Was Palliativpflege leistet
Die Worte Palliativmedizin, Palliativpflege, Palliative Care und palliative Hilfe umfassen alle einen sehr ähnlichen Aufgabenbereich: Es geht darum, Menschen an ihrem Lebensende noch eine möglichst gute Zeit zu ermöglichen. Sprachlich gehen alle Begriffe zurück auf das lateinische Wort „pallium“ für Mantel beziehungsweise „palliare“ für schützen. Sterbende sollen also möglichst gut umhüllt und geschützt werden. Auch Du als Angehörige(r) kannst dazu einen entscheidenden Beitrag leisten.
Das Wichtigste in Kürze
- Palliativpflege hat das Ziel, die Lebensqualität am Lebensende möglichst hoch zu halten
- Es gibt ambulante und stationäre palliative Hilfen.
- Für die Palliativpflege arbeiten meist Mediziner, Pflegekräfte, Therapeuten, Sozialarbeiter, Ehrenamtliche, Angehörige und manchmal noch weitere zusammen.
- Die Krankenkasse finanziert die professionelle Palliativpflege, wenn sie ärztlich verordnet wurde.
Palliative Hilfe
Je nach Situation sorgen Palliativmediziner und -pflegekräfte zusammen mit weiteren, etwa Therapeuten, Sozialarbeitern, Seelsorgern und ehrenamtlichen Hospizhelfern dafür, dass Menschen an ihrem Lebensende möglichst ganzheitlich versorgt sind. Das ist sowohl in der häuslichen Umgebung möglich als auch in vielen Pflegeheimen. Unter bestimmten Umständen dürfte der Umzug in ein stationäres Hospiz möglich und sinnvoll sein. Doch auch Du als Angehörige(r) kannst einen entscheidenden Anteil leisten, damit es dem Dir nahestehenden Menschen gut geht, wenn seine Zeit gekommen ist.
Ziele der palliativen Unterstützung
Insgesamt lässt sich sagen, dass die Lebensqualität in den letzten Wochen durch die palliative Hilfe so hoch wie möglich sein soll. Wie genau diese Hilfe aussieht, ist sehr unterschiedlich, denn sie soll sich stets an den Bedürfnissen der sterbenden Person orientieren. Grundsätzlich lassen sich folgende Ziele der Palliativpflege definieren:
- Reduzierung von Schmerzen
- pflegerische Unterstützung, wie Körperpflege, Mobilisation, Ernährung, Verbandswechsel
- psychosoziale Betreuung
- gemeinsame Gestaltung des Lebensendes
- Unterstützung bei der Verarbeitung der herausfordernden Situation – sowohl für Sterbende als auch für Angehörige und Freunde
- auf Wunsch spirituelle Seelsorge
Anspruch auf Finanzierung
In Deutschland hat nicht nur jeder Mensch einen Anspruch auf diese Art der Versorgung, sondern sie muss auch von der Krankenversicherung finanziert werden, wenn klar ist, dass eine Heilung nicht mehr möglich ist. Je nach Erkrankung, Wohnort und sozialem Netz ist eine palliative Versorgung im bisherigen Zuhause möglich und oft auch erwünscht. Die palliative, medizinische Versorgung kann ebenso wie pflegerische Palliativhilfe vom Hausarzt verordnet werden.
Ambulante Palliativversorgung
Meist übernehmen die Mitarbeitenden von Pflegediensten die pflegerische Versorgung am Lebensende, wenn sie eine entsprechende Zusatzqualifikation haben. Die Hilfe kann auch von speziellen Teams der sogenannten Allgemeinen Ambulanten Palliativversorgung, kurz AAPV, geleistet werden. Die Aufgabe der Profis ist in jedem Fall, vorhandene Beschwerden inklusive Schmerzen zu lindern, nötige Pflege zu leisten und die Betroffenen auch medizinisch zu versorgen.
Wichtig zu wissen ist: Mit der Verordnung übernimmt die gesetzliche Krankenversicherung die vollständigen Kosten dafür. Ein Pflegegrad ist nicht notwendig beziehungsweise bisherige Leistungen durch die Pflegekasse werden nicht auf die palliative Versorgung angerechnet. Selbst wenn die gleichen Menschen kommen und nun auch die palliative Versorgung übernehmen, was gar nicht so selten gewünscht wird, weil man sich schon kennt, ist die Abrechnung eine andere Schublade.
Gut zu wissen: Wie genau die Abrechnung bei privat Versicherten funktioniert, kommt auf den Vertrag an. In jedem Fall gilt: Wenn angefallene Kosten für die Palliativpflege zunächst selbst übernommen werden, kannst Du noch bis zu einem Jahr nach dem Tod der betreuten Person entsprechende Rechnungen bei der Krankenversicherung einreichen.
Spezialisierte Versorgung
Reicht die Arbeit der AAPV nicht aus, können Fachkräfte der Spezialisierten Ambulanten Palliativ-Versorgung, kurz SAPV, angefragt werden. Diese speziell ausgebildeten Pflegekräfte, Ärztinnen und Ärzte können auch eine aufwendigere Unterstützung bis hin zu einer 24-Stunden-Versorgung zuhause ermöglichen. Ihr Ziel ist es, damit unnötige Krankenhaus-Einweisungen zu vermeiden. Dafür arbeiten die SAPV-Kräfte meist mit Fachärzten, Therapeuten, Psychologen und weiteren ambulanten Hilfen wie Hospizdiensten zusammen. Sie beraten auch dazu, was alles möglich und sinnvoll ist, organisieren alle nötigen und möglichen Hilfen gemeinsam mit den Angehörigen und koordinieren die Arbeit der einzelnen Akteure.
Ob eine solche Versorgung infrage kommt, entscheidet der Hausarzt, die Hausärztin oder eine Klinik. Mit entsprechender Verordnung zahlt die Krankenkasse auch dafür alle Kosten. Privatversicherte sollten sich am besten eine schriftliche Bestätigung einholen, dass die Kosten übernommen werden.
Übrigens: Die SAPV kann auch in der „vorletzten“ Zeit schon eine Option sein, wenn Menschen zum Beispiel eine unheilbare Erkrankung haben, das Lebensende aber noch nicht konkret absehbar ist. Nicht immer haben die Behandler die Zeit, unaufgefordert über diese Möglichkeit zu informieren. Wenn Du also den Eindruck hast, dass eine Ambulante Palliativ-Versorgung – egal ob allgemein oder spezialisiert – in Deiner Familie nötig ist, dann frag die behandelnden Ärzte am besten danach.
Ehrenamtliche Hospizdienste
Ambulante Hospizdienste helfen dabei, Angehörige zu entlasten, wenn sie sich in der letzten Lebensphase um einen geliebten Menschen kümmern wollen. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter übernehmen zum Beispiel Einkäufe und stehen für Gespräche zur Verfügung – und zwar sowohl mit den Sterbenden als auch mit den Angehörigen.
Die Hospizler sind Ehrenamtliche mit einer passenden Fortbildung. Sie haben regelmäßig mit Sterbenden zu tun und kennen deshalb die Umstände, während diese für viele direkt Betroffene eine bislang unbekannte Ausnahmesituation darstellen. Durch ihre Erfahrung können die Hospizler nicht nur mit Rat und Tat zur Seite stehen, sondern bringen auch in der Regel eine gewisse Ruhe in den Alltag. Außerdem fällt es fast allen Betroffenen leichter, mit ihnen über bestimmte Fragen zu sprechen, weil sie zwar erfahren und neutral, gleichzeitig aber auch irgendwie Privatpersonen sind. Etwa 120.000 Menschen in Deutschland engagieren sich bei ambulanten Hospizdiensten, sodass in den meisten Regionen eine Unterstützung möglich ist. Auch nach dem Tod einer Person können Angehörige bei ihrer Trauerarbeit noch Begleitung und Unterstützung erhalten.
Stationäres Hospiz
Wenn trotz der genannten ambulanten Hilfen keine gute Versorgung zuhause möglich ist, kann ein Umzug in ein stationäres Hospiz eine gute Entscheidung sein. In den mehr als 250 Hospizen in Deutschland ist auch eine Versorgung von Menschen mit komplizierten Erkrankungen am Lebensende möglich. Hier arbeiten Haupt- und Ehrenamtliche in den Bereichen Medizin, Pflege und psychosoziale Betreuung mit Angehörigen und Freunden zusammen, um Sterbenden eine möglichst schöne letzte Zeit zu ermöglichen. Auch die Angehörigen selbst können Unterstützung erfahren. Mit einer Verordnung für die sterbenskranke Person, die in der Regel die Voraussetzung für einen Hospizplatz ist, übernimmt die Krankenkasse auch dafür einen Großteil der Kosten.
Die Hospize haben das erklärte Ziel, ein möglichst gemütliches Zuhause-Gefühl ohne „Klinik-Atmosphäre“ auszustrahlen – auch wenn viele medizinische Hilfsmittel vorhanden sind. Die Anzahl der stationären Hospize in Deutschland steigt kontinuierlich, trotzdem sind sie noch nicht flächendeckend vertreten.
Palliative Unterstützung finden
Wenn Ihr euch professionelle palliative Unterstützung wünscht, kannst Du Dich online informieren, wo es welche Hilfe gibt und was genau deren jeweiligen Konzept beinhaltet. Eine gute Übersicht bietet der Wegweiser Hospiz- und Palliativversorgung Deutschland.
