Header image of Leben mit Demenz

Dein Angehöriger hat Demenz. Diese Nachricht musstest Du sicherlich erst einmal verdauen und bist unsicher, was mit dieser Diagnose nun auf Euch zukommt. Geduld und feste Routinen sind jetzt besonders wichtig. Wir geben Dir Ratschläge, was Euch helfen kann, damit der Alltag lange lebenswert bleibt.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Diagnose Demenz ist ein Wendepunkt, aber kein Endpunkt.
  • Passe Dein Verhalten an die Bedürfnisse Deines Angehörigen an. Feste Routinen, einfache Worte, liebevolle Gesten, viele Wiederholungen sowie Geduld helfen dabei.
  • Sichere die Wohnung ab und identifiziere Gefahrenquellen, die Du abschalten kannst.
  • An Demenz Erkrankte zu pflegen, kann ein Fulltime-Job werden und auch emotional anstrengend sein. Organisiere Dir Hilfe von außen und plane genügend Auszeiten ein.

Auswirkungen auf den Alltag

Plötzlich liegen in der Wohnung Gegenstände an ungewöhnlichen Orten oder Dein Angehöriger reagiert immer öfters wütend und überfordert. Kennst Du das? Irgendwann ist klar, bei den Verhaltensveränderungen handelt es sich nicht um Alterserscheinungen, sondern um Demenz. Die Erkrankung kann je nach Form sehr unterschiedlich sichtbar und spürbar sein. Die Bandbreite der Symptome und typischen Probleme erstreckt sich über:

  • Verwirrtheit und Vergesslichkeit,
  • Verlegen und Verstecken von Gegenständen,
  • Probleme bei der räumlichen und zeitlichen Orientierung,
  • übermäßiges Horten von Lebensmitteln,
  • Scham und Wut, weil die Fähigkeiten nachlassen,
  • Angst vor der Zukunft.

Medizinische Hilfe

Es gibt verschiedene Ansatzpunkte, wenn Dein Angehöriger eine Demenz-Diagnose hat. Medikamente können Gedächtnisprobleme sowie Begleitsymptome wie Unruhe, Depression oder Halluzinationen lindern. Je nach Demenz-Form können Ärzte Unterschiedliches verordnen, bei Alzheimer oder Lewy-Körperchen-Demenz etwa Memantin oder Acetylcholinesterase-Hemmer. Bei vaskulärer Demenz stehen dagegen die Behandlung von Risikofaktoren wie Bluthochdruck und Diabetes im Vordergrund.

Auch Präventionsmaßnahmen wie Bewegung, soziale Kontakte sowie Gedächtnistraining können zum Teil helfen, den Krankheitsverlauf zu verlangsamen. Es geht darum, Fähigkeiten zu erhalten und die Lebensqualität zu steigern. Für ausführliche Informationen dazu lies unseren Artikel „Demenz vorbeugen“.

Guten Umgang finden

Dennoch ist Demenz meist bislang nicht heilbar. Und so traurig es ist, das Krankheitsbild wird sich in der Regel nicht verbessern. Aber auch wenn Demenz ein Wendepunkt ist: Ein lebenswertes Miteinander ist weiterhin möglich. Ihr könnt gemeinsam überlegen, wie Ihr den Alltag Deines Angehörigen nach der Demenz-Diagnose gestalten könnt, damit Ihr möglichst lange entspannt Euer Leben teilen könnt. Dazu gibt es eine ganze Reihe an Punkten. Ein kleiner Überblick:

  • Wissen aneignen: Je besser Du die Krankheit verstehst, umso besser kannst Du damit umgehen. Es ist wichtig, dass Du Dich über Demenz informierst. Zumal sich die verschiedenen Formen unterschiedlich auf Euren Alltag auswirken können. Lies dazu zum Beispiel unseren Artikel „Demenz-Erkrankungen verstehen“.
  • Geduldig bleiben: Zugegeben, es ist nicht einfach, wenn Du Aussagen ständig wiederholen musst. Aber denk daran, dass Dein Angehöriger Dich nicht ärgern will. Vergesslichkeit gehört zum Krankheitsbild. Am besten wiederholst Du wichtige Sätze geduldig.
  • Sprache anpassen: Kommunikation wird für Deinen Angehörigen im Laufe der Demenz immer schwieriger. Bei Eurem Austausch solltest Du eine einfache Sprache wählen. Es hilft wenig, Konflikte auszudiskutieren. Es spielt auch keine Rolle, wer Recht hat. Wähle liebevolle Worte und versuche, Deinem Angehörigen ein Gefühl von Sicherheit zu vermitteln.
  • Körper einsetzen: Du wirst feststellen, dass Berührungen oft eine wichtigere Rolle einnehmen, mitunter beruhigend wirken und Deinem Angehörigen sehr wahrscheinlich gut tun. Gesten können helfen, Deine Aussagen zu unterstreichen. Du kannst etwa mit dem Kopf nicken, wenn Du „Ja“ sagst.
  • Gefühle einbeziehen: Je nach Demenz-Form kann dein Angehöriger vermehrt Wut, Ängste, Misstrauen oder Unruhe zeigen. Solche Emotionen solltest Du möglichst liebevoll begleiten. Manchmal kann es helfen, die Gefühle zu benennen und Verständnis zu äußern. Manchmal gelingt es, den Fokus auf andere Gefühle zu lenken, etwa mit Musik oder Humor.
  • Routinen entwickeln: Feste Plätze für Gegenstände sowie klare Tagesabläufe, etwa feste Essenszeiten, können Deinem Angehörigen helfen, sich im Alltag besser zurechtzufinden. Das gibt Sicherheit.
  • Anforderungen anpassen: Wählt überschaubare Aufgaben, die Dein Angehöriger Zuhause übernehmen kann. Dabei sollte es in erster Linie darum gehen, ihn einzubinden. Ob Dein Angehöriger die Aufgabe richtig und genau erfüllt, ist sekundär.
  • Wohnung anpassen: Beseitige Gefahrenquellen. Indem Du Teppiche entfernst und lose Kabel sicher verlegst, vermeidest Du Stolperfallen. Auch Sicherungen für den Herd zum Brandschutz und für die Haustür vor unkontrolliertem Verlassen des Hauses sind sinnvoll. Da Demenz-Patienten die Orientierung zunehmend schwer fällt, können Markierungen und farbige Merkzettel hilfreich sein. Du kannst etwa an die Küchenschränke gut sichtbare Zettel kleben, auf denen „Teller“ oder „Tassen“ steht oder entsprechende Symbole gemalt sind, und an die Toilettentür ein Klo-Schild hängen. Schau dazu auch in unsere „Checkliste: Alltagstipps bei Vergesslichkeit“.

Hilfe annehmen

Wenn Du einen Menschen mit Demenz zu Hause pflegst, kann dies zu einem 24-Stunden-Job werden. Denn viele Demenz-Patienten brauchen irgendwann auch nachts Betreuung. Im Laufe der Krankheit kann es außerdem passieren, dass sie versuchen wegzulaufen, oder sie reagieren zunehmend ängstlich oder aggressiv. Bei einigen Demenz-Formen verändert sich auch die Persönlichkeit. Menschen, die Demenz-Patienten begleiten, beschreiben dies häufig als einen schmerzhaften Abschied auf Raten. Das ist emotional belastend – und zwar für Dich und Deinen Angehörigen.

Im Laufe der Demenz musst Du meist immer mehr Aufgaben übernehmen, etwa Einkaufen, Körperpflege, Essensgabe und Medikamentenvorbereitung. Dein Angehöriger vergisst zunehmend wichtige Dinge, da seine Fähigkeiten nach und nach immer weiter nachlassen. Du solltest Dir Deine Kapazitäten gut einteilen.

Gut zu wissen: Das Gefühl, nicht allein zu sein, entlastet meist sehr. Selbsthilfegruppen ermöglichen Dir den Austausch mit anderen Menschen, die Demenz-Erkrankte pflegen. Neben praktischen Tipps für den Alltag bekommst Du oft auch emotionalen Halt.

Entscheidend ist, dass Du frühzeitig Unterstützung von außen annimmst und Dir rechtzeitig Hilfe organisierst. Die Bandbreite ist groß. Sie reicht von Hilfsmitteln, die die Kasse bezahlt, über seelischen Zuspruch bis hin zu praktischer Hilfe.

Plane Dir außerdem unbedingt regelmäßige Auszeiten ein und gönne Dir diese Pausen auch. Du kannst etwa andere Familienmitglieder oder Freunde mit ins Boot holen, Deinen Angehörigen zur Tagespflege bringen, eine Kurzzeitpflege organisieren oder einen ambulanten Pflegedienst für bestimmte Aufgaben buchen. Manches können professionelle Pflegekräfte besser übernehmen und so steigerst Du auch Deine eigene Belastbarkeit, damit sie langfristig erhalten bleibt. Mehr konkrete Ratschläge zum Thema Selbstfürsorge findest Du in unserer „Übersicht: Selbstfürsorge“.

Gut zu wissen: Hilfsangebote, Fachärzte, Beratung und vieles mehr findest Du zum Beispiel bei der Deutschen Alzheimer Gesellschaft und bei der Deutschen Demenzgesellschaft.

Haftungsfrage – sicher ist sicher

Wenn Du Dich um einen Angehörigen mit Demenz kümmerst, kannst Du nicht rund um die Uhr auf ihn aufpassen. Was gilt also, wenn er beispielsweise den Herd anlässt und so einen Brand auslöst? Oder wenn durch sein Verhalten anderen Leuten ein Schaden entsteht oder Dein Angehöriger verbotene Sachen macht?

Grundsätzlich hast Du nicht automatisch die Aufsichtspflicht, wenn Du Dich um Deinen Angehörigen mit Demenz kümmerst – auch dann nicht, wenn Du der gesetzliche Betreuer bist. Du solltest aber bei offensichtlichen Gefahren dennoch einschreiten. Sonst kannst Du unter Umständen doch haftbar gemacht werden. Menschen mit Demenz haften in der Regel nicht für Schäden, weil ihre geistigen Fähigkeiten sowie ihr Urteilsvermögen eingeschränkt sind. Sie gelten als nicht deliktfähig.

Damit im Fall der Fälle ein Schaden bezahlt werden kann, ist der Abschluss einer Privathaftpflichtversicherung absolut sinnvoll - für Dich und für Deinen Angehörigen. Achte auf gute Verträge, zum Beispiel mit Empfehlung von der Stiftung Warentest.

Unser Tipp: Bei einem Neuvertrag ebenso wie bei einem bestehenden Vertrag solltest Du abklären, ob es in der Haftpflichtversicherung eine Demenzklausel gibt. Bei der Hausratversicherung ist wichtig, dass grobe Fahrlässigkeit eingeschlossen ist. Zudem solltest Du prüfen, welche Schadenssumme abgedeckt ist. Wenn entsprechende Klauseln fehlen, kann es sonst teuer werden.

Auch strafrechtlich werden Demenz-Kranke häufig nicht verfolgt, wenn sie ihr Handeln nicht verstehen und ihre Krankheit bereits diagnostiziert wurde. Nimmt Dein Angehöriger zum Beispiel etwas im Supermarkt mit und vergisst zu bezahlen, wird er in der Regel nicht für Diebstahl bestraft – auch wenn er erwischt wird. Fällt Dir so etwas auf, bringst Du die Ware am besten zurück oder bezahlst sie im Nachhinein.

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