Übersicht: Digitale Vorsorge
Nutzt Dein Angehöriger digitale Dienste? Selbst wenn es nur eine Mail-Adresse ist, sollte irgendwo der Zugang zum Konto hinterlegt sein. Sobald jemand einen Online-Dienst verwendet, wird digitale Vorsorge wichtig. Dazu erstellt Ihr am besten zusammen eine Liste mit allen Online-Konten und den zugehörigen Passwörtern. Außerdem sollte Dein Angehöriger eine Vollmacht erteilen, dass Du den Zugang zu den Konten kennen und benutzen darfst. Das kann Euch im Bedarfsfall viel Ärger ersparen.
Digitales Leben
Vermutlich finden so einige Lebensbereiche von Dir ganz oder teilweise digital statt. Wie ist das bei Deinem Familienmitglied mit Pflegebedarf? E-Mail, Messenger, Online-Banking, Krankenkasse, Versicherungen, Energieversorger, Rentenversicherung, Steuer: Wenn Dein Angehöriger zu nur einem davon einen digitalen Zugang hat, solltet Ihr Euch Gedanken über digitale Vorsorge machen. Denn im Ernstfall können Probleme auflaufen, wenn niemand Zugriff auf die Online-Benutzerkonten hat.
Probleme ohne Zugang
Wenn Dein Angehöriger sich nicht mehr selbst einloggen kann, sei es vorübergehend oder dauerhaft, kann das schnell zu Stress führen. Angefangen bei unbezahlten Rechnungen, von denen keiner weiß, bis hin zu Rechnungen, von denen Ihr in der Familie zwar wisst, die aber keiner bezahlen kann, weil niemand die Zugangsdaten für das Online-Banking hat.
Vielleicht musst Du auch bestehende Verträge kündigen, etwa für Strom oder Telefon. Das muss nicht erst im Todesfall nötig werden, sondern ist häufig schon dann der Fall, wenn jemand stürzt, eine Weile im Krankenhaus behandelt wird und dann in ein Pflegeheim umzieht. In solchen Lebensphasen sind Betroffene häufig erstmal verwirrt und können sich mitunter nicht mehr an ihre Passwörter erinnern. Angehörige wie Ehepartner oder erwachsene Kinder haben dann weder Recht noch Möglichkeit, auf die Benutzerkonten zuzugreifen. Ohne digitale Vorsorge geht das erst im Todesfall nach Vorlage eines Erbscheins.
Unser Tipp: Sprecht frühzeitig miteinander, welche digitalen Konten es gibt und wie damit umgegangen werden soll. Das kann Euch viel Ärger ersparen.
Vertrauensperson
Überlegt Euch, wer im Ernstfall die Vertrauensperson sein kann, die sich um die digitalen Konten kümmert. Diese Person sollte technisch versiert sein, einen Überblick über die Konten haben und zuverlässig organisieren können. Es muss nicht zwingend ein Familienmitglied sein und auch nicht unbedingt die Person, die die Pflege übernimmt. Es kann sogar Vorteile haben, wenn sich unterschiedliche Menschen um verschiedene Lebensbereiche kümmern, damit sich niemand überfordert fühlt.
Die Person fürs Thema Digitales sollte eine schriftliche Vollmacht bekommen, die den Zugang zu digitalen Konten regelt. Damit ist im Grunde auch gleich der digitale Nachlass im Todesfall geregelt.
Vollständige Liste
Erstellt gemeinsam eine ausführliche Liste aller Online-Konten mit Passwörtern und sonstigen wichtigen Informationen, zum Beispiel Kundennummern. Je nachdem, wie viele Konten Dein Angehöriger hat, kann das eine Weile dauern und erfordert etwas Fleiß. Aber es lohnt sich.
Unser Tipp: Bei der Gelegenheit empfiehlt es sich auszumisten. Alte Konten, die niemand mehr nutzt, könnt Ihr löschen. Bedenkt dabei, immer das gesamte Benutzerkonto zu löschen und nicht nur die App oder den Newsletter.
Es gibt mehrere Möglichkeiten, eine solch sensible Liste sicher zu erstellen und aufzubewahren. Das reicht von einem von Hand geführten Notizbüchlein bis hin zu Internet-Tools. Du willst Dich genauer informieren und wünschst Dir konkrete Vorschläge? Dann lies weiter in unseren ausführlicheren Themenartikeln “Digitale Vorsorge“ und "Digitaler Nachlass".

