Demenz vorbeugen
Die meisten Formen von Demenz sind bislang nicht heilbar. Doch es gibt einige Stellschrauben, die den Ausbruch der Krankheit hinauszögern oder sogar verhindern können. Mögliche Risikofaktoren zu kennen, ist eine gute Basis. Mit diesen Tipps kannst Du Deinen zu pflegenden Angehörigen darin unterstützen, einer Demenz-Erkrankung vorzubeugen und manches, wenn Du magst, auch direkt selbst umsetzen.
Das Wichtigste in Kürze
- Bestimmte Faktoren beeinflussen, ob und wann eine Demenz entsteht und wie schnell sie voranschreitet.
- Wer die Faktoren kennt, kann einer Demenz vorbeugen oder zumindest den Verlauf der Krankheit verlangsamen.
- Gute Gegenmittel sind: regelmäßige körperliche wie geistige Aktivität, ausgewogene Ernährung, ausreichend Schlaf sowie soziale Kontakte.
- Ebenfalls wichtig ist es, bestimmte Erkrankungen und Einschränkungen gut zu behandeln, um das Gehirn nicht unnötig zu belasten. Dazu gehört auch: Hörgerät und Brille tragen.
- Bestimmte Vorsorge-Untersuchungen können ebenfalls zur Demenz-Prävention beitragen.
Prävention lohnt sich
Die meisten Formen der Demenz sind bislang nicht heilbar, doch es gibt stichhaltige Ansatzpunkte zur Vorbeugung. Die Forschung konnte mittlerweile mehrere Risikofaktoren identifizieren. Je mehr davon zusammenkommen, desto stärker erhöht sich das Demenz-Risiko. Die gute Nachricht ist: Bis auf wenige Ausnahmen wie das Alter oder spezielle genetische Faktoren lassen sich die meisten Risikofaktoren beeinflussen.
Gut zu wissen: Würden alle 14 belegten Risikofaktoren ausgeräumt, könnten bis zu 45 Prozent aller Demenz-Erkrankungen verhindert oder zumindest deutlich verzögert werden. Das schreibt die Deutsche Alzheimer Gesellschaft mit Verweis auf eine im medizinischen Fachblatt „The Lancet“ erschienene Studie.
Faktoren positiv beeinflussen
Durch die richtige Prävention kannst Du Dich und Deinen Angehörigen aktiv vor einer Demenz-Erkrankung schützen. Positive Auswirkungen haben etwa:
- geistige Fitness und Bildung
- soziale Kontakte
- Bewegung
- ausgewogene Ernährung
- ausreichend Schlaf
Gesunder Geist
Erholung ist gut. Das Gehirn will aber auch regelmäßig gefordert werden, damit es lange leistungsfähig ist. Bleiben Demenz-Patienten in einem frühen Stadium geistig aktiv, treten Alzheimer-Symptome nachweislich später auf. Denn dann können andere Bereiche im Gehirn übernehmen, wenn aufgrund der Erkrankung Nervenzellen absterben.
Das Schöne ist: Das Gehirn ist bis ins hohe Alter lernfähig. Bleibt also neugierig. Am besten trainiert Ihr geistige Fitness, indem Ihr etwas Neues lernt. Das kann eine Sprache sein oder ein Musikinstrument, Stricken, Häkeln oder Fotografieren. Trefft Verabredungen mit Freunden zum Sporttreiben, Basteln, Malen, Schach, Karten- und anderen Gesellschaftsspielen oder zu Konzertbesuchen. Denn soziale Kontakte und der regelmäßige Austausch mit anderen Menschen helfen zusätzlich, den Geist zu stimulieren.
Gut zu wissen: Kreuzworträtsel lösen reicht in der Regel nicht aus. Nach einigen Durchgängen weiß der Kopf, welche Wörter gesucht werden. Auch Fernsehen bietet zwar Input, fällt aber nicht unter die Kategorie geistige Aktivität.
Bewegung
Durchblutungsstörungen gehören zu den typischen Ursachen für viele Demenz-Formen. Regelmäßige Bewegung beugt vor, denn körperliche Aktivität fördert die Durchblutung und stärkt die Nervenzellen. Oft können sie sich dadurch sogar wieder neu ausbilden. Bewegung schützt also das Gehirn, hält es länger leistungsfähig und kann sogar die geistigen Fähigkeiten wieder verbessern.
Fachleute empfehlen mindestens 7000 Schritte am Tag oder 150 Minuten moderate Bewegung pro Woche. Schon ein ausgedehnter Spaziergang ist ein Anfang – 30 Minuten entsprechen etwa 3000 Schritten. Ideal ist eine Kombination aus Kraft- und Ausdauertraining. Entscheidend ist aber, sich überhaupt zu bewegen.
Unser Tipp: Baut Bewegung aktiv in den Alltag ein. Die Zeit, die Ihr vielleicht auf der Treppe länger braucht als mit dem Aufzug, zahlt sich mit längerer Gesundheit aus.
Buntes Essen
Wer ausgewogen isst, erkrankt nachweislich seltener an Alzheimer. Ausreichend zu trinken ist ebenfalls wichtig. Am besten funktioniert das Gehirn, wenn es alle benötigten Nährstoffe bekommt. Die sogenannte mediterrane Ernährung ist eine gute Orientierung. Sie ist reich an Obst und Gemüse, Vollkornprodukten, Nüssen, Fisch und ungesättigten Fettsäuren. Es geht nicht um Superfood. Die Hauptsache ist, Euer Essen ist frisch, vielfältig und bunt.
Gut zu wissen: Pflanzen erhalten ihre Farbe durch sogenannte Polyphenole und diese Pflanzenstoffe steigern auch die Abwehrfähigkeiten des Gehirns.
Ausreichend Schlaf
Experten empfehlen mindestens sieben bis acht Stunden Schlaf. Besonders wichtig sind die Tiefschlafphasen. Denn in dieser Zeit baut das Gehirn schädliche Ablagerungen ab. Kann es sogenannte Oligomere, also verklumpte Eiweißmoleküle, nicht richtig entsorgen, kann dies auf Dauer zu Schädigungen führen. Langanhaltende Schlafstörungen können daher das Demenz-Risiko erhöhen. Umgekehrt können sie aber auch eine Folge von Demenz-Erkrankungen sein.
Unser Tipp: Hat Dein zu pflegender Angehöriger drei Mal pro Woche oder öfter Schlafstörungen und halten diese länger als vier Wochen an? Dann solltet Ihr die Ursachen dafür ärztlich abklären lassen und möglichst beheben.
Risiken vermeiden
Bestimmte Risikofaktoren für eine Demenz-Erkrankung könnt Ihr vermeiden oder solltet sie, wenn nötig, behandeln lassen. Dazu gehören:
- Schwerhörigkeit und Sehschwäche
- Rauchen sowie Alkohol- und Drogenkonsum
- starkes Übergewicht
- Kopfverletzungen
- Depressionen
- Bluthochdruck, Cholesterin, Diabetes
Schwerhörigkeit und Sehschwäche
Oft beginnt es mit Mitte 40, dass das Sehen in der Nähe schwerer fällt. Und ab Mitte 50 lässt bei vielen Menschen das Hörvermögen langsam nach. Doch diese normale Entwicklung solltet Ihr nicht einfach hinnehmen. Denn eine unkorrigierte Sehschwäche beziehungsweise Schwerhörigkeit kann das Risiko einer Demenz deutlich erhöhen.
Mit Hör- oder Sehproblemen lassen sich akustische beziehungsweise optische Reize schlechter verarbeiten. Häufig vermeiden Betroffene aus Unsicherheit auch soziale Kontakte und ziehen sich immer mehr zurück. Die Folge: Das Gehirn wird immer weniger gefordert.
Unser Tipp: Regelmäßige Kontrollen beim Optiker oder Augenarzt helfen, Augenerkrankungen frühzeitig zu erkennen. Das Hörvermögen könnt Ihr in einer HNO-Praxis oder bei einem Hörgeräte-Akustiker kostenfrei testen lassen.
Wenn nötig, nutzt Hörgeräte und Brillen. Wer wieder gut sieht und auch feine akustische Signale wahrnimmt, kann Gesprächen besser folgen. Der Kopf bleibt aktiv und die geistige Leistungsfähigkeite länger erhalten.
Gut zu wissen: Gerade bei Schwerhörigkeit solltet Ihr nicht zu lange warten. Sonst wird es immer schwieriger, Defizite mit einem Hörgerät zu korrigieren.
Rauchen und Alkohol
Durchs Rauchen verschlechtert sich die Sauerstoffversorgung im Gehirn, Blutgefäße werden geschädigt und es kann zu Durchblutungsstörungen kommen. Das wiederum kann Alzheimer sowie vaskuläre Demenz begünstigen. Egal, wie alt Dein zu pflegender Angehöriger ist: Es ist nie zu spät, mit dem Rauchen aufzuhören.
Unser Tipp: Fragt in der Hausarztpraxis nach Methoden zur Raucher-Entwöhnung. Manche Programme bezahlt sogar die Krankenkasse.
Auch übermäßiger Alkoholkonsum schädigt das Gehirn. Immer mehr Forschende gehen sogar davon aus, dass es "keinen nicht-schädlichen Alkoholkonsum" gibt. Selbst die gesunden Polyphenole in Rotwein gleichen die schädlichen Effekte nicht aus. Wie so oft gilt: Die Dosis macht das Gift. Und je weniger Gift, desto besser fürs Gehirn.
Übergewicht
Deutliches Übergewicht gehört ebenfalls zu den belegten Risikofaktoren einer Demenz-Erkrankung. Ein abwechslungsreicher Speiseplan in Kombination mit Bewegung hilft, diesen Risikofaktor zu reduzieren.
Gut zu wissen: Bei Menschen über 65 Jahren liegt der als optimal geltende Body Mass Index (BMI) mit 26 bis 30 etwas über dem klassischen Normalgewicht. Vermutlich bieten die zusätzlichen Pfunde als Energiereserve einen Puffer bei Krankheiten. Bei starkem Übergewicht mit einem BMI jenseits der 30 löst sich dieser Schutzeffekt wieder auf.
Kopfverletzungen
Schwere und wiederholte Kopfverletzungen können auch noch später negative Auswirkungen auf das Gehirn haben. Es ist daher vernünftig, etwa beim Fahrradfahren einen Helm zu tragen und das Sturzrisiko im Alltag zu senken.
Depressionen
Anzeichen für eine Depression können den Symptomen einer frühen Alzheimer-Erkrankung ähneln. Dazu gehört zum Beispiel, häufig wenig Antrieb zu haben, sich schlecht konzentrieren zu können oder unter Gedächtnisproblemen zu leiden. Eine frühe Diagnose ist wichtig. Denn die mit einer Depression einhergehenden Verhaltensänderungen können das Demenz-Risiko zusätzlich verstärken, etwa wenn sich jemand immer mehr zurückzieht und das Gehirn so immer weniger Input bekommt. Eine Depression solltet Ihr unbedingt ärztlich abklären und behandeln lassen. Die Heilungschancen sind auch in höherem Alter sehr gut.
Stoffwechsel-Erkrankungen
Bluthochdruck, Altersdiabetes und ungünstige Cholesterinwerte gelten nicht nur als potenzielle Risikofaktoren für Schlaganfall und Herzinfarkt, sondern stehen auch im Verdacht, mit der Entstehung von vaskulärer Demenz und Alzheimer zusammenzuhängen. Daher solltet Ihr diese Werte im Auge behalten und regelmäßig ärztlich kontrollieren lassen. Gegen diese typischen Stoffwechsel-Erkrankungen im Alter kann eine ausgewogene Ernährung helfen, vor allem aber – wie so oft – ausreichend Bewegung.
Du willst Dich genauer über Demenz informieren? Dann lies weiter in unseren Artikeln „Demenz-Erkrankungen verstehen“ und „Leben mit Demenz“.
