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Nach einer schweren Erkrankung oder einer Operation, aber auch, wenn mehrere alterstypische Einschränkungen den Alltag erschweren, kann eine geriatrische Rehabilitation sinnvoll sein. Sie soll Deinem zu pflegenden Angehörigen helfen, die Eigenständigkeit wieder herzustellen, die Lebensqualität zu verbessern und eine Pflegebedürftigkeit zu verringern. Auf Antrag übernimmt die gesetzliche Krankenversicherung einen Großteil der Kosten.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die geriatrische Reha richtet sich an Personen über 70 Jahre.
  • Nach einer OP oder einer schweren Krankheit soll die Selbstständigkeit wieder verbessert und der Pflegebedarf verringert werden.
  • Liegen mehrere alterstypische Einschränkungen vor, kann eine geriatrische Reha auch ohne akute Erkrankung oder OP verordnet werden.
  • Die Rehabilitation kann ambulant, stationär oder bei den Patienten zuhause stattfinden.
  • Den Antrag könnt Ihr über die Hausarztpraxis stellen oder die Reha schließt sich direkt an einen Klinikaufenthalt an.
  • Eine stationäre Reha ist meist am besten und dauert normalerweise drei Wochen.
  • Ein Pflegegrad ist nicht notwendig.

Definition: Geriatrische Reha

Du kennst das bestimmt aus eigener Erfahrung: Normale Belange des Alltags gelingen Deinem Angehörigen einfach nicht mehr so gut wie früher. Eine Krankheit, egal welche, verschlimmert die Problematik meist. Genau an solchen Stellen setzt die Altersmedizin an, das Fachwort dafür lautet: Geriatrie.

Von einer geriatrischen Rehabilitation, also einer auf ältere Menschen zugeschnittenen Reha-Maßnahme, haben die meisten noch nie etwas gehört. Dabei ist sie sehr gut geeignet, den Alltag für alle zu erleichtern. Denn die spezialisierten Therapien für ältere Patienten sind so konzipiert, dass sie eine Multimorbidität – also das gleichzeitige Bestehen mehrerer Erkrankungen – besonders berücksichtigen. Ziel ist die Wiederherstellung der individuellen Selbstständigkeit sowie die Vermeidung oder Reduzierung von Pflegebedürftigkeit.

Typischerweise kommt eine Reha nach einer schweren Krankheit oder Operation infrage. Die Reha ist der letzte Teil der Behandlung und danach soll die Lebensqualität deutlich verbessert sein. Eine geriatrische Reha sucht gezielt nach Lösungen für einen selbstbestimmten Alltag. Je nach persönlichen Schwierigkeiten wird ein Plan erarbeitet für die Bereiche: Altersmedizin (Geriatrie), Logopädie, Pflege, Physiotherapie, Psychologie und Ergotherapie.

Ähnliche Muster

Auch wenn die Auslöser unterschiedlich sind, zeigen ältere Patienten häufig ähnliche Muster. Man bezeichnet diese als geriatrische Krankheitszeichen (Syndrome). Dazu zählen:

  • gehäufte Stürze,
  • Immobilität, etwa ausgelöst durch Schlaganfall, Arthrose, Schwindel, chronische Schmerzen, Verletzungen oder Gelenkprobleme,
  • Inkontinenz,
  • Mangelernährung,
  • gestörtes Trinkverhalten,
  • Verlust von Muskelmasse,
  • Gebrechlichkeit,
  • Altersdepression,
  • intellektueller Abbau,
  • beginnende Demenz.

Das Ergebnis dieser Syndrome ist, dass gewohnte Alltagsaktivitäten irgendwann nicht mehr bewältigt werden können. Die Reha zielt darauf ab, diese Fähigkeiten wieder herzustellen oder zu verbessern.

Gut zu wissen: Fallen Dir Dinge auf, bei denen Dein Angehöriger zunehmend Schwierigkeiten hat? Dann beobachte deren Entwicklung und mache dir Notizen. Das geht zum Beispiel im Tagebuch direkt hier in der App. Deine Notizen können helfen, eine geriatrische Reha bewilligt zu bekommen.

Voraussetzungen

Damit jemand eine geriatrische Rehabilitation mitmachen darf, müssen mehrere Bedingungen erfüllt sein. So hat es der GKV-Spitzenverband für alle gesetzlich Versicherten festgelegt.

Gut zu wissen: Einen Anspruch auf Rehabilitation haben alle gesetzlich Krankenversicherten. Wenn Dein Angehöriger privat versichert ist, müsst Ihr in dessen Vertrag nachsehen, was dort geregelt ist.

Bedarf und Fähigkeit

Zunächst müssen Rehabilitationsbedürftigkeit, -fähigkeit und -prognose geprüft werden. Das bedeutet, dass medizinisch erkennbar sein muss, dass Betroffene eine Reha brauchen und dass die dortigen Therapien auch tatsächlich etwas für den Alltag bringen. Eine solche Überprüfung übernimmt in der Regel die Hausarztpraxis oder das Personal bei einem Klinikaufenthalt. Ist diese Voraussetzung erfüllt, erhält Dein Angehöriger eine entsprechende schriftliche Bestätigung.

Alter

In der Regel richtet sich die geriatrische Reha an Personen über 70 Jahre mit mehreren Erkrankungen. Jüngere haben nur in Ausnahmefällen eine Chance auf die Reha für Ältere.

Mehrere Einschränkungen

Eine weitere wichtige Grundvoraussetzung ist, dass mehrere Einschränkungen aus den folgenden Bereichen vorliegen:

  • kognitive Defizite
  • starke Sehbehinderung
  • ausgeprägte Schwerhörigkeit
  • Depression und/oder Angststörung
  • Sturzneigung
  • Schwindel
  • chronische Schmerzen
  • Sensibilitätsstörungen
  • herabgesetzte Medikamententoleranz
  • Inkontinenz (Harninkontinenz, selten Stuhlinkontinenz)
  • Störungen im Flüssigkeits- und Elektrolythaushalt
  • Dekubitus (Druckgeschwür, Wundliegen)
  • Fehl- und Mangelernährung
  • herabgesetzte körperliche Belastbarkeit und/oder Gebrechlichkeit

Gut zu wissen: Ein Pflegegrad muss nicht vorliegen.

Formen der Reha

Eine geriatrische Rehabilitation gibt es in drei verschiedenen Formen: ambulant, stationär und mobil. Alle haben Vor- und Nachteile.

Ambulant

Bei der ambulanten Variante finden die Therapien tagsüber in einer Einrichtung statt. Die Abende und die Wochenenden verbringen die Patienten zuhause. Die ambulante Klinik muss wohnortnah sein mit höchstens 45 Minuten Weg. Entscheidend ist, dass die sonstige Versorgung abends und am Wochenende zu Hause gewährleistet ist.

Der große Vorteil einer ambulanten Reha ist klar: Dein Angehöriger kann in den gewohnten vier Wänden bleiben. Das ist aber gleichzeitig auch ein Nachteil, weil die üblichen Haushaltstätigkeiten ebenfalls erledigt werden müssen. Viele empfinden eine stationäre Reha als besser, weil man sich nicht parallel noch ums Einkaufen, Kochen, Putzen, Waschen und Co kümmern muss, sondern sich ganz auf die Therapien konzentrieren kann.

Gut zu wissen: Du als angehörige Person wirst normalerweise mit einbezogen. So lernst Du noch mehr über den aktuellen Gesundheitszustand der zu versorgenden Person, wie die Prognosen sind und was Ihr konkret üben könnt oder welche Behandlung wichtig ist.

Stationär

Eine stationäre Reha kommt für Patienten infrage, die viel medizinische Versorgung und Pflege benötigen, zum Beispiel nach einer Operation oder nach einem Krankenhausaufenthalt. Typische Beispiele wäre die Reha nach einem Oberschenkelhalsbruch oder einem Schlaganfall. Auch wenn nicht ausreichend ambulante Optionen in der Nähe sind, kommt eine stationäre Reha infrage.

Der große Vorteil der stationären Reha besteht daran, dass Dein Angehöriger sich ganz darauf fokussieren kann. Vielen tut es auch gut, mal rauszukommen und neue Leute kennenzulernen. Wenn eine ambulante Reha möglich ist, finanziert die Kasse meist keine stationäre. Doch wenn Ihr gut argumentiert, kann sie Ausnahmen machen, etwa weil dann der Therapie-Erfolg höher ist.

Mobil

Eine Besonderheit in der Geriatrie ist die Option auf eine mobile Reha. Das bedeutet, dass alle Therapien im Zuhause Deines Angehörigen stattfinden. Ein Team aus Ärzten, Therapeuten und Pflegekräften kümmert sich darum.

Ein großer Vorteil ist, dass Angehörige oft ebenfalls aktiv an der Reha mitwirken können. Da im echten Wohnumfeld geübt und therapiert wird, ist die Verbesserung auch häufig nachhaltiger.

Die mobile Reha richtet sich an stark in der Bewegung eingeschränkte Patienten oder solche, die aus psychischen Gründen negativ auf einen Ortswechsel reagieren würden. Wenn Du vermutest, dass diese Art der Reha für Euch das Richtige wäre, solltet Ihr gezielt nach diesem Angebot fragen und gut argumentieren.

Antrag

Häufig schließt sich eine geriatrische Reha direkt an einen Klinikaufenthalt an. Das Klinikpersonal stellt in diesem Fall den entsprechenden Antrag zusammen mit dem Sozialdienst. Es handelt sich dann um eine Anschlussheilbehandlung. Du musst Dich um nichts kümmern.

Ärztliche Verordnung

Ihr könnt aber auch zur Hausarztpraxis gehen und dort proaktiv nach einer Reha fragen. Seit dem Reha-Stärkungsgesetz 2022 können niedergelassene Ärzte eine geriatrische Reha direkt verordnen. Die Verordnung ist bindend. Patienten müssen nicht mehr darauf warten, dass die Krankenkasse die medizinische Erforderlichkeit überprüft und bestätigt.

Gut zu wissen: Nicht alle Hausärzte kennen die Möglichkeit und Chancen einer geriatrischen Rehabilitation. Daher kann es von Vorteil sein, wenn Ihr auf die Notwendigkeit hinweist, wenn Dein Angehöriger bereits ein hohes Lebensalter hat, gleichzeitig an mehreren Erkrankungen leidet und der Verlust der Teilhabe und körperlicher Fähigkeiten droht.

Schritt für Schritt

Ein vollständig ausgefüllter und gut begründeter Antrag ist die Voraussetzung für eine Reha. Daher geht Ihr am besten wie folgt vor:

  1. Besprecht alles ausführlich in der Hausarztpraxis. Ist eine Reha nötig? Welche Form bevorzugt Ihr? Gibt es eine Wunschklinik?
  2. Besorgt das Antragsformular bei der Krankenkasse.
  3. Füllt das Formular zusammen mit der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt aus und begründet die Reha gut.
  4. Die Hausarztpraxis reicht den Antrag bei der Krankenkasse ein und nach rund zwei Wochen bekommt Ihr Antwort.

Finale Absprachen

Wurde der Antrag bewilligt, bleiben drei Monate Zeit, die Reha anzutreten. Normalerweise dauert sie drei Wochen. Eine ambulante Reha dauert bis zu 20 Tage. Die Therapien müssen aber nicht täglich stattfinden. Denkbar sind beispielsweise drei Tage die Woche. Bei mobiler Reha wird individuell entschieden.

Wenn Ihr alles gut mit der Hausarztpraxis vorbereitet habt, dann habt Ihr wahrscheinlich bereits eine stationäre Wunschklinik oder eine Wunschambulanz angegeben. Dein Angehöriger hat ein gesetzlich verankertes Wunsch- und Wahlrecht. Allerdings nur, wenn die gewünschte Klinik geeignet ist und ein Versorgungsvertrag mit der Krankenkasse besteht. Mit der Klinik oder der Ambulanz vereinbart Ihr den Beginn der Maßnahme. Das kann je nach Einrichtung und Andrang auch etwas länger dauern.

Finanzierung

Normalerweise übernimmt die gesetzliche Krankenversicherung einen Großteil der Kosten. Dein Angehöriger muss lediglich eine Zuzahlung von im Regelfall zehn Euro am Tag selbst bezahlen. Eine Zuzahlung ist aber nur für maximal 28 Tage im Jahr nötig. Musste Dein Angehöriger vor der Reha im gleichen Jahr bereits im Krankenhaus Zuzahlungen leisten, dann werden diese Tage abgezogen.

Ein Beispiel: Dein Angehöriger war 12 Tage im Krankenhaus und hat Zuzahlungen geleistet. Von den 28 Tagen, die gesetzlich Versicherte jährlich pro Jahr zuzahlen müssen, sind also noch 16 Tage übrig. Wenn die stationäre Reha-Maßnahme drei Wochen, also 21 Tage dauert, sind die letzten fünf Tage zuzahlungsfrei.

Gesetzlich Versicherte haben alle drei Jahre einen Anspruch auf eine ambulante Reha und alle vier Jahre auf einen stationären Aufenthalt. Tritt zwischenzeitlich ein gesundheitliches Problem auf, können sich die Zeiten verkürzen. Privat Krankenversicherte müssen sich bei ihrer Kasse erkundigen, ob und wie häufig ihnen eine Reha in ihrem Tarif zusteht.

Gut zu wissen: Wenn eine Maßnahme von der Krankenkasse abgelehnt wird, lohnt sich ein Widerspruch. Dafür habt Ihr vier Wochen Zeit. Holt Euch Unterstützung in einer Beratungsstelle oder in der Arztpraxis. Häufig wird beim zweiten Anlauf bewilligt.

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