Sturzprophylaxe – Sturzunfällen vorbeugen
Stürze können für Deinen pflegebedürftigen Angehörigen schwere Folgen haben. Um das Sturzrisiko zu reduzieren, helfen oft schon kleine Anpassungen im Alltag, zum Beispiel die Sicherung der Wohnumgebung und regelmäßige Bewegungseinheiten.
Das Wichtigste in Kürze
- Stürze zählen zu den häufigsten und folgenreichsten Risiken im Pflegealltag.
- Durch gezielte Maßnahmen kannst Du das Sturzrisiko Deines Angehörigen senken.
- Dazu zählen Anpassungen in der Wohnungsausstattung, regelmäßige Übungen für die Beweglichkeit und geeignete Hilfsmittel für drinnen und draußen.
- Bei einem Sturztraining kann Dein Angehöriger Gleichgewicht, Kraft, Reaktionsfähigkeit und Koordination verbessern.
Das gehört zur Sturzprophylaxe
Sturzprävention bedeutet nicht, dass Du als pflegender Angehöriger ständig alles kontrollieren musst. Vielmehr schafft Ihr gemeinsam ein Umfeld, in dem sich Dein zu pflegender Angehöriger sicher fühlen und so selbstständig wie möglich leben kann. Folgende Maßnahmen helfen Euch dabei:
Beweglichkeit fördern
Vielleicht ist Dein Angehöriger durch Erkrankungen oder Behinderungen in seiner Bewegungsfähigkeit eingeschränkt. Umso wichtiger ist es, dass Ihr versucht, die noch vorhandene Mobilität zu fördern und bestmöglich zu erhalten. Gezielte körperliche Übungen gehören zu den wirksamsten Bausteinen der Sturzprophylaxe.
Auch ohne entsprechende Erkrankung ist regelmäßige Bewegung und auch angepasstes Krafttraining wichtig, denn die Muskelmasse geht jenseits der 65 von Jahr zu Jahr immer schneller zurück, wenn man nicht aktiv dagegen antrainiert. Als pflegender Angehöriger kannst Du bei den Übungen anleiten und unterstützen.
Gut zu wissen: Es sind keine Höchstleistungen gefragt, bei denen man ins Schwitzen kommt. Vielmehr geht es um eine regelmäßige Übung und Wiederholung. So prägen sich Bewegungsabläufe ein und Muskeln, Sehnen und Gelenke bleiben trainiert.
Sicher in den eigenen vier Wänden
Die meisten Stürze ereignen sich zuhause. Durch kleine Anpassungen im Wohnumfeld tragt Ihr Wichtiges zur Sturzprävention bei:
- Beseitigt typische Stolperfallen: Dazu gehören lose beziehungsweise rutschende Teppiche oder dicke Teppichkanten, herumliegende Kabel, unebene Türschwellen oder Bodenbeläge sowie hervorstehende Möbelteile oder Haushaltsgegenstände.
- Sorgt für gute Beleuchtung: Besonders Flure, Schlafzimmer und Badezimmer sollten gut ausgeleuchtet sein. Nachts sorgen kleine Lichter oder Leuchten mit Bewegungsmelder für Sicherheit.
- Schafft Haltemöglichkeiten: Überlegt, wo Griffe oder Stangen nötig sind und angebracht werden können. Hilfreich sind häufig Griffe am Bett und im Bad oder Haltestangen im Flur.
- Sichert Bereiche ab: Besonders das Badezimmer kann zur Sturz-Gefahrenzone werden. Rutschfeste Matten, Duschhocker und Griffe bei der Toilette können das Risiko mindern.
- Ordnung halten: Häufig genutzte Gegenstände sollten gut erreichbar sein, um riskantes Bücken oder Strecken zu vermeiden. Die Laufwege solltet Ihr möglichst frei halten.
Sturzprophylaxe für draußen
Auch unterwegs kannst Du aktiv zur Sturzprophylaxe beitragen. Unterstütze Dein zu pflegendes Familienmitglied beim Ein- und Aussteigen aus dem Auto. So kannst Du gleichzeitig vor vorbeifahrenden Autos und Radfahrern abschirmen sowie auf Bordsteine oder Bodenunebenheiten aufmerksam machen.
Unser Tipp: Ein mobiles Drehkissen erleichtert das Aussteigen als Beifahrer ungemein. Dein Angehöriger kann es als Hilfsmittel von der Pflegeversicherung erhalten.
Wenn Ihr mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs seid, plant genügend Zeit ein, um ohne Hektik ein-, um- und aussteigen zu können. Nehmt vorhandene Gehhilfen wie den Rollator oder Gehstock mit. Wenn möglich, sollte sich Dein Angehöriger immer hinsetzen und erst aufstehen, wenn das Verkehrsmittel sicher zum Stehen gekommen ist. Achtet auf passende und rutschfeste Schuhe. Besonders im Winter kann nicht nur Glatteis, sondern auch Rollsplit zum Ausrutschen führen.
Selbstsicherer durch Sturztraining
Ein Sturztraining ist ein gezieltes Bewegungsprogramm zur Verbesserung von Gleichgewicht, Kraft, Reaktionsfähigkeit und Koordination. Das Training wird individuell angepasst und kann sowohl präventiv als auch nach einem Sturz sinnvoll sein. Typische Inhalte sind:
- Gleichgewichtsübungen
- Kräftigung der Bein- und Rumpfmuskulatur
- Training sicherer Bewegungsabläufe im Alltag
- Strategien zum sicheren Abfangen und Aufstehen nach einem Sturz
Bei der Kranken- oder Pflegekasse könnt Ihr Euch nach einem Sturztraining für Deinen Angehörigen erkundigen. Unter bestimmten Umständen werden die Kosten bezuschusst oder übernommen. Angeboten werden solche Trainings unter anderem von Seniorenzentren, Physiotherapiepraxen oder Pflegediensten.
Du willst mehr Sicherheit für Dich gewinnen, falls es doch mal zu einem Sturz kommt? Dann lies weiter in unserem Artikel „Erste Hilfe bei Stürzen“.
