Vorsorgevollmacht – Das Gespräch finden

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Die Vorsorgevollmacht ist ein wichtiges Dokument, das auf gegenseitigem Vertrauen fußt. Daher solltet Ihr das Thema möglichst früh ansprechen, solange Dein zu pflegender Angehöriger noch geistig fit ist. Offenheit ist wichtig, aber auch der behutsame Gesprächseinstieg.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Vorsorgevollmacht sollte kein Tabuthema sein, auch wenn der Einstieg in das Gespräch eine Hürde darstellen mag.
  • Sucht das Gespräch so früh wie möglich, denn Vollmachten sind nur dann gültig, wenn Vollmachtgeber im Vollbesitz ihrer geistigen Kräfte sind und verstehen, was sie tun.
  • Beispiele aus dem Umfeld können manchmal den Gesprächseinstieg erleichtern, ebenso das Erwähnen weniger drastischer Eventualitäten.

Kein Tabuthema für Familien

Familien sollten über das Thema Vollmachten offen sprechen, und zwar so früh wie möglich. Du als pflegende Person hast Dir vielleicht schon oft Gedanken gemacht, Deine Mutter ist aber womöglich zuversichtlich, dass sie bis zum Lebensende geistig fit bleibt. Das kann sein, ist aber unwahrscheinlich. Tritt dann der Fall ein, dass sie rechtliche Angelegenheiten nicht mehr erledigen oder gesundheitliche Entscheidungen nicht mehr treffen kann, ist es meist zu spät für eine Bevollmächtigung.

Um eine gültige Vollmacht aufsetzen zu dürfen, müssen Vollmachtgeber nämlich genau verstehen, was sie tun. Wenn jemand eine Demenz entwickelt, ist das irgendwann nicht mehr möglich. Eine neue Vollmacht wäre dann nicht gültig – oder könnte im Nachhinein angefochten werden. Daher ist es besser, rechtzeitig miteinander zu sprechen und nötige Vorsorgedokumente aufzusetzen.

Wichtige Fragen

Um Euch gemeinsam dem Thema anzunähern, stellt Euch ein paar Fragen. Im folgenden Beispiel gehen wir davon aus, dass Du Deine Mutter im Alltag unterstützt und sie zunehmend Hilfe braucht. Folgende Gedanken können Euch weiterhelfen:

  • Wer soll für Mama entscheiden, wenn sie es nicht mehr kann?
  • Wo möchte sie wohnen und wer kann sie dort gut versorgen?
  • Wer kann einen Platz in einem Pflegeheim suchen, wenn es nötig werden sollte?
  • Wer regelt die Bankgeschäfte und andere Bürokratie?
  • Wer soll über medizinische Maßnahmen entscheiden?
  • Welche wichtigen Wünsche zu Wohnen, Pflege und Gesundheit hat Mama?
  • Wie lässt sich sicherstellen, dass Mamas Wille beachtet wird?

Vertrauensverhältnis

Schnell wird klar, dass Deine Mutter mindestens eine Vertrauensperson braucht, die im Bedarfsfall über ihr Leben entscheidet – vielleicht sogar im wahrsten Sinne des Wortes. Das ist für beide Seiten eine schwierige Entscheidung, aber gleichzeitig auch eine riesige Chance. Denn mit einer Vollmacht lässt sich festlegen, wer was tun darf. Und wer nicht.

Ganz wichtig ist natürlich, dass Vollmachtgeber und Bevollmächtigte in Ruhe und am besten an mehreren Terminen miteinander sprechen, bevor ein Schriftstück aufgesetzt wird. Eine solche Entscheidung ist keine Einbahnstraße. Wenn Du sowieso schon viel an Versorgungsarbeit übernimmst, erscheint es vielleicht logisch, dass Deine Mutter Dich auch bevollmächtigt. Das kann eine gute Wahl sein. Aber vielleicht passt es auch nicht, weil Dir die Verantwortung zu groß ist, weil Deine Mutter lieber jemand anderen bevollmächtigen möchte oder weil andere Gründe dagegen sprechen. Daher sind rechtzeitige und ehrliche Gespräche so wichtig.

Unser Tipp: Redet nicht erst miteinander, wenn der Notfall kurz bevorsteht. Auch junge Menschen können plötzlich hilfebedürftig werden.

Gesprächsbeginn

Es ist nie leicht, über ein Thema wie Vollmachten zu sprechen. In manchen Familien ist es besonders schwer, etwa wenn das Vertrauensverhältnis nicht optimal ist oder wenn Deine Eltern sich besonders schwer damit tun, Entscheidungsbefugnisse abzugeben.

Manchmal helfen dann Beispiele aus dem Umfeld – gute wie schlechte. Oder Du lenkst das Gespräch zunächst auf ein Thema, das zwar wichtig, aber nicht existenziell bedrohlich ist, etwa: „Stell Dir mal vor, Du kannst plötzlich nicht mehr. Wer kümmert sich um Deinen Hund und Deinen Garten?“ An solch einem Beispiel könnt Ihr vielleicht gemeinsam überlegen, welche Schritte und rechtlichen Erlaubnisse es bräuchte, damit jemand anderes die Aufgaben offiziell übernehmen dürfte. Denn Du darfst eben manches nicht für einen anderen Erwachsenen entscheiden oder übernehmen und würdest Dich, wenn Du es doch tust, damit möglicherweise strafbar machen. Das möchte vermutlich niemand von Euch. Von solchen allgemeineren Überlegungen könnt Ihr im besten Fall zu den kniffeligeren Fragen vordringen.

Unser Tipp: Vielleicht hilft auch eine Beratung auf neutralem Boden, etwa bei einem Betreuungsverein oder der Verbraucherzentrale. Solche Anlaufstellen nehmen oft die Angst vor schwierigen Themen und bieten reichlich Unterstützung. Die Angebote sind teil kostenlos und sonst meist erschwinglich. Wollt Ihr eine Rechtsberatung bei einem Anwalt oder Notar, wird dieser möglicherweise eine etwas höhere Gebühr verlangen.

Wenn Mama nicht will

Es kann sein, dass Ihr ein wunderbares Gespräch führt und sogar derselben Ansicht in vielen Punkten seid. Trotzdem sagt die Mutter am Schluss, sie wolle keine Vorsorgevollmacht erteilen. Manchmal kommt es auch gar nicht erst zu einem Gespräch, weil Mutter oder Vater sich dem Thema verweigern. Der Grund für die Ablehnung liegt oftmals in der Überforderung. Es ist schließlich nicht leicht, sich mit der Möglichkeit zu befassen, dass man seine Angelegenheiten nicht mehr selbst regeln kann.

In solchen Fällen bleibt Dir nichts anderes übrig, als ruhig und geduldig zu bleiben. Bau nach Möglichkeit keinen Druck auf, sondern versuche, mit Bedacht nachzufragen. So kannst Du womöglich die Gründe für den Widerstand erfahren und auf dieser Basis weiterkommen. Letztlich musst Du es aber schlicht akzeptieren, falls Dein Angehöriger keine Vorsorgevollmacht aufsetzen möchte.

Vollmacht aufsetzen

Im Idealfall führt Ihr mehrere gute Gespräche und entscheidet euch dann dafür, eine schriftliche Vollmacht aufzusetzen. Dabei könnt ihr juristisch geprüfte Vorlagen benutzen. Was wir von mitpflegeleben Euch empfehlen können und wo Ihr Beratung findet, erklären wir im Artikel "Vorsorgevollmacht - Hilfe bei der Erstellung".


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