Kurzzeitpflege: Keinen Platz gefunden
Wenn Du krank wirst, eine berufliche Fortbildung mitmachen willst oder einfach mal Urlaub brauchst, muss Dein Familienmitglied anderweitig versorgt werden. Wenn Ihr eigentlich einen Platz für eine Kurzzeitpflege im Heim nutzen wollt, aber keinen findet, gibt es noch andere Möglichkeiten. Ideal ist es, schon im Vorfeld Kontakte zu Vertretungspersonen aufzubauen.
Das Wichtigste in Kürze
- Wenn Du für die Pflege ausfällst, muss Dein pflegebedürftiges Familienmitglied anderweitig versorgt werden.
- Die Pflegeversicherung muss diese Ersatzpflege bis zu einer bestimmten Höhe finanzieren, aber Ihr müsst sie organisieren.
- Die Ersatzpflege kann in der eigenen Wohnung oder in einem Pflegeheim stattfinden.
- Kurzzeitpflegeplätze im Heim sind nicht immer leicht zu bekommen.
- Eine alternative Möglichkeit ist, die bedürftige Person zu Hause zu pflegen, entweder über einen Pflegedienst oder durch Vertretungspersonen.
- Auch ein Platz in der Tagespflege kann Teil der Alternativ-Versorgung sein.
Zu wenige Plätze
Manchmal ist die Pflege zu Hause nicht möglich. Eine übliche Alternative ist dann das vorübergehende Wohnen in einem Pflegeheim, auch Kurzzeitpflege genannt. Die Suche nach einem Platz geht normalerweise folgendermaßen vonstatten: Auf dem entsprechenden Antragsformular der Pflegekasse tragt Ihr ein, warum und wann Dein zu versorgender Angehöriger einen Platz braucht. Die bevorzugte Einrichtung gebt Ihr ebenfalls an. Und zum abgesprochenen Zeitpunkt zieht Dein Angehöriger dann vorübergehend in eine Einrichtung mit pflegerischer Versorgung.
Allerdings kann es passieren, dass Ihr keinen Kurzzeitpflegeplatz bekommt. Gerade in Ferienzeiten sind die Plätze rar. „Insgesamt gibt es zu wenig Kurzzeitpflegeplätze“, erläutert Jochen Meyer, Einrichtungsleiter der Johanniter-Unfall-Hilfe, Regionalverband Harburg. Er leitet eine der wenigen solitären Kurzzeitpflege-Einrichtungen in Deutschland. Keine Einrichtung ist verpflichtet, Personen zur Kurzzeitpflege aufzunehmen. Da nutzt leider auch der gesetzliche Anspruch nichts.
Alternativen zur Kurzzeitpflege
Wenn Ihr keinen stationären Platz finden könnt, ist meist die erste Frage: Kann die Pflege auch zu Hause stattfinden? Auch dafür gibt es Extrabudget und -personal. Das heißt dann Verhinderungspflege. Grundsätzlich kann das ein Pflegedienst übernehmen, aber auch eine Privatperson Eures Vertrauens. Bezahlt werden die Leistungen ebenfalls über das Entlastungsbudget.
Gut zu wissen: Über das sogenannte Entlastungsbudget kann Ersatzpflege recht flexibel bezahlt werden. Wie hoch das Budget genau ist und was Euch zusteht, erfährst Du im Artikel „Entlastungsbudget: Kurzzeit- und Verhinderungspflege“.
Verhinderungspflege vom Pflegedienst
Besonders praktisch ist es, wenn Ihr sowieso schon in Kontakt mit einem Pflegedienst steht. Falls Ihr bereits eine Leistung in Anspruch nehmt, könnt Ihr beim Pflegedienst nachfragen, ob die Pflegekräfte vorübergehend mehr Unterstützung leisten können. Wenn ja, könnt Ihr besprechen, was in Deiner Abwesenheit zusätzlich nötig ist, und entsprechend weitere Pflegeleistungen buchen.
Pflegedienst plus weitere Hilfen
Pflegedienste sind normalerweise gut vernetzt mit Pflegestützpunkten, Sozialstützpunkten der Gemeinde und dem Sozialdienst im Krankenhaus, so Jochen Meyer. Wenn der Pflegedienst nicht alles abpuffern kann, was Du normalerweise leistest, kann eine Kombination sinnvoll sein.
Möglichkeiten sind beispielsweise:
- Der Pflegedienst springt häufiger ein.
- Dein Angehöriger verbringt einen Teil des Tages in einer Tagespflege-Einrichtung.
- Ehrenamtliche Hilfskräfte übernehmen manche Aufgaben.
- Der Pflegedienst hilft bei der Vermittlung eines 24-Stunden-Pflegeservices in der eigenen Wohnung.
- Eventuell kann der Pflegedienst sogar einen Kurzzeitplatz an anderer Stelle als bei Euren ursprünglichen Wunscheinrichtungen vermitteln.
Nachbarschaftshilfe
Wenn vor allem viele kleine Hilfen notwendig sind, etwa Einkaufen, Hilfe im Haushalt, Begleitung und Gesellschaft, dann können Ehrenamtliche oft den Großteil dieser Arbeiten übernehmen. In vielen Regionen gibt es Nachbarschaftshilfe-Vereine, die genau solche Unterstützung vermitteln. Sie können somit ebenfalls eine sinnvolle Alternative zur Kurzzeitpflege sein. Details erfährst Du in der „Übersicht: Nachbarschaftshilfe“, die unten verlinkt ist.
Übergangspflege
Nach einem Krankenhausaufenthalt gibt es einen Sonderfall: Die sogenannte Übergangspflege greift. Wenn es zum Zeitpunkt der Entlassung noch keinen Reha- oder Kurzzeitpflegeplatz gibt und die Pflege zu Hause nicht möglich ist, dann gibt es Anspruch auf bis zu zehn Tage Übergangspflege im Krankenhaus. Euer Ansprechpartner ist in diesem Fall der Sozialdienst des Krankenhauses, in dem die bisherige Behandlung stattgefunden hat. Dort weiß man, ob Anspruch auf Übergangspflege besteht und wie diese organisiert wird.
Gut zu wissen: Es handelt sich um eine Leistung der Krankenkasse. Der Pflegegrad ist also egal.
Gemeinsam in Reha
Seit Juli 2025 besteht noch eine weitere Möglichkeit: Macht die pflegende Person eine Vorsorgekur oder Rehamaßnahme mit, besteht unter bestimmten Voraussetzungen der Anspruch, die pflegebedürftige Person mit in die Einrichtung zu nehmen. Das solltet Ihr gut planen, denn es muss alles passen. Die Einrichtung muss die Möglichkeit haben, Euch beide aufzunehmen. Für jeden von Euch müsst Ihr die passenden Anträge einreichen. Das ist viel Aufwand, aber eine weitere Option auf Versorgung. Insbesondere bei Personen mit einer weit fortgeschrittenen Demenz kann diese Alternative sinnvoll sein, denn so bleiben sie bei ihrer gewohnten Bezugsperson.
Gut zu wissen: Pflegende Angehörige können zur Erhaltung der eigenen Gesundheit eine Vorsorgekur beantragen. Alle Details dazu kannst Du im Artikel "Übersicht: Vorsorgekur" nachlesen, der unten verlinkt ist.
Netz aus Vertretung schaffen
Damit Euch im Bedarfsfall die Suche nach Vertretung nicht überfordert, ist es sinnvoll, bereits in Zeiten ohne Druck die Fühler auszustrecken. Im Gespräch mit der Pflegeberatung könnt Ihr Euch Einrichtungen und Pflegedienste empfehlen lassen und Kontakt aufnehmen. Lasst Euch gegebenenfalls auf Wartelisten setzen. Da ein Leben, in dem man eine pflegebedürftige Person versorgt, sehr fordernd ist, kann Pflegevertretung jederzeit hilfreich sein.
Entspannt vorfühlen
Vielleicht probiert Ihr die Tages- oder Kurzzeitpflege im Vorfeld schon einmal ohne Notsituation aus. Jochen Meyer sieht darin Vorteile für beide Seiten: „Es ist wichtig, dass pflegende Angehörige Hilfsangebote wahrnehmen.“ Sie müssten auch den Freiraum erhalten, sich um eigene Angelegenheiten zu kümmern, sonst seien sie selbst irgendwann gesundheitlich am Limit. Vielleicht kommt Dir das bekannt vor.
Laut Meyer bereichert die Tages- oder Kurzzeitpflege beide Seiten. Für Pflegebedürftige ist es eine Gelegenheit, soziale Kontakte zu knüpfen, aus der Einsamkeit herauszukommen, etwas Neues zu lernen oder Fähigkeiten zu erhalten. Für die pflegende Person entsteht Freiraum und Entlastung.
Auch die Johanniter-Unfall-Hilfe betreibt Einrichtungen der Tages- und Nachtpflege. Du kannst direkt hier in der App danach suchen.
Vertraute Umgebung
Im Notfall ist es meist leichter, eine Vertretung zu finden, wenn vorher nicht eine Person alles allein gestemmt hat. Ein weiterer Vorteil: Die Einrichtung oder der Pflegedienst kennt die pflegebedürftige Person bereits und die wiederum kennt die Situation und die Leute und kommt somit in eine zumindest etwas vertraute Umgebung. „Ich weiß, mein Angehöriger ist gut versorgt, ich kann beruhigt sein, auch vom Kopf her“, beschreibt Jochen Meyer den Blickwinkel der Pflegenden.
Familie und Nachbarschaft
Möglich ist Verhinderungspflege auch stunden- oder tageweise. Dazu könnt Ihr zusätzlich zum Pflegedienst auch Verwandte oder Personen aus der Nachbarschaft einspannen. Das hat neben kurzzeitiger Entlastung den Vorteil, dass im Ernstfall jemand da ist, der auch für einen längeren Zeitraum vertreten kann. Man kennt sich und die Aufgaben.
Gut zu wissen: Aus dem Entlastungsbudget kann auch Privatpersonen eine Aufwandsentschädigung gezahlt werden.
Die Kombinationsmöglichkeiten sind groß. Wenn irgendwie möglich, informiert Euch schon im Vorfeld darüber, welche Vertretungsmaßnahmen für Euch infrage kommen, und testet sie aus. Das gibt Euch auch im Alltag schon eine Entlastung und Kontakte, die gut tun.
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