Der Sterbeprozess
Kaum jemand dürfte wohl gerne über Tod und Sterben nachdenken. Doch es ist gut zu wissen, was beim Sterbeprozess im Körper passiert. Denn Angehörige können einiges tun, um den letzten Weg eines geliebten Menschen so angenehm wie möglich zu gestalten. Und dieses Wissen ist einerseits die Basis dafür, den Prozess überhaupt zu erkennen und einzuordnen, was gerade geschieht. Andererseits kann es auch dabei helfen, die Dinge zu verstehen und anzunehmen.
Wertvolles Wissen
Vielleicht hast Du Dich gefragt, ob Du diesen Text wirklich lesen willst. Viele Menschen haben Angst vor dem Tod und verdrängen ihn im Alltag so gut, wie es geht. Dass wir uns nicht ständig damit auseinandersetzen wollen, ist normal und gesund, denn das Sterben stellt gewissermaßen den absoluten Kontrollverlust dar. Doch wir möchten Dich ermutigen, weiterzulesen. Denn wie so oft im Leben ist es selten ein Thema selbst, was uns besonders unheimlich erscheint, sondern es ist vor allem die Ungewissheit, die uns zu schaffen macht. Und zumindest der Unwissenheit können wir entgegenwirken.
Denn es gibt sehr viel Wissen über den Tod. Unabhängig davon, ob er durch eine fortschreitende Erkrankung ausgelöst wird oder sich „einfach so“ nähert: Sterben ist ein Prozess. Und wenn Du weißt, was im Körper währenddessen abläuft, kannst Du nicht nur viel besser einschätzen, ob alles so geschieht, wie der natürliche Prozess es vorsieht, sondern bist auch handlungsfähig. Du hast Gestaltungsspielraum und kannst die letzte Zeit für einen geliebten Menschen so angenehm wie möglich machen. Und das tut beiden Seiten gut.
Lebensqualität und Selbstbestimmung
Mitte des 20. Jahrhunderts hat es Cicely Saunders, die Begründerin der modernen Schmerztherapie und ganzheitlichen Begleitung in der letzten Lebenszeit (Palliativversorgung), so ausgedrückt:
„Es geht nicht darum, dem Leben mehr Tage zu geben, sondern den Tagen mehr Leben.“
Der Tod verursacht in vielen Menschen vor allem deswegen eine große Furcht, weil sich am Lebensende vermeintlich alle vorstellbaren Schrecknisse versammeln: Schmerzen, Ausgeliefertsein, Handlungsunfähigkeit und die totale Ungewissheit, ob und was nach dem Tod noch folgt. Cicely Saunders erkannte, dass nur der letzte Punkt wirklich stimmt. An allem anderen lässt sich arbeiten.
Das gilt übrigens auch für Menschen mit einer schweren Diagnose. Leider bekommen viel zu viele von ihnen immer noch den Satz zu hören: „Wir können nichts mehr für sie tun!“ Das reißt nicht nur den Betroffenen, sondern meist auch Angehörigen und Freunden den Boden unter den Füßen weg. Dabei muss man betonen: Das stimmt so nicht! Auch wenn keine Heilung möglich ist, kann die palliative Versorgung noch eine ganze Menge tun. Der Fokus liegt auf einer angemessenen Linderung von Symptomen und noch möglichst viel Freude am Leben.
Erfolgreiche Schmerzkontrolle
Die moderne Schmerzmedizin erlaubt es, dass selbst stärkste Schmerzen mit den richtigen Mitteln so weit unterdrückt werden können, dass sie gut erträglich sind. Saunders war es auch, die unermüdlich herauszufinden versuchte, was an älteren Mythen dran sei, dass starke Schmerzmittel angeblich schnell abhängig machen und nach kürzester Zeit in ihrer Wirkung nachlassen würden. Mittlerweile weiß man: Wenn jemand starke Schmerzen hat, können diese auch über einen längeren Zeitraum erfolgreich unterdrückt werden. Vor unerträglichen, andauernden Schmerzen am Lebensende muss sich deshalb niemand in Deutschland fürchten.
Gut zu wissen: Starke Schmerzen werden ausschließlich durch bestimmte Erkrankungen verursacht. Das Sterben an sich tut nicht weh. Im Gegenteil. Der menschliche Körper schüttet sogar automatisch körpereigene Schmerzmittel aus, wenn der Sterbeprozess einsetzt. Dazu später mehr.
Handlungsfähigkeit
Saunders, die zunächst als Krankenschwester tätig war und später Medizin und Sozialarbeit studierte, entwickelte federführend die Idee der Palliativ- und Hospizarbeit, von der weltweit heute Millionen Menschen profitieren. Ihre Grundüberzeugung war, dass ein Team aus Pflegekräften, Ärzten und Therapeuten auf der einen Seite sowie Angehörigen, Freunden und Ehrenamtlichen auf der anderen Seite die ideale Kombination darstellt, um Sterbende in ihren letzten Wochen zu begleiten.
Das hilft nicht nur den direkt Betroffenen, in Würde sterben zu können, sondern es ist auch für Dich wohltuend, wenn Du Dich als Angehöriger dem Sterbeprozess nicht hilflos mit ausgeliefert fühlst und stattdessen aktiv etwas tun kannst. Und das ist ganz oft möglich.
Du kannst beispielsweise Hände oder Füße massieren, wenn das Herz der Sterbenden zunehmend langsamer schlägt und die Extremitäten deshalb nicht mehr warm werden. Du kannst für eine halb-aufrechte Position sorgen, damit das Atmen auch mit schwächerer Muskulatur etwas leichter fällt. Du kannst für schönes Licht, passende Musik, angenehme Gerüche und eine gute Mundpflege sorgen. Wenn Du möchtest, kannst Du singen, beten, vorlesen und in jedem Fall: da sein. Und im besten Fall ist es dann auch nach dem Tod eines geliebten Menschen für Dich ein bisschen leichter, danach weiterzuleben.
Damit das gelingt, müssen wir uns aber mit dem Sterbeprozess und unseren Möglichkeiten beschäftigen. Für Cicely Saunders war es ganz wichtig, dass Lebensqualität und Selbstbestimmung der Betroffenen bis zum Schluss so hoch wie möglich sein sollen. Außerdem sollten auch Angehörige und Freunde notwendige Unterstützung in dieser Zeit und in der Phase der Trauer nach dem Tod erhalten. Saunders setzte sich zeitlebens dafür ein, dass dies für möglichst viele Menschen möglich wird und hat dafür zahlreiche Würdigungen erhalten. Unsere Aufgabe ist es, ihr Wissen nicht zu vergessen, sondern anzuwenden. Dazu kannst Du einen entscheidenden Teil beitragen. Schon allein dadurch, dass Du diesen Text liest.
Sterben ist ein Prozess
Entscheidend ist ein solides Grundwissen darüber, was am Lebensende passiert. Es hilft Dir, zu erkennen, was gerade passiert und was Du in dieser Phase für eine sterbende Person tun kannst. So ähnlich wie am Lebensanfang, wenn der Körper des noch ungeborenen Babys sich nach einer jahrtausendealten Logik darauf vorbereitet, bald den Weg in die Welt anzutreten, ist es auch am Ende. Der Körper bereitet sich aufs Sterben vor, indem er eine Reihe von Prozessen in Gang setzt, die immer recht ähnlich abläuft. Nach mehreren Tagen endet dieser Prozess schließlich mit dem Tod.
Hände und Füße werden kalt Zunächst verändert sich der Blutfluss im Körper. Das Herz pumpt immer schwächer. Dadurch werden Füße und Hände der Sterbenden nicht mehr optimal versorgt und fühlen sich ungewöhnlich kalt an. Extrawarme Socken empfinden die meisten Menschen an ihren letzten Lebenstagen daher als sehr angenehm – insbesondere, wenn sie ihr Leben lang eigentlich nie kalte Füße hatten. Wenn beide Seiten wollen, können auch regelmäßige Massagen an Händen und Füßen sehr gut tun.
Der Körpergeruch verändert sich An ihren letzten Tagen werden Sterbende buchstäblich immer schwächer und schlafen sehr viel. Das Aufstehen fällt ihnen zunehmend schwer. Im Körper beginnt ein großes Zellsterben. Zu diesem Zeitpunkt fängt der Körpergeruch an, sich langsam zu verändern.
Hunger und Durst lassen nach Gleichzeitig gehen Hunger und Durst deutlich zurück oder sind gar nicht mehr vorhanden. Der Körper signalisiert, dass er bald keine Energie und keine Flüssigkeit mehr braucht. Das Gehirn schüttet körpereigene Schmerzhemmer aus. An diesem Punkt ist es entscheidend zu wissen: Der Körper stirbt nicht, weil er kein Essen bekommt. Sondern der Hunger versiegt, weil der Körper stirbt. Gleiches gilt für das Durstgefühl. Sterbende wollen in der Regel nichts mehr trinken und können irgendwann auch gar keine Flüssigkeit mehr verarbeiten.
Viele Menschen versuchen intuitiv, ihre Angehörigen oder Freunde zum Essen und Trinken zu motivieren. Wenn der Sterbeprozess eingesetzt hat, ist das aber nicht mehr sinnvoll, denn der Körper kann die Nahrung nicht mehr verarbeiten. Sobald Du mehrere Anzeichen des Sterbeprozesses erkannt hast, solltest Du daher darauf verzichten, einem Menschen gut zuzureden, damit er isst und trinkt. Akzeptiere – auch wenn es schwerfällt – den nachlassenden Hunger und Durst. Der Körper weiß, was er tut. Und wenn Sterbende gegen ihre Intuition doch etwas zu sich nehmen, etwa um jemandem einen Gefallen zu tun, kann das zu schlimmen Krämpfen, Übelkeit und Erbrechen führen.
Die Verdauung versagt Der Darm stellt meist früh im Sterbeprozess seine Arbeit ein. Meist ist das nicht schlimm und niemand muss eingreifen. Wenn Du aber den Eindruck hast, dass der Bauch sehr hart ist und die sterbende Person Schmerzen durch die nachlassende Verdauungstätigkeit hat, kann ein behutsamer Einlauf Linderung verschaffen. Am besten sollte das mit einem Profi abgesprochen und von einer Palliativpflegekraft durchgeführt werden.
Die Sinne verändern sich Was genau Sterbende wahrnehmen, weiß man nicht und ist höchstwahrscheinlich individuell. Grundsätzlich ist davon auszugehen, dass kurz vor dem Tod der Geruchs- und Geschmackssinn (fast) vollständig verschwinden. Das Sehen und Hören kann jedoch deutlich empfindlicher werden. Viele Sterbende empfinden daher eine ruhige Umgebung mit gedämpftem Licht als angenehm. Auch leise Musik, sanftes Singen oder (gemeinsames) Beten kann gut tun.
Das Bewusstsein schwindet Gegen Ende des Sterbeprozesses wachen die Betroffenen immer seltener auf. Viele, die schonmal jemanden bis zum Tod begleitet haben, empfinden es so, dass sich die sterbende Person immer weiter in sich zurückzieht und immer weniger von der Außenwelt mitbekommt. Es ist allerdings davon auszugehen, dass Geräusche und Berührungen bis zum letzten Moment wahrgenommen werden. Es heißt manchmal: „Das Gehör stirbt zuletzt.“ Deshalb kannst und solltest Du auch unbedingt weiterhin mit Sterbenden kommunizieren – selbst dann, wenn diese nicht mehr direkt oder deutlich reagieren. Auch Berührungen solltest Du ankündigen und genau auf kleinste Anzeichen achten, ob sie als angenehm oder störend empfunden werden.
Manche Sterbenden machen einen unruhigen Eindruck. Auch dann hilft Ruhe – sowohl die Abwesenheit von Lärm, als auch eine ruhige Ausstrahlung der Anwesenden – den Betroffenen in der Regel, sich zu beruhigen. Außerdem ist es ein Zeichen liebevoller Wertschätzung, wenn mit den Sterbenden gesprochen wird und nicht über sie.
Gut zu wissen: Viele Menschen fangen im Dämmerzustand vor dem Tod an, aus der Luft oder von der Decke unsichtbare Staubflocken zu zupfen. Palliativkräfte bezeichnen das oft als „Flockenlesen“. Das ständige Gezuppel wirkt auf den ersten Blick unruhig. Es ist aber davon auszugehen, dass es kein Zeichen von unangenehmer Unruhe ist. Auch bei kleinen Kindern ist dieses Verhalten oft vor dem Schlafengehen zu beobachten und wohl eher ein Zeichen von Gemütlichkeit und Müdigkeit.
Das Sterbebett-Phänomen Einige Menschen haben inmitten ihres Sterbeprozesses plötzlich noch einmal sehr klare Momente – häufig in ihren letzten 24 Stunden. Dann beginnen schwer an Demenz Erkrankte auf einmal, klar und deutlich zu reden. Schon lange Bettlägerige stehen plötzlich auf, weil sie unbedingt noch einen Spaziergang machen wollen. Oder Menschen im Dämmerzustand werden noch einmal wach, reden freudig mit Anwesenden, mit längst Verstorbenen oder einer unsichtbaren Gestalt im Raum. Dieses sogenannte Sterbebett-Phänomen macht vielen Angehörigen Angst, vor allem wenn sie es zum ersten Mal erleben. Die Sterbenden hingegen sind in der Regel völlig entspannt, oft sogar glücklich.
Nur selten kommt es vor, dass Sterbende kurz vor ihrem Tod plötzlich anfangen zu jammern oder nach ihrer längst verstorbenen Mutter zu rufen. Ob sich die Betroffenen in diesem Moment bewusst nach Nähe und Sicherheit sehnen oder ob es unbewusste Reaktionen des Gehirns sind, ist nicht bekannt. Es kann helfen, der sterbenden Person ruhig zuzureden, sie in den Arm zu nehmen oder abzulenken. Manchmal kann man auch nur ruhig abwarten, bis der Moment vorübergeht. Bisher ist kaum erforscht, warum wann welche Variante des Sterbebett-Phänomens auftritt – oder auch nichts dergleichen passiert. Manche Mediziner halten es für ein letztes Aufbäumen bestimmter Hirnregionen. Empfohlen ist, in jedem Fall zugewandt und positiv auf das Phänomen zu reagieren. Die meisten Sterbenden machen den Eindruck, eine tiefe spirituelle Erfahrung zu machen, freuen sich auf eine Reise, erfahren Trost und Frieden. Ideal ist es, wenn Du es schaffst, dieses Erleben nicht abzuwerten, sondern die Gefühle zu spiegeln oder zumindest entspannt anzunehmen.
Das Atmen verändert sich Irgendwann wird der Atem deutlich flacher und es kommt immer wieder zu Atemaussetzern. Viele Sterbende sind nun nicht mehr ansprechbar oder reagieren nur noch stark verzögert. Das ist ganz normal.
Manche Sterbende bekommen in dieser Phase aber auch Angst. Denn sie haben den (korrekten) Eindruck, unter Luftnot zu geraten. Der zunehmende Gehalt an Kohlenstoffdioxid im Blut soll eigentlich dabei helfen, den Körper zu entspannen. Das klappt zwar meistens, aber nicht immer. Wenn Sterbende Angst bekommen, können Atemtechniken und eine Lagerung mit aufgerichtetem Oberkörper meist gut helfen. Außerdem ist es sehr hilfreich, wenn Du nicht mit in Panik verfällst, sondern möglichst viel Ruhe und Zuversicht ausstrahlst. Häufig hilft auch sanfter Körperkontakt, indem Du etwa die Hand der ängstlichen Person hältst oder Dich hinter sie setzt und behutsam aufgerichtet hältst, um das Atmen zu erleichtern. Bei Bedarf können auch Medikamente wie Morphium das Wahrnehmen und die Angst vor Atemnot lindern.
Gut zu wissen: Oft setzt irgendwann die sogenannte Rassel-Atmung ein. Das klingt zunächst ganz furchtbar, weil es sich so anhört, als ob jemand rasselnd erstickt. Tatsächlich entsteht das Rasseln aber lediglich deshalb, weil die Muskulatur zunehmend schwächer wird und der Schluckreflex nachlässt. Deshalb können Speichel und Schleim, die der Körper weiterhin produziert, nicht mehr geschluckt oder abgehustet werden. Beim Atmen schlackern die zunehmend schlaffen Muskelstränge gegeneinander und bewegen das Sekret in der Luftröhre hin und her. So entsteht das rasselnde Geräusch.
In der Regel ist der Körper zu diesem Zeitpunkt aber durch die längeren Atempausen bereits mit Kohlenstoffdioxid angereichert. Der Sterbende dämmert also langsam weg und bekommt von seinem eigenen Röcheln kaum etwas mit. Der Schleim hat sogar den Vorteil, dass er die Atemluft noch angenehm befeuchtet. Daher raten Palliativmediziner, sofern es sich um einen Sterbeprozess handelt, dass Angehörige:
- den Schleim nicht absaugen,
- keinen Sauerstoff zuführen und
- nicht den Notarzt rufen sollten.
All das würde das Rasseln zwar kurzfristig beenden, aber auch den Sterbenden wieder zurück reißen, sodass der Prozess kurze Zeit später von vorne anfängt. Wenn das Zellsterben begonnen hat, solltest Du stattdessen Ruhe bewahren und dem natürlichen Prozess seinen Lauf lassen.
Der letzte Schritt Irgendwann ist die Phase erreicht, in der die Muskeln der Sterbenden immer weiter erschlaffen und die Durchblutung immer schwächer wird. Die Haut am ganzen Körper wird zunehmend blass und fleckig. Der Mund bleibt offen stehen, Augen und Wangen sinken ein, die Haut um Mund und Nase wird besonders blass. Dieses sogenannte Todesdreieck ist neben dem veränderten Körpergeruch, dem Hungerverlust und dem Dämmerzustand das vierte und letzte recht sichere Anzeichen, dass der Tod bald eintreten wird. Zu diesem Zeitpunkt arbeiten auch Leber und Niere meist nicht mehr, sodass Giftstoffe im Körper bleiben.
Schließlich lassen auch die Reflexe nach. Die Pupillen reagieren nicht mehr. Sterbende verlieren endgültig die Kontrolle über Wasserlassen und Stuhlgang. Atmung und Herzschlag setzen immer wieder aus. Schließlich stellen Herz, Lunge und Gehirn ihre Arbeit final ein.
Der Todeszeitpunkt
Interessanterweise sterben viele Menschen, wenn gerade kurz niemand im Raum ist. Genau in den fünf Minuten, in denen man es wagt, nun doch einen Kaffee zu holen oder auf die Toilette zu gehen, hauchen nicht wenige Sterbende ihr Leben aus. Eine Erklärung dafür gibt es bisher nicht. Aber vermutlich fällt es den meisten Menschen – selbst im Dämmerzustand kurz vor dem Sterben – leichter, genau dann das Leben loszulassen, wenn sie allein sind. Es wird vermutet, dass der Mensch doch noch einen kleinen Rest Kontrolle behält, wann er wirklich geht.
Du solltest Dir auf keinen Fall einen Vorwurf machen, wenn das passiert! Wichtig sind die Fürsorge und die gemeinsame Zeit in den letzten Tagen und Stunden, nicht in der letzten Minute. Manche Palliativkräfte empfehlen sogar, dass Angehörige und Freunde die sterbende Person ab und zu mal für einige Minuten allein lassen sollten, damit diese gehen kann, wenn sie es nicht schafft, solange jemand daneben sitzt. Wie genau die letzten Minuten ablaufen, ist – genau wie der Lebensweg jedes Einzelnen – höchst individuell.
Gut zu wissen: Auch nach dem Tod kann es noch zu Darmgeräuschen und Entleerungen von Blase oder Darm kommen, die durch die Muskelentspannung ausgelöst werden. Auch Zuckungen sind noch vereinzelt möglich. Das kann irritierend wirken. Wenn ein Arzt oder eine Ärztin den Tod festgestellt hat, ist aber davon auszugehen, dass der Mensch wirklich gestorben ist.
Bevor es soweit ist, kannst Du als Angehöriger aber noch einiges tun, um die letzte Lebenszeit möglichst angenehm zu gestalten. Darum geht es bei palliativer Unterstützung.
