Übersicht: Wenn Pflegebedürftige Hilfe ablehnen
Dein Vater will keine fremde Hilfe im Haus? Deine Mutter winkt jedes Angebot ab? Das ist keine Ausnahme, sondern für viele Pflegefamilien Alltag. Häufig gibt es Gründe für die Ablehnung, zum Beispiel Ängste und Sorgen. Wenn Du sie kennst, kannst Du versuchen, sie zu entkräften. Dennoch gilt das Recht auf ein „Nein“ auch bei Pflegebedürftigkeit.
Ein „Nein“ ist selten Sturheit
Es wirkt wie Sturheit, wenn Dein Angehöriger die aus Deiner Sicht nützlichen Hilfen ablehnt. Häufig stecken aber tiefsitzende Ängste dahinter. Darüber sprechen Pflegebedürftige jedoch oft nicht. Manchmal ist es ihnen auch selbst nicht bewusst. Dabei geht es etwa um die Angst vor Kontrollverlust oder die Angst vor Fremden im eigenen Zuhause. Im Gespräch stoßen pflegende Angehörige auch auf Folgendes:
- Misstrauen nach schlechten Erfahrungen
- Sorge um die eigene Selbstständigkeit
- Angst vor dem Verlust der vertrauten Rolle
Bei Demenz kommt oft ein weiterer Faktor hinzu. Die Krankheit verändert die Wahrnehmung. Eine Berührung wirkt plötzlich bedrohlich. Die Abwehr Deines Angehörigen ist dann keine bewusste Entscheidung.
Pflegebedürftige dürfen ablehnen
Menschen mit einem Pflegebedarf haben das Recht, Angeboten eine Absage zu erteilen. Das gilt auch dann, wenn Du überzeugt bist, dass Unterstützung nötig wäre. Die Selbstbestimmung ist ein Grundrecht – im Alter genauso wie in jungen Jahren. Das macht die Situation für Dich natürlich nicht leichter.
Ein „Nein“ ist aber nicht in Stein gemeißelt. Vielleicht hat Dein Angehöriger nicht genügend Informationen. Womöglich stellt er sich die Umsetzung anders als gedacht vor oder braucht noch etwas Zeit. Entscheidend ist, wie Du mit dem Widerstand umgehst: Durch Druck oder Streit kann sich Dein Angehöriger womöglich noch stärker zurückziehen.
Das kann helfen
Wichtig ist, dass Du möglichst nicht genervt oder wütend reagierst. Versuche herauszufinden, was der Grund für die Ablehnung ist. Nimm Dir Zeit für ein solches Gespräch. Womöglich gab es schlimme Kindheitserlebnisse, die nun wieder hochkommen, da der Pflegebedarf ein ähnliches Gefühl der Hilflosigkeit erzeugt wie zum Beispiel ein traumatisches Ereignis in der Nachkriegszeit.
Vielleicht kommt Ihr der Ursache für die Ablehnung gemeinsam auf die Spur. In jedem Fall ist es sinnvoll, gemeinsam nach Kompromissen zu suchen. Es kann zum Beispiel schon helfen, wenn der Pflegedienst nur im Wohnzimmer und Bad tätig werden darf. So bleibt das Schlafzimmer ein privater Rückzugsraum.
Rat und Tat von außen
Deine Kräfte haben Grenzen. Damit bist Du nicht allein. Das ist auch bei anderen Pflegenden so. Kommst Du überhaupt nicht weiter im Gespräch oder verschärft sich die Situation, etwa durch Stürze oder Überforderung, solltest Du Unterstützung holen. Neutrale Fachleute können Dir dabei helfen, die Situation einzuschätzen. Sie vermitteln vielleicht auch zwischen Dir und Deinem Familienmitglied.
Gut zu wissen: Eine Pflegeberatung kann Stolpersteine in der Versorgung aufdecken und konkrete Hilfsangebote näherbringen. Der Pflegestützpunkt in Deiner Nähe berät Euch unabhängig und kostenlos.
Wir haben noch weitere Tipps für Dich: Mehr erfährst Du in unserem ausführlicheren Artikel „Nein zur Hilfe: Was steckt dahinter?“.

