Patientenverfügung - Das Gespräch suchen

Header image of Patientenverfügung - Das Gespräch suchen

Die Patientenverfügung ist ein wichtiges Dokument, das auf gegenseitigem Vertrauen fußt. Daher solltet Ihr das Thema möglichst früh ansprechen, solange Dein zu pflegender Angehöriger noch geistig fit ist. Offenheit ist wichtig, aber auch der behutsame Gesprächseinstieg.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Patientenverfügung sollte kein Tabuthema sein, auch wenn der Einstieg in das Gespräch eine Hürde darstellen mag.
  • Sucht das Gespräch so früh wie möglich, denn es kann theoretisch jederzeit etwas passieren, das eine Patientenverfügung nötig macht.
  • Verfügungen und Vollmachten sind nur dann gültig, wenn Ersteller im Vollbesitz ihrer geistigen Kräfte sind und verstehen, was sie tun.
  • Beispiele aus dem Umfeld können manchmal den Gesprächseinstieg erleichtern, ebenso das Erwähnen weniger drastischer Eventualitäten.

Ermutigen im Gespräch

Vielleicht haben Deine Eltern oder die angehörige Person, die Du pflegst, keine Lust und Kraft, sich mit dem Thema Patientenverfügung auseinanderzusetzen. Das ist bis zu einem gewissen Grad verständlich. Es ist emotional schwierig, aufwendig und überhaupt denken viele: Wenn ich sterben soll, wird es schon einigermaßen schnell gehen. Aber das ist keine Selbstverständlichkeit.

Argument 1: Vorbereitet sein

Abends halbwegs gesund einschlafen und morgens einfach nicht mehr aufwachen. Einen solchen Tod im hohen Alter wünschen sich die meisten. Doch nicht immer ist der Sterbeprozess am Lebensende eine kurzfristige Angelegenheit ohne Schmerzen und Leid. Deshalb ist es sinnvoll, sich damit auseinanderzusetzen, was stattdessen auch passieren könnte und welche Behandlung man sich dann für diese Fälle wünscht. Wer würdevoll sterben möchte, kann und sollte seinen Teil dazu beitragen.

Gut zu wissen: Erkläre Deinen Eltern, dass Du ohne eine Patientenverfügung im Ernstfall gefragt wirst und über lebensverlängernde Maßnahmen für sie entscheiden musst. Mach Ihnen klar, dass das für Dich sehr belastend ist.

Argument 2: Immer mehr Menschen sorgen vor

In Deutschland besitzen 45 Prozent der Bevölkerung eine Patientenverfügung. Zu dem Ergebnis kommt der Sozialbericht 2024 der Bundeszentrale für politische Bildung. Die Altersgruppe der 80- bis 90-Jährigen hat sogar zu 75 Prozent eine Patientenverfügung verfasst. Das verdeutlicht die Relevanz des Dokuments.

Argument 3: Konkreter Fall

Zum Einstieg in ein Gespräch kann, falls vorhanden, auch ein konkreter Fall aus dem Umfeld dienen. Manchmal hilft ein heftiges Beispiel und die direkte Nachfrage: „Willst Du so lange an Maschinen hängen, wie Tante Laila? Sie war doch immer so eine selbstbestimmte Person. Dieses Lebensende hätte sie sicher nicht gewollt.“

Zeit nehmen

Im Idealfall bringen solche Argumente den Stein ins Rollen, damit Ihr ins Gespräch kommt. Dafür müssen die Rahmenbedingungen stimmen. Ihr braucht Ruhe, Zeit und eine ehrliche Gesprächsatmosphäre. Besprecht – vielleicht auch an unterschiedlichen Tagen – was Deinem Angehörigen, beispielsweise Deinem Vater, wichtig ist:

  • Was wünscht sich Dein Vater in welcher Situation?
  • Wie ist die Einstellung zu künstlicher Ernährung, zu Beatmung und zu Organspende?
  • Will er am Lebensende in einer Klinik, im Hospiz oder zu Hause sein?
  • Wünscht er sich, allein zu sein oder im Familienkreis?

Gut zu wissen: Solange jemand sprech- und entscheidungsfähig ist, gilt immer das gesprochene Wort. Die Patientenverfügung wird nur zurate gezogen, wenn jemand nicht mehr mitteilen kann, was er sich wünscht.

Wenn Papa nicht will

Es kann sein, dass Ihr ein wunderbares Gespräch führt und sogar derselben Ansicht in vielen Punkten seid. Trotzdem sagt der Vater am Schluss, er wolle keine Patientenverfügung verfassen. Manchmal kommt es auch gar nicht erst zu einem Gespräch, weil Vater oder Mutter sich dem Thema verweigern.

Der Grund für ein solches Verhalten liegt oftmals in der Überforderung. Es ist schwer, sich mit dem eigenen Tod zu befassen. Viele Ältere haben außerdem traumatische Erfahrungen in ihrer Kindheit gemacht, sind vielleicht sogar damit aufgewachsen, dass es immer wieder hieß: Wer nicht gesund ist, dessen Leben ist nichts wert und kann beendet werden. Eine Auseinandersetzung mit einer Patientenverfügung fällt dann unendlich schwer.

In solchen Fällen bleibt Dir nichts übrig, als ruhig und geduldig zu bleiben. Bau nach Möglichkeit keinen Druck auf, sondern versuche, mit Bedacht nachzufragen. So kannst Du womöglich nachvollziehen, was die Gründe für den Widerstand sind. Vielleicht kommt Ihr in einem solchen Gespräch weiter. Letztlich musst Du es aber schlicht akzeptieren, falls Dein Angehöriger keine Patientenverfügung aufsetzen möchte.

Hilfe suchen

Wenn eine Patientenverfügung gewünscht ist, solltet Ihr Euch bei der Erstellung professionelle Unterstützung suchen, damit am Ende wirklich alles so ist, wie Ihr das wollt. Wie Ihr Euch beraten lassen könnt und wo Ihr passende Vorlagen findet, erklärt unser Artikel "Patientenverfügung - Hilfe bei der Erstellung".