. Zudem sollte weder Schwindel noch Benommenheit vorhanden sein. Dann kannst Du ein langsames Aufstehen unterstützen, indem Du Halt anbietest. Auf keinen Fall solltest Du denjenigen einfach an den Händen hochziehen.

Wann den Rettungswagen anfordern?

Grundsätzlich solltest und darfst Du immer dann den Notruf anfordern, wenn Du Dir unsicher über den Gesundheitszustand Deines Angehörigen bist. Nach einem Sturz solltest Du auf jeden Fall die 112 wählen, wenn

  • es zu Bewusstlosigkeit, Benommenheit oder Desorientierung kommt,
  • starke Blutungen oder offene Brüche vorliegen,
  • Dein Angehöriger unter starken Schmerzen leidet,
  • Atemnot besteht,
  • Lähmungserscheinungen auftreten oder
  • Dein Familienmitglied auch mit Deiner Hilfe nicht mehr aufstehen kann.

Du wünschst Dir konkrete Anregungen, wie Ihr Stürzen vorbeugen könnt? Dann lies weiter in unserem Artikel „Sturzprophylaxe“.

Du hast schon länger keinen Erste-Hilfe-Kurs mehr mitgemacht? Dann frische Deine Kenntnisse auf, zum Beispiel in einem Erste-Hilfe-Kurs der Johanniter-Unfall-Hilfe.

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