Ausreichend trinken
Manche vergessen es einfach. Andere wollen nicht so häufig zur Toilette müssen. Wieder andere mögen schlichtes Wasser nicht gerne. Es gibt viele Gründe, warum Senioren nicht ausreichend trinken. Das Gute ist: Ganz so viel wie viele denken, muss man gar nicht trinken, denn auch die Nahrung enthält Wasser. Die pauschale Ansage, man müsse 2 bis 3 Liter Wasser am Tag schaffen, ist so nicht haltbar. Und es gibt ein paar kleine Tricks, dank derer Dein Angehöriger ganz nebenbei mal häufiger zum Glas greift.
Das Wichtigste in Kürze
- Flüssigkeitsmangel kann bereits nach relativ kurzer Zeit die geistige Leistungsfähigkeit trüben, im Extremfall sogar zu Verwirrtheit führen.
- Im Extremfall kann ein Flüssigkeitsdefizit zu bleibenden organische Schäden führen.
- Manche Medikamente beeinflussen Durstempfinden und Wasserhaushalt.
- Die tägliche Wasserzufuhr sollte bei 30 Milliliter pro Kilogramm Körpergewicht liegen – ein gutes Drittel davon wird über die Nahrung gedeckt.
- Kleine Tricks wie Lieblingsgetränke und -gläser unterstützen Deinen Angehörigen darin, gerne etwas zu trinken.
- Ein Timer zur Erinnerung oder ein stets gefülltes Glas an zentraler Stelle helfen ebenso wie Regelmäßigkeit oder kleine Rituale dabei, das Trinken nicht zu vergessen.
Gefahr: Flüssigkeitsmangel
Ausreichend zu trinken, ist wichtig, insbesondere im höheren Alter. Mit steigendem Alter vergessen viele Menschen das aber häufig. Manche wollen auch nicht mehr so viel trinken, weil sie befürchten, zur Unzeit auf die Toilette zu müssen. Und ganz grundsätzlich lässt sowieso das Durstgefühl mit steigendem Alter immer weiter nach. Hinzu kommt: Manche Medikamente verringern das Durstgefühl noch weiter und beeinflussen den Wasserhaushalt im Körper ungünstig.
Unser Tipp: Überprüfe die Medikamente, die Dein Angehöriger regelmäßig einnimmt darauf, ob sie den Wasserhaushalt beeinflussen. Wenn ja, überlegt am besten gemeinsam mit der Apotheke, wie ihr am besten darauf reagieren könnt. Eventuell gibt es auch eine Alternative mit weniger Nebenwirkungen.
Zu wenig zu trinken kann kritisch werden, denn Flüssigkeitsmangel führt schon nach vergleichsweise kurzer Zeit zu Verwirrung und getrübter geistiger Leistungsfähigkeit. Wenn niemand mitbekommt, dass jemand zu wenig trinkt, ist damit schnell der Weg in eine Abwärtsspirale geebnet. Zu den eventuellen Folgen der Verwirrtheit zählen etwa Stürze, womöglich sogar mit Knochenbrüchen, oder das Aussperren aus dem Haus mit eventueller Unterkühlung. Im schlimmsten Fall drohen bleibende organische Schäden durch das Flüssigkeitsdefizt. Das alles gilt es, wenn irgendwie möglich, zu vermeiden.
Nicht überfordern
Deshalb ist es entscheidend, dass insbesondere Pflegebedürftige genug trinken, damit sich ihr Zustand nicht aus vermeidbaren Gründen plötzlich verschlechtert. Wichtig dabei ist natürlich, dass Du keine Panik verbreitest und Deinen zu pflegenden Angehörigen nicht überforderst. Aber einige kleine Tricks sind durchaus hilfreich, damit das Trinken besser klappt.
Gut zu wissen: Man muss gar nicht ganz so viel Wasser trinken, wie mancher vielleicht immer wieder mal gehört hat. Eine gute Trinkmenge ist also durchaus schaffbar.
Offizielle Empfehlung
Jeden Tag 2 bis 3 Liter Wasser schaffen – so pauschal kann man das nicht sagen. Diese Angabe ist mittlerweile überholt. Besser ist es, individuell zu schauen, wie viel Dein zu pflegender Angehöriger in etwa täglich trinken müsste. Laut Deutscher Gesellschaft für Ernährung (DGE) sollte die Wasserzufuhr bei 30 Milliliter pro Kilogramm Körpergewicht liegen, und zwar durch Getränke und feste Nahrung zusammen. Für eine Seniorin mit einem Gewicht von 55 Kilogramm bedeutet das also beispielsweise 1,65 Liter. Für einen Senior mit 75 Kilogramm Gewicht wären 2,25 Liter am Tag empfohlen.
Ein gutes Drittel des Bedarfs wird normalerweise über die Nahrung gedeckt. Es ist also völlig in Ordnung, nur etwa zwei Drittel dieser Menge tatsächlich zu trinken. Das wären im Beispiel von unseren Senioren etwa 1,1 Liter bei 55 Kilogramm Körpergewicht beziehungsweise 1,5 Liter bei 75 Kilogramm – was ein deutlich entspannteres Ziel darstellt als die pauschale Angabe „2 bis 3 Liter“.
Gut zu wissen: Die Aussage, dass koffeinhaltige Getränke dem Körper Wasser entziehen, gilt inzwischen als veraltet. Zwei bis drei Tassen Kaffee oder schwarzen Tee am Tag könnt Ihr daher getrost zur Menge hinzurechnen. Der Rest sollte idealerweise aus Wasser, Kräutertees, dünnen Saftschorlen oder Aufgüssen wie Ingwertee bestehen. Alkohol dagegen geht nicht in die Summe ein.
Anreize schaffen
Für die wenigsten Senioren dürfte es hilfreich sein, ihnen zu sagen, sie müssten unbedingt mindestens 2 oder gar 3 Liter Wasser am Tag schaffen – zumal so viel ja auch gar nicht nötig ist. Viel zielführender ist es, mit kleinen Tricks zu arbeiten. Dazu gehören vor allem: Lieblingsgetränke und hübsche Gefäße. Ein ständig griffbereites, hübsches Lieblingsglas macht es leichter, immer mal wieder einen Schluck zu nehmen. Am besten gibt es gleich mehrere davon, damit es zwischendurch mal in die Spülmaschine wandern kann.
Unser Tipp: Hat Dein Angehöriger womöglich Bedenken, nachts zu oft aus dem Bett zu müssen, weil er oder sie so viel getrunken hat? Wenn ja, dann versucht es am besten so einzurichten, dass die gewünschte Menge schon am früheren Abend ausgetrunken ist. Idealerweise ist das letzte Glas mindestens eine Stunde vor dem Zubettgehen leer. Dann lässt sich das letzte Getränk noch gut vor dem Schlafengehen „wegbringen“ und nachts reicht einmaliges Aufstehen aus.
Zusätzlich hilft auch Abwechslung bei der Getränke-Auswahl. Wenn Dein zu pflegender Angehöriger es mag, kannst Du schnödes Wasser ganz leicht geschmacklich aufpeppen, zum Beispiel mit einem Schuss Saft, ein paar Scheiben Ingwer oder aromatischen Kräutern. Gemeinsam mit Kaffee, grünem oder schwarzem Tee und Kräutertee sowie mal einem Malzbier, einer Fassbrause oder einem alkoholfreien Bier am Abend kommt man schnell auf eine gute Auswahl.
Unser Tipp: Was viele jüngere Leute ohne Auto mittlerweile selbstverständlich nutzen, ist auch für Senioren sehr praktisch: Lieferdienste für Getränke wie Flaschenpost, Durst oder der Lieferservice von Supermärkten in der Nähe bringen all die schönen Getränke bis ins Zuhause oder zumindest bis an die Haustür.
Erinnerungen helfen
Nicht nur das stets gefüllte Glas, an zentraler Stelle bereitgestellt, ist eine gute Gedächtnisstütze. Um das Trinken nicht zu vergessen, können auch kurze Erinnerungen helfen, zum Beispiel per App oder Wecker beziehungsweise Timer.
Auch Rituale sind sinnvoll. Wenn es zum Beispiel zu jeder Mahlzeit ein kleines Glas Wasser gibt, immer morgens einen Kaffee und immer nachmittags eine Tasse schwarzen Tee, dann hilft die pure Regelmäßigkeit dabei, jeden Tag eine ausreichende Menge zu trinken.
