Demenz-Erkrankungen verstehen

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Dein Angehöriger kann sich zunehmend weniger Dinge merken oder wirkt häufig zerstreut? Das kann zwar in der Tat ein Hinweis auf eine Demenz sein, muss es aber nicht. Es gibt jedoch konkretere Anzeichen für eine Erkrankung, die Du kennen solltest, um reagieren zu können. Denn obwohl sie bislang nicht heilbar sind, ist eine möglichst frühzeitige Diagnose wichtig, um dem Krankheitsverlauf zumindest ein wenig entgegenwirken zu können.

Das Wichtigste in Kürze

  • Alzheimer ist die häufigste Demenz-Erkrankung, gefolgt von vaskulärer Demenz. Bei solchen sogenannten primären Demenz-Formen sterben im Gehirn Nervenzellen ab.
  • Auch Stress, Medikamente oder Depressionen können Ursachen für Vergesslichkeit sein. Dann sprechen Fachleute von sekundären Demenz-Formen.
  • Vergisst Dein Angehöriger manchmal Namen oder Termine, die ihm später wieder einfallen, ist das meist nur eine Alterserscheinung. Fällt es ihm aber zunehmend schwer, sich zu orientieren oder Jahreszeiten zu unterscheiden, könnte das für eine Demenz sprechen.
  • Eine frühzeitige Diagnose ist wichtig, um gut reagieren und den Verlauf verlangsamen zu können.

Ein Begriff für viele Symptome

In Deutschland leben rund 1,8 Millionen Menschen mit Demenz. Das Risiko, daran zu erkranken, steigt mit zunehmenden Alter. Übersetzt bedeutet der Begriff so viel wie „weg vom Geist“ oder „ohne Geist“. Damit ist ein typisches Merkmal benannt: Bei Demenz verschlechtern sich die geistigen Fähigkeiten zunehmend.

Zu Beginn betrifft es meist Merkfähigkeit und Kurzzeitgedächtnis. Mit der Zeit lässt auch das Langzeitgedächtnis nach. Erworbene Fähigkeiten gehen nach und nach verloren. Im Alltag kann sich das etwa so zeigen, dass Dein Angehöriger sich nicht mehr zeitlich und räumlich orientieren kann oder immer mehr vergisst.

Erste Anzeichen für eine Demenz

Aber ab wann handelt es sich nicht bloß um normale Alterserscheinungen, sondern um Demenz? Worauf Du im Alltag achten kannst:

Vergesslichkeit

Ein Hauptsymptom für Alzheimer sind Beeinträchtigungen des Kurzzeitgedächtnis, die sich auf den Alltag auswirken. Hinweise darauf sind etwa, wenn Dein Angehöriger:

  • öfters wichtige Termine vergisst,
  • den Herd nach dem Kochen nicht ausstellt oder
  • den Alltag nur noch mit Merkzetteln bewältigen kann.

Aber: Vergisst Dein Angehöriger mal einen Namen oder Termin, der ihm später wieder einfällt, handelt es sich vermutlich nur um eine Alterserscheinung. Hand aufs Herz: Das kann jedem mal passieren.

Konzentrationsprobleme

Menschen mit Demenz haben oft Schwierigkeiten, sich länger zu konzentrieren und vorausschauend zu planen. Stutzig solltest Du werden, wenn Dein Angehöriger:

  • für einfache, vertraute Tätigkeiten plötzlich sehr viel länger als früher braucht,
  • Routineaufgaben als Herausforderung empfindet,
  • beim Kochen oder Backen Probleme hat, obwohl es um ein altbekanntes Rezept geht oder
  • die Regeln von seinem Lieblingsspiel plötzlich nicht mehr weiß.

Aber: Dass ältere Menschen manchmal überfordert reagieren oder etwas zerstreut wirken, wenn viele Dinge gleichzeitig passieren, gehört zu typischen altersbedingten Veränderungen. Und bittet Dein Angehöriger Dich bei ungewohnten Tätigkeiten um Hilfe, ist das völlig in Ordnung.

Orientierungsschwierigkeiten

Demenzkranke haben oft Probleme, Zeitabläufe oder Orte richtig einzuordnen. Das zeigt sich beispielsweise so:

  • Im Sommer will Dein Angehöriger eine warme Winterjacke anziehen.
  • Es fällt ihm schwer, die Uhrzeit richtig zu lesen oder das Jahr zu bestimmen.
  • Dein Angehöriger weiß in seiner Straße nicht mehr genau, wie er nach Hause kommt.
  • Er legt Gegenstände an seltsamen Orten ab. Du findest dann etwa die Autoschlüssel im Blumenkasten oder die Schuhe im Kühlschrank.

Aber: Sei nicht beunruhigt, wenn Dein Angehöriger mal einen Wochentag verwechselt oder ein Datum nicht mehr weiß. Es ist auch normal, wenn ältere Menschen ab und an Gegenstände verlegen und sie dann wieder finden.

Sprachschwierigkeiten

Menschen mit Demenz fällt es oft schwer, Gesprächen zu folgen oder sich daran zu beteiligen. Aufmerksam solltest Du werden, wenn Dein Angehöriger:

  • Sätze häufig wiederholt,
  • Wortfindungsprobleme hat oder schräge, unpassende Formulierungen wählt oder
  • in einem Gespräch immer wieder den Faden verliert.

Aber: Es ist völlig in Ordnung, wenn Deinem Angehörigen ab und an nicht das richtige Wort einfällt. Fragt Dein Angehöriger häufig nach, kann die Ursache dafür auch ein schlechtes Gehör sein.

Unser Tipp: Lasst Regelmäßigkeit die Hörfähigkeit prüfen. Wird sie schlechter, sollte Dein Angehöriger ein Hörgerät nutzen. Das beugt einer Demenz sogar vor.

Sozialer Rückzug

Wenn Demenzkranke Veränderungen an sich wahrnehmen, sind sie oft verunsichert. Dann kann es zu Verhaltensveränderungen kommen. Hinweise auf eine Demenz sind, wenn Dein Angehöriger:

  • sich zunehmend zurückzieht und immer weniger Kontakt mit anderen Menschen haben will,
  • seine Hobbys und seinen Sport vernachlässigt oder
  • immer weniger Eigeninitiative zeigt und keine Ideen für schöne Aktivitäten mehr hat.

Aber: Dass ältere Menschen weniger Programm und mehr Ruhe wollen, ist völlig verständlich. Genauso kann es vorkommen, dass sie sich manchmal überfordert fühlen und eine Pause brauchen.

Verhaltensänderungen

Demenz kann die Persönlichkeit verändern. Aufmerksam solltest Du werden, wenn Dein Angehöriger:

  • starke Stimmungsschwankungen hat oder auf Neues sehr misstrauisch reagiert,
  • unverhältnismäßig ängstlich, wütend oder aggressiv reagiert,
  • sich hilflos oder traurig fühlt oder
  • sich sehr unruhig verhält.

Aber: Kommt es zu einer Irritationen oder Unmut, weil sich ein gewohnter Ablauf verändert, ist dies oft eine altersbedingte Erscheinung.

Tritt eines oder mehrere der genannten Anzeichen wiederholt auf, solltest Du die Ursache unbedingt ärztlich abklären lassen. Der Hausarzt ist dafür der erste Ansprechpartner.

Vom ersten Verdacht bis zur Diagnose

Wenn Dir Veränderungen bei Deinem Angehörigen auffallen, solltest Du die Situation zunächst beobachten und Dir Notizen machen: Was konkret ist anders? Seit wann und wie häufig,? Sprich Deinen Angehörigen liebevoll darauf an, ohne Vorwürfe zu machen. Am besten sind beschreibende Formulierungen wie etwa: „Mir ist aufgefallen, dass...“. Geht danach gemeinsam zum Hausarzt – je schneller, umso besser. So könnt Ihr frühzeitig die Ursachen abklären und Hilfe erhalten.

Die Diagnose läuft meist schrittweise ab:

  • Anamnese: Bei dem Gespräch geht es um Vorerkrankungen und Medikamente Deines Angehörigen, Deine Beobachtungen und Notizen sowie um konkrete Beschwerden.
  • Kognitive Tests: Sie helfen, Stimmung, Gedächtnis und Konzentrationsfähigkeit Deines Angehörigen zu überprüfen.
  • Körperliche Untersuchungen: Dazu gehören unter anderem Seh- und Hörtests sowie eine Blutuntersuchung, um andere behandelbare Ursachen auszuschließen.
  • Bildgebende Verfahren: Bei Bedarf kann es sein, dass das Gehirn Deines Angehörigen genauer untersucht wird, beispielsweise mit Hilfe von MRT, CT oder PET.
  • Facharzt: Dann kann eine Überweisung an einen Spezialisten folgen, um eine mögliche Demenz-Diagnose weiter abzuklären. Denn es gibt verschiedene Formen der Erkrankung.

Demenz-Formen unterscheiden

Fachleute verstehen unter Demenz ein Muster von Symptomen mit verschiedenen Ursachen und unterscheiden zwischen primären und sekundären Formen.

Primäre Demenzen

Bei primären Demenzen werden die Symptome durch den Verlust von Nervenzellen im Gehirn verursacht. Dazu gehören:

  • Alzheimer: Liegt bei 60 bis 70 Prozent aller Demenz-Erkrankungen vor. Die Krankheit beginnt oft mit zunehmender Vergesslichkeit. Später kommen Probleme bei Orientierung, Sprache und einfachen Tätigkeiten hinzu. Grob erklärt kannst Du Dir Alzheimer so vorstellen: Schädliche Eiweißablagerungen im Gehirn führen dazu, dass im Laufe der Zeit immer mehr Nervenzellen absterben. Ist der Schaden zu groß, kann sich dies unter anderem negativ auf Wahrnehmung, Denken und Gedächtnis auswirken.
  • Vaskuläre Demenz: Nach Alzheimer mit etwa 15 Prozent aller Demenz-Erkrankungen die zweithäufigste Form. Oft führen Durchblutungsstörungen im Gehirn zum Absterben der Zellen. Die Symptome, etwa Probleme beim Planen und Konzentrieren, treten schubweise auf. Mal wirkt der Patient stabil, dann deutlich eingeschränkt. Das Denken ist verlangsamt. Es gibt Sprachschwierigkeiten und Stimmungsschwankungen.
  • Frontotemporale Demenz: Kommt selten vor, betrifft aber bereits Menschen ab 50 Jahren. Bei dieser Form sterben Nervenzellen im Stirn- und Schläfenlappen ab. Dadurch kommt es zu Veränderungen bei Sprache, Verhalten und Persönlichkeit. Patienten können von enthemmt bis teilnahmslos sein.
  • Morbus Parkinson: Zeigt sich oft durch verlangsamte Bewegungen, Muskelsteifigkeit und das charakteristische Zittern. Später können Konzentrationsprobleme und depressive Verstimmungen hinzukommen.
  • Lewy-Körperchen-Demenz: Führt zu lebhaften visuellen Halluzinationen sowie zu starken Schwankungen darin, wie aufmerksam und wach die Patienten sind. Später kommen Verwirrtheit und ähnliche Bewegungsprobleme wie bei Parkinson hinzu.

Häufig gibt es auch Mischformen. Primäre Demenzen gelten bislang als nicht heilbar. Die gute Nachricht ist aber: Den Ausbruch kannst Du bei Deinem Angehörigen möglichweierweise verzögern und das Fortschreiten verlangsamen. Mehr dazu kannst Du in unserem Artikel „Demenz vorbeugen“ nachlesen.

Sekundäre Demenzen

Sekundäre Demenzen sind meist eine Folge anderer Krankheiten, etwa von Stoffwechselerkrankungen oder einer Depression. Anders als Alzheimer und viele Demenz-Formen lässt sich eine Depression sehr gut behandeln. Auch Vitaminmangel oder Medikamenteneinwirkung können ein Auslöser sein. Sekundäre Demenz kommt seltener vor – etwa bei einem von zehn Demenzkranken.

Gut zu wissen: Auch Flüssigkeitsmangel kann eine Ursache für Symptome wie Verwirrtheit sein. Prüfe, ob Medikamente Deines Angehörigen entwässernd wirken, denn dann braucht er eventuell mehr Flüssigkeit.

Wird eine sekundäre Demenz diagnostiziert und deren Ursache erkannt, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass sich die Hirnfunktion Deines Angehörigen mit der richtigen Behandlung wieder verbessert.

Unser Tipp: Auf der Internetseite der Deutschen Alzheimer Gesellschaft findest Du eine Karte, auf der Du in Deiner Nähe nach Hilfe suchen kannst, etwa in Form von Beratung, Selbsthilfegruppe oder einer Gedächtnissprechstunde.

Hat Dein Angehöriger eine Demenz-Diagnose erhalten, findest Du in unserem Artikel „Mit Demenz leben“ Anregungen, wie Du Euer Zusammenleben einfacher gestalten kannst.

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