Stress: Wie entsteht er?

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Der moderne Alltag bringt häufig stressige Situationen mit sich, insbesondere bei einer Mehrfachbelastung durch Familie und Beruf. Wenn Du noch dazu einen Angehörigen pflegerisch unterstützt, kann sich das noch deutlich verstärken. Daher ist es hilfreich für Dich zu wissen, was genau Dich stresst und wie Du damit umgehst. Ein Schlüsselelement bildet dabei Deine innere Einstellung, denn im Grunde entsteht Stress im Kopf.

Das Wichtigste in Kürze

  • Ursprünglich macht Stress den Körper fit in Gefahrensituationen, was im modernen Alltag allerdings ungesund werden kann – insbesondere auf Dauer.
  • Chronischer Stress kann krank machen, zum Beispiel das Immunsystem schwächen, das Herz-Kreislauf-System schädigen oder zu Schlafstörungen und Depressionen führen.
  • Auch wenn wir es häufig anders empfinden: Stress entsteht eigentlich eher im Innen als im Außen. Die innere Einstellung trägt entscheidend dazu bei, wie sehr Du Situationen als belastend empfindest.
  • Das Stressempfinden ist individuell. Beobachte Dich und mache Dir bewusst, welche Alltagssituationen Dich besonders stressen.

Was ist eigentlich Stress?

Stress ist nichts grundsätzlich Schlechtes. Er bereitet den Körper in kritischen Situationen darauf vor, entweder zu kämpfen oder zu fliehen – die sogenannte Kampf-oder-Flucht-Reaktion. Die Ausschüttung der Stresshormone Adrenalin und Cortisol mobilisiert Energiereserven und verbessert so die Leistungsfähigkeit, körperlich wie geistig. Stress spornt zu Höchstleistungen an. Gesteuert wird dieser Mechanismus über das sogenannte vegetative Nervensystem.

Dieser Teil des Nervensystems kontrolliert diejenigen Körperfunktionen, die unbewusst ablaufen. Dazu gehören lebenswichtige Organfunktionen wie Atmung, Herzschlag und Verdauung. Die beiden Teile des vegetativen Nervensystems sind Sympathikus und Parasympathikus. Während der Sympatikus den Körper grundsätzlich für Leistung mobilisiert und dafür körperliche Reaktionen wie erhöhte Herzfrequenz, erweiterte Atemwege und gehemmte Verdauung anstößt, tritt der Parasympatikus sozusagen auf die Bremse. Er bringt nach dem Stress in die Erholung, senkt Puls und Blutdruck, fördert die Verdauung und unterstützt das Immunsystem.

Chronischer Stress

Was früher in der Menschheitsgeschichte durchaus überlebensnotwendig war, ist heutzutage höchstens in Ausnahmesituationen wahrhaft hilfreich. Wenn er dauerhaft anhält, Du also quasi permanent unter Strom stehst, kann Stress vielmehr zum gesundheitlichen Problem werden. Während also akuter Stress kein größeres Problem darstellt, verhält es sich mit chronischem ganz anders. Er macht krank, da er mit diversen körperlichen wie psychischen Folgen einhergehen kann, darunter:

  • ein geschwächtes Immunsystem
  • Verdauungsbeschwerden
  • Herz-Kreislauf-Probleme
  • Übergewicht
  • Kopfschmerzen
  • Schlafstörungen
  • Erschöpfung
  • Konzentrationsprobleme
  • Nervosität und Reizbarkeit
  • Stimmungsschwankungen bis hin zu Depressionen

Bist Du gestresst?

Manchmal ist es gar nicht so leicht, überhaupt zu bemerken, dass Du gestresst bist. Wenn Du ganz in Deinen Routinen bist, rauscht der Alltag nur so vorbei. Vielleicht bist Du müde und erschöpft, ohne dass Du realisierst, wie sehr Dich der Pflegealltag vereinnahmt und stresst. Insbesondere bei einer Mehrfachbelastung durch Beruf, Familie und Pflege mit Zeit- und Termindruck gerät man schnell in eine Mühle, in der man nur noch funktioniert – selbst wenn jeder einzelne Bereich Dir eigentlich wichtig ist und auch Freude bereitet.

Was genau Dich stresst, das kannst nur Du wissen. Stressempfinden ist individuell, denn jeder reagiert anders. Was die eine aus der Bahn wirft, entlockt dem anderen vielleicht nur ein müdes Lächeln. Daher ist wichtig, für Dich herauszufinden, was genau Deine persönlichen Stressauslöser sind. Beobachte Dich und mache Dir bewusst, was Du in Alltagssituationen als belastend empfindest.

Grundsätzlich gibt es vier Stressebenen:

Dein Körper: Es gibt messbare körperliche Reaktionen auf Stress. Ist Dein Puls erhöht oder erkennst Du typische Stressreaktionen wie Schweißausbrüche oder Zittern? Fühlst Du Dich körperlich schnell erschöpft oder angespannt?

Deine Gedanken: Machst Du Dir oft Sorgen? Hast Du häufig den Gedanken, dass Du das alles nicht schaffst oder dass Dir alles zu viel wird, oder drehen sich Deine Gedanken vielleicht ständig im Kreis?

Deine Gefühle: Fühlst Du Dich häufig überfordert oder ausgelaugt?

Dein Verhalten: Reagierst Du häufiger gereizt und ungeduldig oder arbeitest Du fahrig oder unkonzentriert?

Nimm Dir nach Möglichkeit mal ein paar Minuten Zeit, schnapp Dir Dein Lieblingsgetränk und notiere, was Dir dazu einfällt.

Die Stressfalle

Leistungsdruck, ein übersteigertes Pflichtgefühl, ungesunder Ehrgeiz und Perfektionismus können ebenso problematisch sein wie ein geringes Selbstwertgefühl, langes, ergebnisloses Grübeln oder das wiederholte Ausmalen von Horrorszenarien. Und auch indem Du Dich immer wieder über Dinge ärgerst, die Du nicht ändern kannst, befeuerst Du chronischen Stress.

Nur wer weiß, was ihn stresst, kann angemessen reagieren – am besten frühzeitig. Denn die beste Stressbewältigungsstrategie ist die, bei der der Stress gar nicht erst hochkocht. Was Dir helfen kann, ist dabei ebenso individuell wie Deine persönlichen Stressoren.

Um Deine persönlichen Stressoren und Stressreaktionen besser einschätzen zu können, notiere Dir, was genau Dich gestresst hat und wie Du damit umgegangen bist. Am besten machst Du das regelmäßig, beispielsweise am Feierabend oder jeden Abend zum Abschluss des Tages. So bekommst Du ein klareres Bild.

Unser Tipp: Es tut nicht gut, mit stressigen Gedanken ins Bett zu gehen. Wenn Du Deine Stressoren des Tages notiert hast, nimm Dir unbedingt anschließend noch die Zeit, über drei schöne Momente des Tages nachzudenken, die Dir gut getan haben.

Stress managen

Wenn Du weißt, was Dich stresst, kannst Du dagegen angehen. Wie das gelingen kann, erklärt unser Artikel „Stressmanagement im Pflegealltag“. Du wünschst Dir sofort konkrete Übungen? Die findest Du im Beitrag "Stress: Gezielt abbauen".

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