Digitale Pflegehilfsmittel

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"Es ist 7 Uhr. Wenn Sie um 8 Uhr frühstücken wollen, wäre es gut, jetzt das Medikament gegen Osteoporose einzunehmen." Klingt nach Zukunftsmusik? Erinnerungen in dieser Art sind heute schon möglich, mithilfe digitaler Medikamentenboxen. Auch viele andere smarte Helfer können im pflegerischen Alltag unterstützen, sofern alle Beteiligten die digitale Hilfe nutzen wollen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Digitale Assistenzsysteme ermöglichen mehr Selbstbestimmung für Pflegebedürftige und erleichtern die Pflege.
  • Smartphones, Tablets und spezielle Apps erleichtern die Kommunikation.
  • Smart-Home-Anwendungen nehmen viele Handgriffe im Haushalt ab.
  • Trotz vieler Vorteile sollte der Datenschutz nicht aus dem Blickfeld geraten.

Digitale Assistenzsysteme

Wohnkomfort und Sicherheit von Senioren können mittlerweile mit einer Vielzahl digitaler Helfer verbessert werden. Das sind zum einen Smart-Home-Anwendungen, zum anderen speziell für Ältere weiterentwickelte Lösungen. Diese heißen AAL, was die Abkürzung ist für Ambient Assisted Living. Zu Deutsch könnte man in etwa sagen „Alltagsunterstützende Assistenzlösungen für ein selbstbestimmtes Leben“.

Technische Unterstützung

Die Idee hinter digitalen Assistenzsystemen ist, zunehmende Einschränkungen technisch auszugleichen oder zumindest abzumildern. Dazu gehören insbesondere:

  • schwindendes Sehvermögen: intelligente Lichtsysteme, Sprachsteuerung
  • weniger Kraft: automatische Fensterläden, Markisen, Fenster
  • nicht mehr gut zu Fuß: smarte Türklingel, Sprachbefehle
  • Vergesslichkeit: Abschaltautomatik, Warnmelder, digitale Erinnerungen

Manche technischen Geräte lassen sich einfach anschaffen und nutzen. Für andere braucht es größere Umbauten. An vielem beteiligt sich die Pflegeversicherung auf Antrag, wenn sie als Wohnumfeld verbessernde Maßnahme gelten.

Digitale Hilfen

Welche digitalen Hilfen für Deinen Angehörigen besonders nützlich sind, kommt auf die Lebensumstände an. Zu den typischen und gut verfügbaren Assistenzlösungen für Pflegebedürftige gehören vor allem:

  • automatisch gesteuerte Lichtsysteme, zum Beispiel per Zeitschaltuhr oder Bewegungssensor
  • automatisch schließende Fenster, wenn man die Wohnung verlässt
  • automatisch schließende Rolladen je nach Sonnenstand
  • Klingelverstärker für Telefon und Haustür
  • Video-Türklingel, auf Wunsch gekoppelt mit ferngesteuerter Türöffnung
  • Sturzsensoren, die je nach Einstellung automatisch Hilfe rufen
  • Sensoren, die Rauch oder Gas melden
  • Abschaltautomatik für Herd und Wasserhähne
  • smarte Thermostate für die Heizung
  • digitale Medikamentenboxen, die an die Einnahme erinnern
  • programmierbare Saugroboter

Du und Dein zu versorgender Angehöriger überlegt, wo Hilfe am nötigsten ist und was sich baulich realisieren lässt? Manche smarten Anwendungen können leicht nachträglich eingebaut werden, etwa die Video-Türklingel oder elektrische Fensterläden. Das Nachrüsten ist vergleichsweise günstig und bringt oft große Erleichterung. Nehmt Euch Zeit für die Entscheidung und versucht gemeinsam, die für die Situation Deines Angehörigen besten Hilfen auszusuchen. Wichtig ist, dass er gut mit der Anwendung zurechtkommt und keine Scheu vor der neuen Technik hat.

Digitale Pflegeanwendungen

Theoretisch haben Pflegebedürftige ein monatliches Budget zur Verfügung, um Apps zu finanzieren, die die Pflege erleichtern. De facto sind die Hürden für eine Freischaltung allerdings so hoch, dass es bisher keine einzige Anwendung geschafft hat, von der Pflegeversicherung finanziert zu werden. Sobald es welche gibt, sollen sie auf der Webseite des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte veröffentlicht werden.

Kommunikation und Unterhaltung

Kommunikation ist wichtig und sie ist gut gegen Vereinsamung. Ihr wollt bestimmt einen guten Draht zueinander haben. Aber mit zunehmendem Alter wird die Bedienung technischer Geräte schwieriger. Ursachen gibt es zahlreiche: Seh- und Hörkraft lassen nach. Die Finger sind nicht mehr so beweglich oder berührungssensitive Oberflächen wie die am Smartphone wollen nicht recht reagieren, weil sich der Hautwiderstand im Alter häufig verändert. Eventuell mindert eine Demenz oder eine andere Krankheit die geistigen Fähigkeiten.

Erleichterte Bedienung

Spezielle Seniorengeräte erleichtern die Bedienung. Sie haben wenige, leicht bedienbare Funktionen, bieten höheren Kontrast oder lassen sich direkt mit Hörgeräten verknüpfen. Durch Griffe oder Tasten kann Dein Angehöriger sie leichter halten und bedienen. Ihr könnt aber auch handelsübliche Geräte so einrichten, wie es für Euch sinnvoll ist. Eine Playlist mit den liebsten Musiktiteln kann zum Beispiel direkt auf dem Startbildschirm abgelegt werden. Die Vorlesefunktion bei der Zeitungs-App ersetzt das Lesen. Und nach wenigen Versuchen werden Video-Anrufe mit der richtigen App kinderleicht.

Mit einem gekoppelten Sprachassistenzsystem wie Siri oder Alexa geht die Bedienung noch einfacher und ermöglicht die direkte Ansprache. Das kann technische Probleme lösen und vielleicht sogar ein wenig gegen die Einsamkeit wirken. Darüber hinaus vermag ein Smartphone oder Tablet auch gut, die Zeit zu vertreiben, beispielsweise durch Apps mit Denkspielen, Fitnesstraining oder speziellen Trainingsprogrammen, die darauf abzielen, Stürze zu vermeiden und die Motorik zu schulen.

Üben und Verstehen

Am besten übt Ihr die Anwendungen zusammen. Wenn das ein paarmal gut geklappt hat, fällt es Deinem Angehörigen garantiert leichter, die Unsicherheit im Umgang mit der Technik langsam abzulegen. Wenn er eine Affinität zur Technik hat, besprecht Ihr vielleicht sogar Nebenaspekte wie Software-Updates, Geräte-Verknüpfung per Bluetooth oder Einrichtung und Funktion des Sperrbildschirms. Wenn Du Dich selbst nicht gut auskennst, kann das vielleicht ein anderes Familienmitglied übernehmen.

Smartwatches

Fitnessuhren oder Smartwatches können im Alltag für Senioren, die allein leben, eine große Hilfe sein. Die kleinen Geräte am Handgelenk leisten weit mehr, als bloß die Fitness-Daten wie Puls oder zurückgelegte Schritte aufzuzeichnen. Hochwertige Modelle können weitere Körperfunktionen messen wie etwa den Blutdruck. Darüber hinaus kann die Smartwatch an Termine, ans Trinken oder an die Tabletteneinnahme erinnern. Es gibt mittlerweile sogar spezielle digitale Assistenzsysteme für die Pflege.

Eine Sprachsteuerung hilft, sich räumlich zu orientieren. Ein Bewegungssensor kann Stürze erkennen und die Software eine entsprechende Benachrichtigung verschicken. Über die GPS-Funktion kann man die Uhr orten. Die Bedienung von Smartwatches ist mitunter allerdings komplex, vor allem am doch sehr kleinen Bildschirm.

Bevor Ihr ein Gerät wie eine Smartwatch in Betrieb nehmt, solltet Ihr außerdem den Datenschutz bedenken. Wer soll Zugang zu den persönlichen Körperdaten erhalten? Wem darf die Ortungsfunktion den Aufenthaltsort zeigen und wer kann die Bewegungsdaten einsehen? Besprecht das ausführlich und überlegt jede Freigabe gut. Denn negativ interpretiert ist die Smartwatch ein Überwachungsgerät, das jeden Schritt dokumentiert.

Datenschutz

Datenschutz ist nicht nur in Sachen Smartwatch von Interesse. Wenn Ihr Technik einsetzt, Funktionen über das Internet bedient oder Apps benutzt, solltet Ihr Euch grundsätzlich Gedanken dazu machen. Bei technischen Helfern, die direkt per Knopf oder Fernbedienung gesteuert werden, müsst Ihr Euch meist keine Sorgen machen. Dabei werden keine persönlichen Daten übertragen. Sobald aber das Internet oder eine Cloud ins Spiel kommt, wird der Datenschutz relevant.

Viele Smart-Home-Anwendungen funktionieren über das Internet. Der Vorteil ist, dass sich dann beispielsweise die Rollläden auch aus der Ferne öffnen oder schließen lassen. Im Falle einer Sicherheitswarnung kann man Hauskameras direkt ansteuern und nachsehen, was zu Hause los ist. Sogar der Saug- oder Mähroboter kann von unterwegs losgeschickt werden.

Aber gerade solche Geräte wie Saugroboter, ein virtueller Sprachassistent oder ein Smart-TV schicken gerne Daten an den Hersteller. Sie sind häufig so voreingestellt, weil Daten über Häufigkeit der Einsätze oder bevorzugte TV-Programme und Musik für die Hersteller sehr nützlich und viel Geld wert sind. Wichtig ist, dass Ihr in den Einstellungen überprüft, welche Daten übertragen werden. Zum Beispiel benötigt eine App, die an die Einnahme der Medikamente oder ans Trinken erinnert, keinen Zugriff auf Kamera, Mikrofon oder den Standort. Das könnt Ihr individuell so einstellen, dass kein Hersteller mehr über Euch speichert, als wirklich nötig ist.

Analoge Hilfsmittel

Ihr interessiert Euch eher für analoge Hilfsmittel wie Rollator, Pflegebett, Saugroboter oder Lift? Details dazu erfährst Du in unserem Artikel "Technische Hilfsmittel".

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