Umbauten mitfinanzieren lassen
Manche Wohnungen oder Häuser sind nur bedingt geeignet, um dort mit Pflegebedarf wohnen zu bleiben. Passende Umbauten können die Pflege deutlich erleichtern. Die Pflegeversicherung zahlt bis zu 4180 Euro für sogenannte Wohnumfeld verbessernde Maßnahmen, wenn sie nachweislich die Pflege erleichtern oder überhaupt erst möglich machen. Wer eine Pflege-WG gründen möchte, kann dafür Extra-Zuschüsse beantragen.
Das Wichtigste in Kürze
- Mit dem Budget für Wohnumfeld verbessernde Maßnahmen bezuschusst die Pflegeversicherung nötige Umbauten, die die Pflege erleichtern, in allen Pflegegraden mit bis zu 4180 Euro.
- Den Antrag müsst Ihr stellen, bevor die Umbau-Maßnahmen beginnen.
- Wer eine Pflege-WG gründen möchte, kann einen weiteren Zuschuss nutzen: Pro Person mit Pflegegrad, die Teil der Wohngemeinschaft werden möchte, sind 2613 Euro Anschubfinanzierung möglich.
- Mehrere Pflegebedürftige können sich zusammentun und auch beide Zuschüsse miteinander kombinieren.
- Der Zuschuss für eine WG-Gründung lässt sich auch bis zu 12 Monate im Nachhinein beantragen.
Wohnumfeld verbessernde Maßnahmen
Wer möglichst lange in den gewohnten vier Wänden wohnen bleiben möchte, braucht meist irgendwann ein paar Anpassungen. Je nach Situation können schon kleine Veränderungen den Alltag deutlich erleichtern. Manchmal ist auch ein größerer Umbau oder eine Umgestaltung bisher anders genutzter Wohnräume sinnvoll. Das Budget für Wohnumfeld verbessernde Maßnahmen - sprich: Umbauten, die die Pflege erleichtern - ist dann oft ein wahrer Game Changer. Wir geben einen Überblick, welche kleineren und größeren Maßnahmen die Pflege deutlich erleichtern und das Wohnen sicherer und komfortabler machen.
Gut zu wissen: Mieter müssen bauliche Veränderungen immer mit dem Vermieter absprechen. Meist sind diese aber offen für Maßnahmen zur Barriere-Reduzierung, weil das den Wert der Wohnung erhöht. Teils beteiligen sie sich sogar an den Kosten.
Licht, Halt und weniger Barrieren
Es gibt einige typische Problempunkte, die das Leben mit zunehmendem Alter unnötig schwer und teils sogar gefährlich machen. Wer sie kennt, kann sie beseitigen und somit die Bedingungen für ein möglichst sicheres, selbstständiges und angenehmes Leben deutlich verbessern. Am wichtigsten sind folgende drei Aspekte:
Licht
Gemütliches, aber schummriges Licht von alten Glüh- oder Energiesparlampen kann der Grund dafür sein, dass ältere Menschen ihre Augen permanent überanstrengen oder sogar Stolperfallen übersehen. Kopfschmerzen, tränende Augen und im ungünstigsten Fall ein Sturz mit möglicherweise schlimmen Folgen können das Ergebnis sein. Tausche daher alte Leuchtmittel gegen neue LEDs aus.
Unser Tipp: Achte beim Kauf auf die Angabe der sogenannten Farbtemperatur. LEDs mit 3000 Kelvin erzeugen ein warmweißes Licht, das eine ähnliche Farbe ausstrahlt wie die guten, alten Glühlampen. Je höher die Kelvin-Zahl ist, desto bläulicher oder greller wirkt das Licht.
Haltegriffe
Mit zunehmendem Alter schwindet die Muskelkraft, wenn man nicht bewusst dagegen antrainiert. Auch das Gleichgewicht wird bei vielen älteren und pflegebedürftigen Menschen schlechter. Umso höher ist die Gefahr, dass sie stolpern oder stürzen. Um sich noch abfangen zu können beziehungsweise um direkt mehr Standsicherheit zu haben, sind Haltegriffe absolut empfehlenswert. Besonders wichtig sind sie im Bad, im Flur und im Schlafzimmer.
Unser Tipp: Nicht immer muss gebohrt werden. Auch Haltegriffe mit Klebefläche oder Saugnäpfen können enorm fest angebracht werden. Lasse Dich hierzu am besten individuell beraten, etwa bei einem Hausbesuch der Pflegekasse oder durch eine Wohnberatung.
Barrieren
Viele ältere Wohnungen und Häuser sind mit zwei typischen Barrieren ausgestattet: Teppichläufern und Badewannen. Früher oder später kann beides zum Problem werden. Damit Teppiche, von denen meist mindestens eine Ecke nach oben ragt, nicht zur Stolperfalle werden, ist es sinnvoll, sie an allen Seiten mit doppelseitigem Klebeband am Boden festzukleben. Der ein oder andere alte Teppich kann vielleicht auch entsorgt werden. Das hilft auch gegen Hausstaubmilben. Diese Maßnahmen sind recht einfach und günstig umzusetzen.
Wenn man nicht mehr in die Badewanne hineinkommt, wird es aufwendiger und teurer. Trotzdem ist ein Badumbau oft eine gute Idee. Denn eine ebenerdige Dusche, mehr Platz und ein geräumiger Waschtisch sind in vielerlei Hinsicht deutlich praktischer als ein enges Bad, das jeden Tag Probleme bereitet - nicht zuletzt wegen einer Badewanne, die nicht mehr entspannt genutzt werden kann .
Wohnberatung
Geschulte Wohnberater kommen auf Anfrage zu Pflegebedürftigen nach Hause, schauen sich alle Räume an und empfehlen Maßnahmen, wie sich die Wohnung oder das Haus pflegeleichter gestalten ließe. Sie kennen auch diverse kleine, hilfreiche Tricks, können bei Interesse an passende Anbieter verweisen und Tipps für Zuschüsse geben. Die Beratung selbst ist meist kostenfrei, weil sie staatlich finanziert wird. Allerdings ist sie nicht flächendeckend verfügbar. Wie es in Eurer Nähe aussieht, erfährst Du bei der zuständigen Stelle Deine Bundeslandes.
Zuschuss der Pflegeversicherung
Insbesondere für teurere Maßnahmen zahlt die Pflegeversicherung auf Antrag den Zuschuss für Wohnumfeld verbessernde Maßnahmen. In allen Pflegegraden sind bis zu 4180 Euro möglich, wenn
- die häusliche Pflege durch den Umbau überhaupt erst ermöglicht wird,
- die häusliche Pflege erheblich erleichtert und damit eine Überforderung verhindert wird oder
- eine möglichst selbstständige Lebensführung der pflegebedürftigen Person wiederhergestellt, also die Abhängigkeit von personeller Hilfe verringert wird.
Mehrfach möglich
Der Betrag gilt pro Person und Maßnahme. Wenn also ein Paar die gemeinsame Wohnung umbauen lässt und beide einen Pflegegrad haben, können sie gemeinsam bis zu 8360 Euro als Zuschuss erhalten. Alle Umbauten, die zum gleichen Zeitpunkt beantragt werden und aktuell nötig sind, gelten als „eine Maßnahme“. Wenn sich der gesundheitliche Zustand deutlich verändert und deshalb neue Umbauten nötig werden, ist ein erneuter Zuschuss möglich.
Typische Umbauten
Neben einem Badumbau, der als Klassiker der Wohnumfeld verbessernden Maßnahmen gilt, werden auch andere Umbauten bezuschusst. Dazu gehören beispielsweise:
- der Einbau von Treppenliften, Rampen oder Aufzügen,
- der Einbau von Lichtschaltern oder Fenstern mit Griffen in rollstuhlgerechter Höhe,
- die Verbreiterung von Türen,
- das Anbringen von Geländern oder Haltegriffen vor oder im Haus,
- der Einbau von Orientierungshilfen oder Verstärkern, etwa bei starker Seh- oder Hörschwäche,
- der Ein- oder Umbau von Möbelstücken, die höhenverstellbar sind.
Gut zu wissen: Alternativ kann auch der Umzug in eine barrierearme Wohnung bezuschusst werden, wenn das sinnvoller ist als der Umbau des bisherigen Wohnraums.
Antrag nötig
Den Antrag für den Zuschuss muss die pflegebedürftige Person vor Beginn der Umbaumaßnahmen bei ihrer Pflegeversicherung stellen. Um den Zuschuss zu erhalten, solltet Ihr Euch an folgenden Ablauf halten:
- Bedarf klären: Überlegt, was Ihr braucht. Lasst Euch das begründen, etwa durch den Medizinischen Dienst oder die Hausarztpraxis.
- Kostenvoranschlag einholen: Lasst die voraussichtlichen Kosten durch einen Handwerksbetrieb schätzen und Euch schriftlich in einem Kostenvoranschlag aushändigen.
- Antrag stellen: Reicht bei der Pflegeversicherung einen Antrag auf „Wohnumfeldverbessernde Maßnahmen“ ein. Schickt den Kostenvoranschlag mit.
- Genehmigung abwarten: Innerhalb von drei Wochen muss die Versicherung antworten. Die Frist verlängert sich auf fünf Wochen, wenn für die Entscheidung ein medizinisches Gutachten notwendig ist.
- Umbauten durchführen lassen: Nach der Genehmigung können die Handwerker starten.
- Rechnungen einreichen: Nach Abschluss schickt Ihr die Rechnung an die Versicherung und erhaltet den vereinbarten Zuschuss.
Zuschuss zur WG-Gründung
Das Konzept der Wohngemeinschaft ist längst kein Studierenden-Phänomen mehr. Auch immer mehr ältere Menschen mit Pflegebedarf schließen sich zu einer Wohngemeinschaft zusammen und beauftragen gemeinsam einen Pflegedienst und Hilfe im Haushalt. So wird es für alle günstiger.
Wer eine solche Pflege-WG neu gründet, kann nicht nur mit bis zu vier Menschen den Zuschuss für Wohnumfeld verbessernde Maßnahmen nutzen, also insgesamt bis zu 16.720 Euro, um eine Wohnung oder ein Haus passend umzubauen. Zusätzlich gibt es einen Extra-Zuschuss als Anschubfinanzierung zur WG-Gründung von 2613 Euro pro Person. Auch hierfür können bis zu vier Personen für eine WG den Zuschuss beantragen, wenn alle vier einen Pflegegrad haben. Somit sind nochmals bis zu 10.452 Euro extra möglich.
Den Antrag können die WG-Gründer vor oder noch bis zu zwölf Monate nach dem Einzug stellen. Im besten Fall können somit Umbau-Kosten in Höhe von mehr als 27.000 Euro über die Pflegeversicherung finanziert werden.
Gut zu wissen: Sobald die Pflege-WG besteht, können alle Bewohner mit einem Pflegegrad außerdem einen monatlichen Extra-Zuschuss in Höhe von 224 Euro erhalten.
